TV-Debatte der US-Vizepräsidentschaftskandidaten | Bildquelle: SHAWN THEW/EPA-EFE/Shutterstock

Analyse der TV-Debatte Etwas gesitteter - und was noch?

Stand: 08.10.2020 07:41 Uhr

Die US-Medien hatten es wochenlang als das wichtigste Vize-Duell der US-Geschichte verkauft: die TV-Debatte von Senatorin Harris und Vizepräsident Pence. Hat es die Erwartungen erfüllt?

Eine Analyse von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

1. Etwas zivilisierter - durcheinandergeredet wurde trotzdem

Es war die große Frage vorab: Schaffen es Kamala Harris und Mike Pence mit Hilfe der Moderatorin, durch anderthalb Stunden Debatte zu kommen, ohne sich lautstark zu beschimpfen? Die Antwort: jein. Aus Joe Bidens "Sei endlich mal still" wurde bei Harris ein "Jetzt rede ich." Und Pence hatte sich bei seinem Chef eine Strategie offenbar abgeguckt: Einfach weiterreden. Und das machte er. Bis er von der Moderatorin an die Spielregeln erinnert wurde.

Trotzdem: Insgesamt ging es diesmal deutlich gesitteter zu. Und Beide durften mal einen Satz zu Ende bringen.

2. Schwierige Emotionalität bei einem ungerührten Gegenüber

Harris macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Sie lacht. Sie wird lauter. Sie wird sehr nachdrücklich und emotional. Das macht sie sie sympathisch und menschlich - wirkt aber nicht ganz so souverän.

Vor allem wenn das Gegenüber so kontrolliert ist wie Pence, der die Stimme weder hebt noch senkt. Laut ersten Blitzumfragen hat Harris die Debatte trotzdem gewonnen. Auch wenn Donald Trump das natürlich ganz anders sieht.

3. Debatten sind nicht das Forum für Informationen über Inhalte

In dieser Debatte ging es im Zehn-Minuten-Takt um fast alle Themen, die die Amerikaner gerade bewegen: die Pandemie natürlich, Wirtschaft, Klimawandel, Steuern und so weiter. Und es wurde klar, dass beide Lager sehr unterschiedliche Ansätze verfolgen: Bei Corona sind die Demokraten beispielsweise für verbindliche Regeln (Maskenpflicht); Trump und Pence finden: Das muss jeder Amerikaner selbst entscheiden dürfen. Die Demokraten wollen die Steuern für Reiche erhöhen, die Republikaner weiter senken.

Aber ob die CO2-Belastung durch die Umstellung auf Erdgas tatsächlich so gesunken ist, wie von Pence behauptet, oder der Handelskrieg mit China tatsächlich 300.000 Amerikanern den Jobs gekostet, wie Harris beharrte - das kann man glauben. Oder besser anschließend recherchieren.

4. Beide Kandidaten haben ihre Bewährungsprobe bestanden

Allein wegen des Alters von Trump und Biden denken viele Amerikaner diesmal genauer also sonst darüber nach, ob sie auch den Vizepräsidentschaftskandidaten zutrauen, den Top-Job zu übernehmen. Und zumindest was TV-Duelle angeht, ist klar: Die können das. Sogar ein bisschen besser.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Oktober 2020 um 10:00 Uhr.

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