In einer Bar in Hollywood wird auf einem Bildschirm die Debatte von US-Präsident Trump und Joe Biden gezeigt | AFP

TV-Debatte von Trump und Biden Zwei Lager - zwei Sieger

Stand: 23.10.2020 18:16 Uhr

Kurz vor der Präsidentenwahl konnten sich Millionen US-Amerikaner nochmals einen Eindruck von den beiden Kandidaten verschaffen. Wer gewann? Das kommt erwartungsgemäß ganz darauf an, wen man fragt.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

"Wenn es einen klaren Debatten-Gewinner gibt, dann ist das Kristen Welker, die Moderatorin", findet die MSNBC-Journalistin Rachel Maddox. Sie spricht damit den meisten Fernsehzuschauern aus der Seele: Für die ruhige, sachliche, aber auch energische Debattenführung gab es allgemein hohe Zustimmungswerte.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Das war's dann aber auch mit der einheitlichen Wertung. Ansonsten sahen erwartungsgemäß beide politischen Lager - und deren Wählerschaft - ihren Kandidaten vorne. "Präsident Trump hat die Debatte mit überwältigenden 74 Prozent Zustimmung gewonnen" - so verkündet der Trump-nahe Sender Fox News seine Zuschauerbefragung. Nur 24 Prozent sahen demnach Biden als Sieger.

Fox News: "Biden beim Lügen ertappt"

Wenig überraschend fiel das Stimmungsbild bei der linksliberalen Konkurrenz CNN genau andersherum aus: Hier sahen 53 Prozent Biden als Sieger. Nur 39 Prozent fanden, dass Trump den Schlagabtausch für sich entschieden hat. Auch bei der inhaltlichen Wertung konnte man den Eindruck gewinnen, es seien verschiedene Debatten auf unterschiedlichen Kanälen ausgestrahlt worden.

"Joe Biden wurde bei einer Lüge nach der anderen ertappt", fand Fox-News-Moderator Sean Hannity. Der Sender hatte am Morgen einen Reporter nach Nashville entsandt, den Debattenort. In einer Kneipe mit dem Namen Redneck Riviera befragte der maskenlose Reporter die maskenlosen Kneipengänger nach ihren Eindrücken: "Wie fanden Sie die Performance von Trump?" Die Antwort: "Großartig, er hat den Amerikanern die Wahrheit gesagt!"

Buttigieg: "Gebe die vollen zehn"

Parallel dazu listet auf CNN deren Fact Checker Daniel Dale jede Unwahrheit und Übertreibung des Präsidenten auf: "In dieser Debatte war er noch unehrlicher als in dem eskalierten ersten TV-Duell", so die Wahrnehmung der Trump-kritischen Medien.

Und dann bat CNN Pete Buttigieg ins Gespräch, der während der Vorwahlen selber Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden wollte. Die Frage: "Auf einer Skala von eins bis zehn - wo sehen Sie Biden?" "Natürlich gebe ich ihm die vollen zehn", so Buttigieg.

Die meisten haben sich längst entschieden

Und so ist es ein Ding der Unmöglichkeit, einen wirklichen Debattengewinner zu ermitteln. Es spricht ohnehin viel dafür, dass die meisten Amerikaner ihre Wahlentscheidung längst getroffen haben. Das spiegelt sich zudem in der Rekordzahl an frühen Wählern, die bereits ihre Stimme abgegeben haben.

Auch Felicia Sharp in Milwaukee braucht keine Zeit mehr zum Überdenken ihrer Wahlentscheidung: "Sie haben ja vergangene Nacht die Debatte gesehen", fragt der Reporter - "und?" Bei jeder Frage sei Donald Trump der Antwort ausgewichen. "Hat das Ihre Wahlentscheidung verändert?" "Nein, hat es nicht!"

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2020 um 18:21 Uhr.