Stimmauszählung in den USA | AFP

US-Wahl Enges Rennen in mehreren Staaten

Stand: 04.11.2020 18:59 Uhr

Das Kopf-an-Kopf-Rennen in den USA könnte sich noch Tage hinziehen. In einigen umkämpften Staaten hat Biden nun einen leichten Vorsprung - sehr zum Unwillen von Trump, der seinem Ärger auf Twitter Luft macht.

Noch immer ist nichts klar bei der Präsidentschaftswahl in den USA - aber in mehreren Staaten haben sich zuletzt leichte Vorteile für den Herausforderer Joe Biden abgezeichnet. In Wisconsin, Michigan und Nevada hat der Kandidat der Demokraten jeweils die Nase leicht vorn. Sollte er diese drei Staaten und Arizona holen, könnte es am Ende auch ohne den wichtigen Bundesstaat Pennsylvania für die nötige Mehrheit reichen.

Amtsinhaber Donald Trump zeigte sich über die Entwicklung empört: Sein am Dienstagabend noch bestehender Vorsprung sei in einem Bundesstaat nach dem anderen "auf magische Weise verschwunden", schrieb der Präsident auf Twitter. Der Internetdienst versah den Tweet erneut mit einem Warnhinweis wegen "möglicherweise irreführender" Aussagen.

Ergebnisse könnten noch Tage dauern

Gespannt wird derzeit die Auszählung in Pennsylvania verfolgt. Hier liegt Trump deutlich vorn, doch ist erst die Hälfte von 2,5 bis drei Millionen Briefwahlstimmen ausgezählt. Der Gouverneur von Pennsylvania, Tom Wolf, sprach von einem "Stresstest für die Demokratie". Er werde alles tun, um sicherzustellen, dass jede Stimme in seinem Bundesstaat gezählt werde. Er werde sich gegen jeden Versuch stellen, die Wahl in Pennsylvania anzugreifen.

Es könnte noch Tage dauern, bis die Verantwortlichen in den US-Bundesstaaten ein vorläufiges Ergebnis ausrufen. Auch in Georgia und mit einigem Abstand North Carolina hat Biden noch - wenn auch geringe - Chancen auf Überraschungen in letzter Minute, weil unter anderem in der Großstadt Atlanta viele Stimmen ausstehen.

Die Auszählung zieht sich wegen des hohen Briefwahlanteils hin. Experten gehen davon aus, dass die Mehrheit der Briefwähler für Biden gestimmt haben dürfte. In manchen Bundesstaaten - so etwa in Pennsylvania - werden Briefwahlstimmen mit Poststempel vom Wahltag auch dann angenommen, wenn sie einige Tage nach der Wahl bei den Behörden eingehen. "Wir ruhen nicht, ehe nicht jede Stimme gezählt ist", bekräftigte Biden auf Twitter.

Während laufender Auszählung zum Sieger erklärt

In der Nacht hatte sich Trump im Weißen Haus während der laufenden Auszählung zum Sieger erklärt und angekündigt, seinen Anspruch vor das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten zu bringen. "Wir waren dabei, diese Wahl zu gewinnen", sagte der Präsident und fügte hinzu: "Offen gesagt haben wir diese Wahl gewonnen." Bidens Wahlkampfteam warf Trump vor, die Auszählung rechtmäßig abgegebener Stimmen stoppen zu wollen. Das sei "empörend, beispiellos und falsch". Trump hatte schon im Wahlkampf Stimmung gegen die Briefwahl gemacht und Zweifel an der Rechtmäßigkeit geschürt - obwohl die Abstimmung per Post eine etablierte Form der Stimmabgabe ist.

Der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, hält die Wahl indes noch nicht für entschieden. Das Land werde bald sehen, wie die Entscheidung der Wähler ausgefallen sei, sagte der Vertraute Trumps. "Wir wissen noch nicht, wer das Rennen um die Präsidentschaft gewonnen hat." Er erklärte aber auch, dass er Trumps Ankündigung, den Kampf um die Wahl vor Gericht fortzusetzen, für unproblematisch halte. Bei einem knappem Wahlergebnis sei "das schon früher passiert und könnte auch dieses Mal passieren", sagte er. "Vor Gericht zu gehen, ist der Weg, wie wir Unsicherheiten auflösen."

Kampf um den Senat

Insgesamt schnitt Trump deutlich besser ab als nach den Umfragen erwartet. Der drei Jahre ältere Biden verfehlte den von den Demokraten erhofften klaren Wahlsieg und musste sich unter anderem in wichtigen Staaten wie Florida und Texas dem republikanischen Präsidenten geschlagen geben. Vor der Wahl hatte etwa das Statistikportal "FiveThirtyEight" nur eine Wahrscheinlichkeit von rund zehn Prozent für einen Sieg Trumps errechnet.

Bei den gleichzeitigen Kongresswahlen konnten die Demokraten Prognosen zufolge zwar ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigen, erlitten aber einen schweren Dämpfer im Kampf um den Senat. Mehrere republikanische Senatoren, die als Wackelkandidaten galten, konnten ihre Sitze verteidigen. Die Demokraten konnten zunächst einen Sitz aufholen - sie hatten nach Berechnungen der Nachrichtenagentur AP 45 Sitze, die Republikaner 47. Der Senat bestätigt unter anderem die Kandidaten für Regierungsämter oder das Oberste Gericht, was ihn besonders wichtig für einen Präsidenten macht.

Über dieses Thema berichtete die Sondersendung zur US-Wahl am 04. November um 20:15 Uhr.