US-Präsident Trump und sein Vize Pence im Weißen Haus | Bildquelle: AFP

US-Vizepräsident Pence Fromm im Windschatten

Stand: 07.10.2020 10:36 Uhr

US-Vizepräsident Pence hat Trump vier Jahre treu und leise gedient und nicht zuletzt die Interessen gläubiger Wähler bedient. Bei seinem ersten TV-Duell mit seiner Kontrahentin Harris richtet sich der Blick schon auf 2024.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

In vier Jahren im Windschatten des Präsidenten hat Mike Pence seine Rolle gefunden: stets loyaler Gefolgsmann von Donald Trump, der seinen Boss niemals öffentlich kritisiert, sondern bei jeder Gelegenheit devot lobt - wie im März 2020, als Trump wegen der Pandemie den Notstand ausrief. "Dieser Tag sollte eine Inspiration sein, für alle Amerikaner", so Pence damals. "Dank Ihrer starken Führung von Anfang an, Herr Präsident, mobilisieren wir nicht nur die ganze Regierung, sondern ganz Amerika gegen das Virus."

Pence war Gouverneur von Indiana im mittleren Westen, bevor ihn Trump 2016 zu seinem Vize kürte. Der 61-Jährige ist streng gläubiger Christ, sozial konservativ und damit Trumps Verbindung zu den wahlentscheidend wichtigen Evangelikalen.

Während einer Rede von US-Präsident Trump steht sein Vize Pence hinter ihm. | Bildquelle: dpa
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So sieht es die Verfassung vor, und so entspricht es auch dem Selbstverständnis beider: US-Vizepräsident Pence steht hinter Präsident Trump.

Radio statt Repräsentantenhaus

Pence politische Karriere begann mit Niederlagen: Zweimal scheiterte der junge Anwalt Ende der 1980er-Jahre bei Wahlen fürs US-Repräsentantenhaus. Stattdessen ging er zum Radio. Mit der "Mike Pence Show", die erst nur im Lokalsender in Rushville (US-Bundesstaat Indiana) und später landesweit zu empfangen war, schärfte Pence sein Profil als Erzkonservativer - und konvertierte in dieser Zeit vom Katholiken zum Evangelikalen.

In seiner Sendung fragte Pence 1997: "Ist Ehebruch etwa keine große Sache mehr in Indiana und in Amerika? Das würde ich gerne von Euch hören. Denn ich glaube, dass das 7. Gebot eine große Sache ist. Das ist doch das wichtigste Versprechen, das man je eingehen wird."

Um nur nicht in Versuchung zu geraten, lehnt es der Sohn eines Tankstellenbetreibers nach eigenen Angaben ab, mit einer anderen Frau allein in einem Raum zu sein. Pence und seine Frau Karen sind seit 35 Jahren verheiratet und haben drei Kinder.

Trump lobt Einsatz gegen Pandemie

Auch Trump soll sich hin und wieder schon über Pence Frömmigkeit lustig gemacht haben. Doch meist lobt er seinen Vize als fleißigen und zuverlässigen Chef der Pandemie-Taskforce im Weißen Haus.

So spontan und scheinbar unberechenbar sein Chef, so überlegt und ruhig wirkt Pence, auch im Wahlkampf. Selbst Attacken auf den politischen Gegner fallen im Ton meist sehr zurückhaltend aus. Beim Parteitag der Republikaner attackierte er Joe Biden als Trojanisches Pferd der radikalen Linken, ohne auch nur die Stimme zu heben.

Bei aller Loyalität zu seinem Chef: In Washington wird auch immer wieder über eigene Ambitionen von Pence spekuliert. Seine Präsidentschafts-Kandidatur 2024 gilt als wahrscheinlich. Und dabei zählt er offenbar auf Gottes Hilfe. Über dem Kamin in seinem Wohnzimmer hängt ein Bibelzitat: "Denn ich weiß genau, welche Pläne ich für Euch gefasst habe, spricht der Herr. Mein Plan ist, Euch Heil zu geben und kein Leid, ich gebe Euch Zukunft und Hoffnung."

Was zeichnet die Vize-Kandidaten aus? Doppelporträt
Julia Kastein, ARD Washington
07.10.2020 09:30 Uhr

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