Ein Biden-Unterstützer hält eine Flagge mit der Aufschrift "Biden President" in der Hand | REUTERS

Auszählung der US-Wahl Biden führt in zwei weiteren Staaten

Stand: 06.11.2020 15:33 Uhr

Herausforderer Biden ist dem Weißen Haus einen Schritt näher: Er übernahm zunächst im Bundesstaat Georgia die Führung, nun auch in Pennsylvania. Amtsinhaber Trump wehrt sich mit wüsten Beschimpfungen.

Joe Biden steht unmittelbar davor, die erforderliche Mehrheit von 270 Wahlleuten zu erlangen und somit die US-Präsidentschaftswahl zu gewinnen. Der Herausforderer von Amtsinhaber Donald Trump übernahm jetzt auch im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania die Führung. Nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen entfallen laut Datenanbieter Edison Research auf den Demokraten 49,4 Prozent und auf Trump 49,3 Prozent. Kurz zuvor hatte Biden auch in Georgia die Führung übernommen.

Biden hat bislang 253 Wahlleute auf sich vereinigen können, Trump 214. Für den Gesamtsieg sind mindestens 270 erforderlich. Mit den 20 Wahlleuten aus Pennsylvania hätte der 77 Jahre alte Biden 273 und die Wahl damit gewonnen. Georgia würde mit seinen 16 Wahlleuten alleine nicht ausreichen. In dem sonst eher zu den Republikanern tendierenden Bundesstaat sind bereits mehr als 99 Prozent der Stimmen ausgezählt, eine Entscheidung könnte noch heute fallen.

Biden führt außerdem auch in den weiterhin offenen Schlüsselstaaten Nevada und Arizona. Trump liegt nun nur noch in Alaska (3 Wahlleute) und North Carolina (15) vorne.

Trumps Chancen schwinden

Die Chancen von Präsident Trump auf eine zweite Amtszeit werden mit fortschreitender Auszählung immer geringer - entsprechend harsch seine Reaktionen. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus reklamierte er den Sieg erneut für sich - und versuchte abermals, mit Betrugsvorwürfen Zweifel am Wahlprozess zu schüren - allerdings ohne jegliche Beweise für seine Behauptungen zu nennen. Mehrere US-Fernsehsender brachen ihre Live-Übertragung aus dem Weißen Haus daraufhin ab und unterzogen Trumps Behauptungen einem Faktencheck.

Des Weiteren machte Trump deutlich, dass er das Amt nicht kampflos aufgeben will. Er kündigte erneut an, sich mit einer ganzen Serie von Klagen bis hinauf zum Obersten Gericht gegen eine Niederlage zu wehren. "Es wird eine Menge Klagen geben. Wir können nicht zulassen, dass eine Wahl auf diese Weise gestohlen wird", so der Präsident. In mehreren Bundesstaaten wurden Klagen eingereicht - in mehreren wurden sie allerdings auch schon wieder abgewiesen.

Twitter versieht Einträge mit Warnhinweisen

Auch auf Twitter setzte der Präsident seine Betrugsvorwürfe fort. Er behauptete, die Wahl mit "legal" abgegebenen Stimmen mit Leichtigkeit gewonnen zu haben. Twitter verpasste dem Tweet umgehend den Warnhinweis, dass der Beitrag irreführende Informationen enthalten könne.

Republikaner wenden sich gegen Betrugsvorwürfe

Kritik an Trumps Vorgehen kommt diesmal auch aus seiner eigenen Partei. Mehrere führende Republikaner stellten sich teils offen gegen den Präsidenten. "Es gibt keine Rechtfertigung für die Äußerungen des Präsidenten heute Abend, die unseren demokratischen Prozess untergraben", schrieb der republikanische Gouverneur des Bundesstaats Maryland, Larry Hogan, auf Twitter.

Der Kongressabgeordnete Adam Kinzinger twitterte: "Hören Sie auf, entlarvte Falschinformationen zu verbreiten ... Das wird langsam verrückt."

Keine Anhaltspunkte für Wahlbetrug

Dagegen spendete der einflussreiche Vorsitzende des Justizausschusses im Senat, Lindsey Graham, 500.000 Dollar für Trumps Anwaltsfonds. Konkrete Anhaltspunkte für massiven Wahlbetrug gibt es keine. Die Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kamen zu dem Schluss, sie hätten "keinerlei Hinweise auf systemische Probleme finden können".

Unterdessen heizt sich auch die Stimmung zwischen Anhängern und Gegnern des Präsidenten weiter auf. Viele Trump-Anhänger nahmen die Betrugsvorwürfe auf und beschuldigen das demokratische Lager sowie die Medien des Betrugs. Der Secret Service stellte einem Bericht der "Washington Post" zufolge zusätzliche Mitarbeiter ab, um Biden zu schützen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. November 2020 um 16:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Zwicke 06.11.2020 • 17:23 Uhr

Anfrage...

Ich habe ja hier bereits zum Ausdruck gebracht, daß es mir persönlich egal ist, wer die US-Präsidentschaftswahl gewinnt... weil ich - abgesehen von Stimmungen - für Drittstaaten keine grundlegenden Veränderungen der US-Außenpolitik erwarte. Und auf die Innenpolitik der USA haben Drittstaaten ohnehin keinen Einfluß. _ Aus politikstrategischen Gründen hätte ich jedoch einen Wahlsieg von Trump begrüßt. Denn die nahezu weltweiten Anti-Globalisierungsbestrebungen hin zu mehr Nationalismen sind unübersehbar, und auch ein Joe Biden wird eine entsprechende Transformation der US-Gesellschaft nicht aufhalten (können). _ Deshalb würde es mich interessieren, hier von eloquenten Usern mal Gründe dafür zu hören, weshalb mit Biden alles besser würde...