Wahlauftakt in New Hampshire | AFP

Wahltag in den USA Heizpilze, Waffen und ein erster Sieger

Stand: 03.11.2020 07:55 Uhr

Mit einer mitternächtlichen Stimmabgabe in New Hampshire ist der Wahltag in den USA gestartet. Dort war der Sieger schnell ausgezählt. Doch nun heißt es Abwarten für Trump und Biden. Der Präsident witterte erneut Betrug.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Wenn in Maines kleiner Landeshauptstadt Augusta heute um 7 Uhr Ortszeit die Wahllokale öffnen, dann wartet auf die Wähler ganz im Nordosten der USA eine angenehme Überraschung: Heizstrahler im Außenbereich, um das Warten bei vorhergesagten Minustemperaturen und Schneeschauern ein bisschen angenehmer zu machen.

Julia Kastein ARD-Studio Washington

"Damit die Leute, wenn sie am Wahltag hier mit Abstand warten, es wenigstens ein bisschen warm haben", sagt Oberstadtdirektor William Bridgeo. Er hat die Heizelemente anbringen lassen - mit Geld, das seine Stadt Mark Zuckerberg verdankt. Der Facebook-Gründer und seine Frau haben insgesamt eine Viertel Million Dollar gespendet, um finanzschwache Kommunen in den gesamten USA für diesen Wahltag aufzurüsten.

100 Millionen Menschen haben bereits gewählt

Der 70-jährige Bridgeo hat schon viele Wahlen erlebt: "In den vergangenen 48 Jahre habe ich nicht so eine Energie, eine Leidenschaft erlebt wie bei dieser Wahl."

Und nicht nur in Augusta: Schon vor dem eigentlichen Wahltag haben landesweit fast 100 Millionen US-Bürger per Briefwahl oder dem sogenannten "Early Voting" ihre Stimme abgegeben - 70 Prozent aller Wähler von 2016. Bei den Jungwählern ist die Wahlbeteiligung schon jetzt doppelt so hoch wie vor vier Jahren.

Und es dürfte knapp werden: In den entscheidenden Swing States liegen die Kandidaten laut Umfragen fast gleichauf. Entsprechend legten sie sich zum Wahlkampf-Abschluss noch einmal ins Zeug: Amtsinhaber Donald Trump absolvierte fünf Auftritte in vier Bundesstaaten - und zwar in Wisconsin, Michigan, North Carolina und Pennsylvania. Die Wähler dort hatten ihm 2016 seinen Überraschungssieg beschert.

Hilfe von Lady Gaga

Demokrat Joe Biden konzentrierte sich vor allem auf Pennsylvania, mit gleich drei Veranstaltungen. Der Bundesstaat könnte wahlentscheidend sein. Und der Ex-Vizepräsident lag, zumindest was den Star-Appeal angeht, vorne - dank eines Gastauftritts von Lady Gaga.

Lady Gaga beim Wahlkampf-Finale von Joe Biden | REUTERS

Vor Bidens Auftritt in Pittsburgh spielte Lady Gaga mehrere Songs und rief auf, für ihn zu stimmen. Bild: REUTERS

Trump wittert Betrug

Ein Hauptthema am letzten Wahlkampf-Tag: die Integrität der Wahl selbst. Trump warnte, dass in Pennsylvania eine "sehr gefährliche Situation" entstanden sei, weil in dem Swing State auch noch Stimmzettel gezählt werden dürfen, die bis zu drei Tage nach der Wahl per Post eingegangen sind. Und er schickte eine ominöse Warnung an den demokratischen Gouverneur von Pennsylvania hinterher: "Also bitte, lieber Gouverneur: Bitte nicht mogeln. Wir haben Dich im Auge."

In einem spätabendlichen Tweet, der prompt mit einem Warnhinweis versehen wurde, legte Trump noch mal nach: Wegen Pennsylvania drohe Gewalt in den Straßen.

Ex-Vizepräsident Biden rief die US-Wähler auf, sich nicht verunsichern zu lassen: "Meine Botschaft ist ganz einfach: Ihr habt die Macht, dieses Land zu ändern. Und mir ist ganz egal, was Trump alles versucht: Er kann nichts tun, um das Land davon abzuhalten, zur Wahl zu gehen."

Parteien entsenden Wahlbeobachter

Beide Parteien wollen heute Wahlbeobachter in die Wahllokale schicken. Trump hatte seine Anhänger explizit dazu aufgerufen. Und viele Experten fürchten, dass diese "Trump-Armee" versuchen könnte, Wähler einzuschüchtern. Pennsylvanias Justizminister Josh Shapiro bemühte sich gestern, die Wähler in seinem Staat zu beruhigen: "Wir werden keine Wähler-Einschüchterung akzeptieren, von keinem Kandidaten von keiner Partei. Die Polizei ist bereit, um das zu unterbinden. Das wird eine sichere und verlässliche Wahl."

Auch William Brigdeo, Wahlleiter im kleinen Augusta in Maine, fürchtet, dass bei der aufgeheizten Stimmung im Land jemand die Nerven verlieren könnte - zumal in seinem Bundesstaat jeder seine Waffe offen tragen darf. Auch im Wahllokal. "Ich mache mir schon Sorgen, dass ein paar Störer auftauchen im Wahllokal, als Wahlbeobachter. Hier kann man eine halbautomatische Waffe dabei haben, ohne Zulassung. Und wir haben genügend Schwachköpfe, die das auch gerne tun."

Wie wohl viele Amerikaner ist der Stadtdirektor jedenfalls froh, wenn er diesen Tag hinter sich hat: "Dieser Wahlkampf geht schon so lange. Alle sind davon erschöpft. Es kann nicht schnell genug vorübergehen."

Über die Wahl in den USA berichtet die ARD in einer Livesendung ab 22.50 Uhr: "Amerika wählt - wer wird der nächste Präsident?"

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. November 2020 um 06:01 Uhr, 07:07 Uhr und 08:48 Uhr.

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Moderation 03.11.2020 • 14:49 Uhr

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