Die Bar "Pinche Gringo" | Bildquelle: Xenia Böttcher

Mexiko und das US-TV-Duell Alle gegen Trump im "Pinche Gringo"

Stand: 08.10.2020 12:45 Uhr

Mexiko schaut mit besonderer Spannung auf die Wahl in den benachbarten USA. In einer Bar in Mexiko-Stadt zeigt sich beim TV-Duell Pence-Harris, dass die Sympathien klar verteilt sind.

Von Xenia Böttcher, ARD-Studio Mexiko-Stadt

"Pinche Gringo" heißt, wenn man es freundlich übersetzt, "Verdammter Ami". Dan Defossey, selbst US-Amerikaner, ist der Meinung, es ist genau der richtige Name für seine Bar in Mexiko-City: "Das bricht das Eis, bringt alle zum Lachen - und schon sind wir vereint, und darum geht es."

Defossey hat eingeladen zur Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten. Es gibt Burger, Barbecue und Bier, genügend sicheren Abstand und eine große Leinwand. Es kommen vor allem junge Mexikaner zwischen 20 und 30 Jahren, die ganz offensichtlich von Anfang an für die Demokraten halten. Niemand jedenfalls will sich für das Duo Trump-Pence aussprechen.

Die Beleidigungen sind noch gegenwärtig

Unvergessen sind all die Beleidigungen und Drohungen der vergangenen Jahre: Mexikaner seien Kriminelle, Vergewaltiger und sollten Trumps Grenzmauer bezahlen. Sie sollten die Migranten aus Zentralamerika aufnehmen - wenn nicht, drohte der US-Präsident, werde er die Grenzen schließen. Auch Strafzölle drohte Trump an, sollte Mexiko nicht einem neuen Freihandelsabkommen zustimmen.

Ivana Farro hofft darum auf einen Neuanfang mit einem neuen Präsidenten: "Mexiko hängt in starkem Maße von den USA ab, wenn es um Wirtschaft und Investitionen geht, um die Einwanderung. Wir brauchen niemanden wie Trump als unmittelbaren Nachbarn."

Fernando Castilla und Ivana Farro | Bildquelle: Xenia Böttcher
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Halten nicht viel von Trump: Barbesucher Castilla und Farro

Beifall für die Kandidatin

Die Debatte beginnt und die Mexikaner spenden Applaus, als sich Kamala Harris nicht von Vizepräsident Mike Pence unterbrechen lässt. Als sie Trump Rassismus vorwirft, als Pence die Frage beantworten soll, ob der Präsident an Wissenschaft glaube und ob der Klimawandel eine menschengemachte Bedrohung sei.

Harris mit ihren karibischen Wurzeln und noch dazu eine Frau - das kommt bei Fernando Castilla gut an: "Das hat es in den USA noch nicht gegeben, dass eine farbige Frau für die Demokraten als Vizepräsidentin an den Start geht. Das ist doch historisch!"

Das Gefühl von Abhängigkeit

Mexiko hat in den vergangenen Jahren zwar nach neuen Partnern gesucht, zum Beispiel in Europa. Aber wirtschaftlich ist das Land doch zweifellos von den USA abhängig. Und diesen Hebel habe Trump rücksichtslos genutzt, findet Fernando.

Ob das Team Biden-Harris aber alles ganz anders machen würden, da ist Fernando skeptisch. "Die USA, das ist mein Gefühl, fühlen sich generell allen anderen Ländern wegen ihrer wirtschaftlichen und militärischen Macht überlegen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich das ändern wird."

Mehr als 36 Millionen US-Amerikaner haben mexikanische Wurzeln. Ihre Stimme wird von Wahl zu Wahl entscheidender - gerade in so umkämpften Bundesstaaten wie Texas, Kalifornien oder Florida. Alejandro Gonzales hofft auf den "Latino-Vote": "Unsere Landsleute dort schauen hoffentlich nicht nur nach ihren eigenen Interessen, sondern auch zu uns herüber", meint er.

Alejandro Gonzales und Jessica Ecker | Bildquelle: Xenia Böttcher
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Auch sie haben sich schon festgelegt: Alejandro Gonzales und Jessica Ecker

Geht die Spaltung über die Landesgrenze hinaus?

Dass sich am Abend im "Pinche Gringo" kein Trump-Unterstützer zeigt, könnte man als Anzeichen dafür interpretieren, dass selbst in Mexiko die Lager gespalten sind und es keinen Austausch mehr in der Sache gibt. Jessica Ecker will demnächst in den USA ihre Stimme für das Team Biden-Harris abgeben und dann lieber in Mexiko auf das Wahl-Ergebnis warten. "Trump hat so viel Aufruhr und Chaos geschaffen - wenn er wiedergewählt wird, habe ich Angst um unser Land. Es ist der Grund, warum ich hier bin. Ich bin lieber in Mexiko als in den USA."

Und Gastgeber Dan Defossey fügt hinzu: "Als Amerikaner in Mexiko fühle ich manchmal Scham. Ich denke, der Umgang ist nicht richtig, und eine neue Führung könnte wieder ein Gleichgewicht herstellen. Die Vereinigten Staaten sind nicht der große Bruder und Mexiko ist kein Kind."

Während der Debatte richten sich die Blicke oft auf das Handy oder zum Nachbarn. Zwischen Pence und Harris geht es ruhiger zu als zwischen Trump und Biden. Als die Debatte endet, sehen die Gäste Harris als Siegerin, was wenig verwunderlich ist. Die Mexikaner hier hatten ihre Entscheidung schon lange vor der Debatte getroffen.

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