Joe Biden mit seiner Ehefrau Jill | AP

US-Wahl Biden siegt im Swing State Wisconsin

Stand: 04.11.2020 20:58 Uhr

Wichtiger Sieg für Biden: Der Demokrat hat den umkämpften US-Staat Wisconsin knapp für sich gewonnen. Amtsinhaber Trump zweifelt das Ergebnis aber an - und will eine Nachzählung der Stimmen beantragen.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat den umkämpften Bundesstaat Wisconsin knapp gewonnen und sich damit weitere zehn Wahlleute gesichert. Die Vertreter des Wahlvorstands in dem Bundesstaat erklärten, alle noch offenen Stimmen seien ausgezählt worden, abgesehen von einigen hundert in einer Gemeinde und einer erwartet kleinen Zahl vorläufiger Stimmen.

Amtsinhaber Donald Trump zweifelte das Ergebnis jedoch an. Schon bevor Biden von US-Medien zum Sieger ausgerufen wurde, erklärte der Wahlkampfmanager Trumps, dass der Präsident "umgehend" eine Nachzählung der Stimmen beantragen wolle. Der zurückliegende Kandidat kann dort eine Nachzählung erzwingen, wenn der Abstand zum Führenden einen Prozentpunkt oder weniger beträgt. Der Präsident sei deutlich im Rahmen des Werts, um eine Nachzählung zu fordern - "und das werden wir sofort tun".

Trump will Auszählung in Michigan stoppen

Um Präsident zu werden, muss sich ein Kandidat mindestens die Stimmen von 270 Wahlleuten aus den Bundesstaaten sichern. Inzwischen stehen bei der Wahl nur noch die Ergebnisse weniger Bundesstaaten aus. Alles deutet auf einen extrem knappen Wahlausgang hin. Zuletzt hatten sich in mehreren Staaten leichte Vorteile für Biden abgezeichnet. In Michigan und Nevada hat der Kandidat der Demokraten derzeit die Nase leicht vorn, in Arizona schätzen manche US-Medien seinen Vorsprung sogar schon als uneinholbar ein. Sollte er auch noch diese drei Staaten holen, könnte es am Ende auch ohne den wichtigen Bundesstaat Pennsylvania für die nötige Mehrheit reichen.

Für Michigan erklärte Trumps Wahlkampfteam jedoch bereits, bei einem Gericht einen Stopp der weiteren Auszählung beantragt zu haben. Den Republikanern sei es in mehreren Wahllokalen verwehrt worden, die Öffnung von Wahlbriefen und die Auszählung von Stimmen zu beobachten, erklärte Wahlkampfmanager Bill Stepien. Damit sei gegen ein gesetzlich verbrieftes Recht in diesem US-Staat verstoßen worden.

Der amtierende Präsident hatte sich schon vor Bidens Wahlsieg in Wisconsin über die Entwicklung empört gezeigt: Sein am Dienstagabend noch bestehender Vorsprung sei in einem Bundesstaat nach dem anderen "auf magische Weise verschwunden", schrieb Trump auf Twitter. Der Internetdienst versah den Tweet erneut mit einem Warnhinweis wegen "möglicherweise irreführender" Aussagen.

Ergebnisse könnten noch Tage dauern

Gespannt wird derzeit die Auszählung in Pennsylvania verfolgt. Hier liegt Trump deutlich vorn, doch ist erst die Hälfte von 2,5 bis drei Millionen Briefwahlstimmen ausgezählt. Der Gouverneur von Pennsylvania, Tom Wolf, sprach von einem "Stresstest für die Demokratie". Er werde alles tun, um sicherzustellen, dass jede Stimme in seinem Bundesstaat gezählt werde. Er werde sich gegen jeden Versuch stellen, die Wahl in Pennsylvania anzugreifen.

Es könnte noch Tage dauern, bis die Verantwortlichen in den US-Bundesstaaten ein vorläufiges Ergebnis ausrufen. Auch in Georgia und mit einigem Abstand North Carolina hat Biden noch - wenn auch geringe - Chancen auf Überraschungen in letzter Minute, weil unter anderem in der Großstadt Atlanta viele Stimmen ausstehen.

Die Auszählung zieht sich wegen des hohen Briefwahlanteils hin. Experten gehen davon aus, dass die Mehrheit der Briefwähler für Biden gestimmt haben dürfte. In manchen Bundesstaaten - so etwa in Pennsylvania - werden Briefwahlstimmen mit Poststempel vom Wahltag auch dann angenommen, wenn sie einige Tage nach der Wahl bei den Behörden eingehen. "Wir ruhen nicht, ehe nicht jede Stimme gezählt ist", bekräftigte Biden auf Twitter.

Während laufender Auszählung zum Sieger erklärt

In der Nacht hatte sich Trump im Weißen Haus während der laufenden Auszählung zum Sieger erklärt und angekündigt, seinen Anspruch vor das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten zu bringen. "Wir waren dabei, diese Wahl zu gewinnen", sagte der Präsident und fügte hinzu: "Offen gesagt haben wir diese Wahl gewonnen." Bidens Wahlkampfteam warf Trump vor, die Auszählung rechtmäßig abgegebener Stimmen stoppen zu wollen. Das sei "empörend, beispiellos und falsch". Trump hatte schon im Wahlkampf Stimmung gegen die Briefwahl gemacht und Zweifel an der Rechtmäßigkeit geschürt - obwohl die Abstimmung per Post eine etablierte Form der Stimmabgabe ist.

Insgesamt schnitt Trump deutlich besser ab als nach den Umfragen erwartet. Der drei Jahre ältere Biden verfehlte den von den Demokraten erhofften klaren Wahlsieg und musste sich unter anderem in wichtigen Staaten wie Florida und Texas dem republikanischen Präsidenten geschlagen geben. Vor der Wahl hatte etwa das Statistikportal "FiveThirtyEight" nur eine Wahrscheinlichkeit von rund zehn Prozent für einen Sieg Trumps errechnet.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. November 2020 um 22:15 Uhr.