Während des Wahlkampfs um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten melden sich Biden und Harris zu Wort | Bildquelle: AP

Kamala Harris Scharfzüngig in die zweite Reihe

Stand: 07.10.2020 10:36 Uhr

Vize-Präsidentschaftskandidatin Harris hat im Wahlkampf der US-Demokraten ihren damaligen Konkurrenten Biden hart attackiert. Nun strebt sie an seiner Seite ins Weiße Haus und soll dabei wichtige Wählergruppen binden.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Kamala Harris ist in ihrem Leben schon oft die "erste schwarze Frau" gewesen: als Bezirksstaatsanwältin in San Franciso, als Justizministerin in Kalifornien - und jetzt als Vize-Präsidentschaftskandidatin.

Noch lieber wäre die Tochter eines Jamaikaners und einer Inderin selbst Präsidentin geworden. Und eine Szene aus dem Vorwahlkampf 2019 haben viele Amerikaner nicht vergessen: In einer TV-Debatte attackierte sie ihren damaligen Konkurrenten Joe Biden scharf und persönlich wegen dessen ablehnender Haltung zum Thema Integration von Schulen. "Ich glaube nicht, dass Du ein Rassist bist", sagte sie damals. "Aber es war schmerzhaft, Dich über zwei US-Senatoren reden zu hören, die ihren Ruf und ihre Karriere mit der Rassentrennung gemacht haben."

Als klar wurde, dass Biden der demokratische Kandidat würde und sie bestenfalls sein "running mate", ruderte Harris zurück. "War doch nur eine Debatte! Und ich werde 1000 Prozent geben, damit er gewählt wird." Ihre eigenen Ambitionen hatte Harris schon vor Beginn der Vorwahlen aufgeben: In Umfragen lag sie weit abgeschlagen, ihr ging das Geld aus.

Kampf um eine wichtige Wählergruppe

Biden hat Harris mit Bedacht gewählt: wegen ihrer Herkunft und ihrem Geschlecht. Schwarze Frauen sind ein wichtiger und loyaler Wählerblock der Demokraten. Aber er wählte sie auch, weil die erfahrene Politikerin sofort in der Lage wäre, das Präsidentenamt zu übernehmen. "Sie weiß wie man regiert. Sie wäre in der Lage, diesen Job sofort zu übernehmen", so Biden bei der Vorstellung seiner Vizin.

Harris gilt als Parteilinke. Und anders als Biden ist sie beispielsweise für den "Green New Deal", das Programm für eine Energiewende und mehr soziale Gerechtigkeit. Als Senatorin sitzt sie im Justizausschuss und galt dort bei Anhörungen von Donald Trumps Kandidaten für den Obersten Gerichtshof als scharfe und pointierte Inquisitorin.

In ihren sechs Jahren als Generalstaatsanwältin in Kalifornien machte sich Harris nicht nur Freunde: Vertreter der "Black Lives Matter"-Bewegung werfen ihr vor, sie habe damals vor allem ihr Image als "Top Cop", sprich als Oberpolizistin, gepflegt und nicht im gleichem Maß in Fällen von Polizeigewalt ermittelt.

Der Einfluss der Mutter

Ihre Mutter, die als 25-Jährige aus Indien in die USA kam, in Berkeley als Biologin forschte und sich in der Bürgerrechtsbewegung engagierte, habe großen Einfluss auf sie gehabt, so Harris.

Die 55-Jährige ist mit dem Anwalt Douglas Emhoff verheiratet, der zwei Töchter in die Ehe mitgebracht hat. Die Mädchen nennen ihre Stiefmutter liebevoll "Momala". Beim Parteitag der Demokraten im August sagte Harris: "Ich habe in meiner Karriere schon viele Titel gehabt. Und Vizepräsidentin wäre schon ziemlich gut. Aber Momala bleibt der Titel, der mir am meisten bedeutet."

Was zeichnet die Vize-Kandidaten aus? Doppelporträt
Julia Kastein, ARD Washington
07.10.2020 09:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Oktober 2020 um 07:08 Uhr und 11:08 Uhr.

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