US-Demokrat Joe Biden tritt nach einer Wahlkampfansprache in Durham vom Podium. | AP

Nach der US-Wahl Biden auf Kurs ins Weiße Haus

Stand: 06.11.2020 13:56 Uhr

Die US-Präsidentschaft rückt für Herausforderer Biden in greifbare Nähe: Im Bundesstaat Georgia hat er die Führung übernommen, dort sind fast alle Stimmen ausgezählt. Amtsinhaber Trump wehrt sich mit wüsten Beschimpfungen.

253 Wahlleute kann der demokratische Herausforderer Biden mittlerweile auf sich vereinen - für den Einzug ins Weiße Haus fehlen ihm noch genau 17. Diesem Ziel ist der 77-Jährige nun offenbar ein Stück näher gekommen. Er übernahm die Führung im umkämpften Schlüsselstaat Georgia - eigentlich eine Hochburg der Republikaner.

Ein Erfolg in Georgia würde Biden 16 weitere Wahlleute bringen - anschließend würde ihm einer der vier offenen Schlüsselstaaten für einen Sieg genügen. In Georgia sind fast alle Stimmen ausgezählt, eine Entscheidung könnte noch heute fallen.

Trumps Chancen schwinden

Die Chancen von Präsident Trump auf eine zweite Amtszeit werden mit fortschreitender Auszählung immer geringer - entsprechend harsch seine Reaktionen. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus reklamierte er den Sieg erneut für sich - und versuchte abermals, mit Betrugsvorwürfen Zweifel am Wahlprozess zu schüren - allerding ohne jegliche Beweise für seine Behauptungen zu nennen. Mehrere US-Fernsehsender brachen ihre Live-Übertragung aus dem Weißen Haus daraufhin ab und unterzogen Trumps Behauptungen einem Faktencheck.

Des Weiteren machte Trump deutlich, dass er das Amt nicht kampflos aufgeben will. Er kündigte erneut an, sich mit einer ganzen Serie von Klagen bis hinauf zum Obersten Gericht gegen eine Niederlage zu wehren. "Es wird eine Menge Klagen geben. Wir können nicht zulassen, dass eine Wahl auf diese Weise gestohlen wird", so der Präsident. In mehreren Bundesstaaten wurden Klagen eingereicht - in mehreren wurden sie allerdings auch schon wieder abgewiesen.

Twitter versieht Einträge mit Warnhinweisen

Auch auf Twitter setzte der Präsident seine Betrugsvorwürfe fort. Er behauptete, die Wahl mit "legal" abgegebenen Stimmen mit Leichtigkeit gewonnen zu haben. Twitter verpasste dem Tweet umgehend den Warnhinweis, dass der Beitrag irreführende Informationen enthalten könne.

Republikaner wenden sich gegen Betrugsvorwürfe

Kritik an Trumps Vorgehen kommt diesmal auch aus seiner eigenen Partei. Mehrere führende Republikaner stellten sich teils offen gegen den Präsidenten. "Es gibt keine Rechtfertigung für die Äußerungen des Präsidenten heute Abend, die unseren demokratischen Prozess untergraben", schrieb der republikanische Gouverneur des Bundesstaats Maryland, Larry Hogan, auf Twitter.

Der Kongressabgeordnete Adam Kinzinger twitterte: "Hören Sie auf, entlarvte Falschinformationen zu verbreiten ... Das wird langsam verrückt."

Keine Anhaltspunkte für Wahlbetrug

Dagegen spendete der einflussreiche Vorsitzende des Justizausschusses im Senat, Lindsey Graham, 500.000 Dollar für Trumps Anwaltsfonds. Konkrete Anhaltspunkte für massiven Wahlbetrug gibt es keine. Die Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kamen zu dem Schluss, sie hätten "keinerlei Hinweise auf systemische Probleme finden können".

Unterdessen heizt sich auch die Stimmung zwischen Anhängern und Gegnern des Präsidenten weiter auf. Viele Trump-Anhänger nahmen die Betrugsvorwürfe auf und beschuldigen das demokratische Lager sowie die Medien des Betrugs. Der Secret Service stellte einem Bericht der "Washington Post" zufolge zusätzliche Mitarbeiter ab, um Biden zu schützen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. November 2020 um 15:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schwer gestört 06.11.2020 • 15:55 Uhr

@ Blitzdings

7. Re-Institution des Pariser Abkommens Geil. Na endlich, wird ja auch Zeit.