Joe Biden | REUTERS

Künftige US-Regierung Wer schafft es in Bidens Kabinett?

Stand: 12.11.2020 18:01 Uhr

Seinen Stabschef hat der künftige US-Präsident Biden schon ausgewählt - aber wer wird Teil seiner Regierung? Bei der Besetzung muss Biden strategisch vorgehen. Einige prominente Namen sind im Rennen.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Ron Klain wird demnächst Joe Bidens Stabschef. In einem Wahlspot fordert er eine neue Corona-Politik für die USA. Klain ist Bidens erste Personalentscheidung, eine der wichtigsten, denn der Stabschef ist das Nadelöhr für den Zugang zum Präsidenten.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Natürlich wird in Washington spekuliert, wer in einem Biden-Kabinett Ministerin oder Minister wird - und an Ratschlägen hat der zukünftige Präsident keinen Mangel.

Warren als Finanzministerin?

Bernie Sanders hätte gern Elisabeth Warren als Finanzministerin, weil sie sich, so Sanders, den Interessen der Finanzindustrie entgegenstellen werde. Die ehemalige Gegenkandidatin Bidens im Vorwahlkampf steht mit oben auf der Wunschliste der Parteilinken für dieses Schlüsselministerium.

Aber da werden auch andere gehandelt, die eher Fachleute sind als Warren. Janet Yellen zum Beispiel, die von Trump hinausgedrängte frühere Chefin der US-Notenbank. Oder Lael Brainard, früher einmal Staatssekretärin im Finanzministerium.

Biden: "Kein Druck"

Kein Druck, sagt Biden. Auch wenn es im Augenblick schwieriger als geplant ist, die neue Regierung vorzubereiten, werde er systematisch vorgehen und die richtigen Personen für sein Kabinett auswählen.

Außenministerin könnte zum Beispiel Susan Rice werden, Sicherheitsberaterin bei Barack Obama. Sie und Biden kennen sich gut. Andere Kandidaten sind der Senator, Außenpolitiker und Biden-Vertraute Chris Coons sowie William Burns, der schon für Warren Christopher und Madeleine Albright gearbeitet hat.

Für das Ressort Verteidigung wird Senatorin Tammy Duckworth genannt, eine Veteranin, die im Irakkrieg beide Beine verlor und auch als Vizepräsidentin im Gespräch war. Michèle Flournoy und Jeh Johnson sind ebenfalls Verteidigungsexperten, die aber bei Waffenproduzenten im Aufsichtsrat sitzen und deshalb bei der Parteilinken auf Widerstand stoßen könnten.

Strategische Besetzung

Überhaupt muss Biden die verschiedenen Flügel der Partei befriedigen. Zudem stehen einige aus der Liste der früheren Gegenkandidaten bereit, die vielleicht dafür entschädigt werden müssen, dass sie zugunsten von Biden auf eine Kandidatur bei den Präsidentenwahlen verzichteten.

Für das Arbeitsministerium bringt sich Bernie Sanders selbst ins Spiel. Andere sind Amy Klobuchar für das Landwirtschaftministerium oder Pete Buttigieg für das Veteranenministerium.

Wichtig ist noch das Justizministerium, das nach dem Trump loyalen William Barr wieder größere innere Unabhängigkeit bekommen soll. Namen sind hier Xavier Becerra, der in Kalifornien Kamala Harris als Justizminister nachfolgte. Den Finger gehoben hat auch Parteichef Tom Perez, der schon mal Arbeitsminister und Staatsanwalt für Menschenrechtsfragen war. Gute Chancen hätte auch Sally Yates, die zehn Tage amtierende Ministerin war, bis Trump sie feuerte - wegen Widerborstigkeit.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 12. November 2020 um 17:37 Uhr.