Flaggen von China und den USA | Bildquelle: dpa

China und die US-Wahl Versöhnliche Signale aus Peking

Stand: 05.11.2020 15:46 Uhr

Das Verhältnis zwischen China und den USA ist zerrüttet - auch wegen der Politik des US-Präsidenten. Dennoch kommen aus Peking nun freundliche Töne - es gebe viele gemeinsame Interessen.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. in Berlin

Chinas Staatsfernsehen wie auch andere Medien berichten weiter nur sehr zurückhaltend über die Lage in den USA nach den Präsidentschaftswahlen. Sie sind offenbar angewiesen worden, vor allem Berichte der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zu nutzen.

Kommentare sollen sich an den Aussagen des Außenministeriums orientieren, heißt es in Richtlinien, die der China Digital Times zu gespielt wurden, ein kalifornisches Projekt, das die Zensur in China transparent machen will.

Und aus dem Außenministerium kamen heute versöhnliche Töne Richtung Washington. Man hoffe auf einen reibungslosen Verlauf der Auszählung, sagte Vize-Außenminister Le Yucheng: "China und die USA habe ihre Differenzen, aber wir haben auch weitreichende gemeinsame Interessen und Raum für Zusammenarbeit."

In einer Bar in Peking wird die CNN-Berichterstattung zur US-Wahl gezeigt. | Bildquelle: AP
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Die US-Wahl wird auch in China interessiert verfolgt - wie hier in einer Bar in Peking. Die Verwunderung ist teils groß.

Handelsstreit seit mehr zwei Jahren

Die USA und China sind seit über zwei Jahren in einen erbitterten Handels- und Zollstreit verstrickt. US-Präsident Trump heizte mit seiner aggressiven Rhetorik die Spannungen zusätzlich an. Die chinesische Führung reagierte mit Propaganda, die die USA in möglichst schlechtes Licht rückt. Ganz so als stünde die amerikanische Demokratie kurz vor dem Zusammenbruch.

Auch auf den Straßen Pekings hört man das oft, zugleich sehen sich viele Chinesen als Zuschauer einer - aus ihrer Sicht - merkwürdigen Show: Er habe gehört, dass es Proteste und Klagen geben soll, sagt ein Mann. Er warte darauf, was als nächstes kommt: "Chinesen haben Spaß daran, Zuschauer zu sein."

Diese Wahl sei doch ziemlich ähnlich wie die letzte, sagt ein anderer Passant. "Der Streit zwischen den beiden Parteien geht weiter. Wir wissen halt nicht, ob es ein großes Chaos oder ein kleines Chaos geben wird. Wir bleiben neugierige Zuschauer."

Peking hofft auf künftige Zusammenarbeit

Es gibt auch Stimmen, die die Wahlen, wie auch den Umgang der USA mit der Corona-Pandemie, als Belege für den Zerfall und Abstieg Amerikas und der Demokratie sehen. In der "Huanqiu Shibao" schreibt ein Professor der Lite-Universität heute: die "chaotischen Wahlen" in den USA seien ein weiterer Beweis dafür, dass die Unzufriedenheit mit der Demokratie in den Industrieländern einen neuen Höchststand erreicht habe. Die Rekord-Wahlbeteiligung in den USA erwähnte der Autor allerdings nicht.

Für Vize-Außenminister Le Yucheng hingegen waren politische Systemfragen kein Thema. Er setzt auf Dialog: "Wir hoffen, dass die neue US-Administration mit China zusammenarbeiten wird - im Geiste der Nicht-Konfrontation, des gegenseitigen Respekts und der win-win-Kooperation." Der Vize-Außenminister nannte weder Amtsinhaber Donald Trump noch Joe Biden beim Namen, aber die Stoßrichtung ist klar - China hofft vielleicht doch auf einen Neustart der Beziehungen.

US-Wahlen: China hofft auf Neustart der Beziehungen
Ruth Kirchner, ARD Peking
05.11.2020 14:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. November 2020 um 16:07 Uhr.

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Ruth Kirchner, RBB

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