TV-Debatte der US-Vizepräsidentschaftskandidaten | SHAWN THEW/EPA-EFE/Shutterstock

TV-Debatte in den USA Angriffe im Sinne der Chefs

Stand: 08.10.2020 09:04 Uhr

Anders als ihre Chefs haben sich die Kandidaten für die Vize-Präsidentschaft der USA ein weitgehend normales TV-Duell geliefert. Vor allem die Corona-Pandemie stand im Mittelpunkt - Überraschungen waren Mangelware.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

"Einen Herzschlag von der Präsidentschaft entfernt", das sind Vizepräsidenten. Und Kamala Harris und Mike Pence wären es bei zwei der ältesten Präsidenten in der Geschichte der USA. Bei der Debatte in Salt Lake City aber müssen sie die Politik und Wahlkampfstrategie ihrer Chefs verteidigen.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

"Was immer diese Regierung getan hat, hat nicht funktioniert", attackiert Harris das Corona-Krisenmanagement von Donald Trump und Mike Pence, der ja den Krisenstab des Weißen Hauses leitete. Der Umgang mit der Pandemie steht wie erwartet im Mittelpunkt der Diskussion. Wann wusste der Präsident was? Hat er richtig gehandelt? Wie können Regierungsmitglieder Vorbild sein, wenn sie nicht einmal Masken tragen und sich dann gegenseitig anstecken?

"Präsident Trump und ich vertrauen den Menschen in Amerika, dass sie selbst für ihre Gesundheit entscheiden können", argumentiert Pence, der während der gesamten Fernsehdebatte extrem ruhig, sehr kontrolliert auftritt. Schwierige Fragen zu offenen Flanken der Trump-Politik umgeht er konsequent, füllt seine Redezeit mit den offiziellen Darstellungen. Und bricht wie Trump vor einer Woche die Regeln, indem er einfach weiter redet, wenn seine Zeit um ist. Die Moderatorin hat dabei Mühe, ihn zu stoppen.

Pence souverän, Harris emotional

Und trotzdem kommt Pence sehr souverän rüber, Harris eher emotional. Sie macht Punkte, wenn sie versucht, die Glaubwürdigkeit von Trump und Pence zu untergraben. Ob sie sich impfen lassen würde, wird sie gefragt. "Wenn die Profis, die Ärzte dazu raten, bin ich die erste in der Reihe. Wenn Donald Trump dazu rät, nehme ich es nicht", antwortet sie.

Pence dagegen wirft Joe Biden vor, sein Plan zum Umgang mit der Pandemie sei von Trump abgekupfert, lese sich wie ein Plagiat. Ein Seitenhieb, da Biden in der Vergangenheit erwischt wurde, Reden kopiert zu haben.

 

Keine echte Diskussion

Durch neun Themenfelder streiten sich die beiden, eine echte Diskussion kommt nicht auf. Unterschiedliche Standpunkte in der Wirtschaftspolitik, beim Handelskrieg, im Umgang mit Protesten für soziale Gerechtigkeit. Harris greift immer wieder an, wie bei der Umweltpolitik, dem Umgang mit Klimawandel. Das Muster der Regierung sei, nicht auf Wissenschaft zu bauen.

Aber sie bekommt Pence nicht zu fassen, der mit dem Glauben an Fortschritt und Innovation kontert. "Wir machen große Fortschritte und reduzieren CO2 durch amerikanische Innovation und mehr Erdgas durch Fracking." 

Die Vizedebatte - insgesamt ist sie ruhiger, mehr an den wichtigen Themen interessiert als die der Chefs vor einer Woche. Der Erkenntnisgewinn aber bleibt auch diesmal klein.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.