Eine junge Frau mit schwarzem Mund-Nasen-Schutz sitzt auf einer Wahlkampfveranstaltung im September 2020. | Bildquelle: AP

Junge Wähler in den USA Verärgert, verunsichert - vergessen?

Stand: 14.10.2020 04:00 Uhr

Durch die andauernden Proteste in den USA ist auch ein Teil der jungen Generation wieder politischer geworden. Doch auf die anstehende Wahl blicken viele mit Unsicherheit und dem Gefühl, dass ihre Probleme kaum gehört werden.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Normalerweise geht David Hogg auf die Straße, um gegen Schusswaffen zu protestieren. Doch der Überlebende des Schulmassakers von Parkland in Florida vor zwei Jahren kämpft zur Zeit für etwas anderes: Der "March for Our Lives"-Aktivist mobilisiert junge Wähler.

"Wenn eine Sache nicht funktioniert, dann ist es, wenn ältere Leute den jungen sagen: 'Ihr müsst wählen gehen.'", sagt Hogg. Er weiß, bei der Wahl am 3. November kommt es besonders auf junge Wähler an - zumindest für diejenigen, die einen Wechsel im Weißen Haus wollen. "Sie sollten es als rebellischen Akt sehen", erklärt Hogg, und es nicht nur tun, weil ihre Eltern es ihnen sagen. "Verärgerte junge Menschen, die etwas verändern wollen. Und die Wahl ist ein Weg, um das zu tun."

Die Sorgen der Jungen: hohe Studiengebühren, fehlende Krankenversicherung

Und verärgert sind viele junge US-Bürger: die sogenannte Generation Z. Die 18- bis 23-Jährigen fühlen sich abgehängt von der Politik der über 70-Jährigen. In einer Umfrage des Senders "PBS" äußern sie viele Sorgen und Unsicherheiten: "Was können Sie tun, um die Studienkosten zu verringern? Wie gehen Sie mit Flüchtlingen um? Was tun Sie, um die Krankenversicherung zu garantieren?"

Soziale Ungleichheit, ein Billionen-Berg von Studienschulden. Die meisten Studierenden werden ihre eigenen erst mit 40 oder 50 Jahren abbezahlt haben. Durch die Corona-Krise wächst die wirtschaftliche Unsicherheit. Viele junge Amerikaner mussten zurück zu ihren Eltern ziehen.

Nach Umfragen der Harvard Universität sagen weniger als zehn Prozent der Studenten, dass das Land so läuft wie es soll. Ihre Themen kommen ihnen in der Trump-Politik zu kurz: eine Krankenversicherung, gebührenfreie Unis, der Erlass von Studienschulden.

Biden führt laut Umfragen bei der jungen Generation

Laut der Umfrage liegt der demokratische Kandidat Joe Biden bei den 18- bis 29-Jährigen deutlich vorn. 60 Prozent würden für ihn stimmen, so wie diese Afroamerikanerin am College von Buffalo im Staat New York: "Ich wähle auf jeden Fall die Demokraten. Ich habe nichts mit den Republikanern am Hut."

Rund 15 Millionen US-Bürger sind seit der vergangenen Präsidentenwahl 18 Jahre alt geworden. Die Generation der nach 1990 Geborenen ist mindestens in einem Punkt anders. Zum ersten Mal ist fast die Hälfte der potenziellen Erstwähler nicht weiß - interessant besonders für die Demokraten.

Bringen Erstwähler den politischen Wandel?

Die "Black Lives Matter"-Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in diesem Sommer haben vielen jungen Menschen wieder einen politischen Push versetzt. In Umfragen sagen mehr als 60 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, dass sie wählen gehen wollen.

Aktivisten verschiedener politischer Bewegungen richten ihre Energie daher auf die Mobilisierung von Jungwählern, mit Kampagnen auf der Straße oder in sozialen Medien. Die jungen Stimmen können den Wandel bringen, sagt auch Alexis Confer von den Waffengegnern von "March for Our Lives": "Wir erreichen die Erstwähler mit unseren Themen: rassistische Ungleichheit, Waffengewalt, Klimawandel. Da draußen sind so viele junge Wähler - die wollen wir motivieren."

Viele junge Wähler sind für die Hilfe dankbar. Eine Umfrage an der Tufts Universität bei Boston bestätigt: Viele potenzielle Erstwähler blicken einfach nicht durch beim Wahlsystem. Es gibt wenig Wahlstandorte und lange Schlangen. Und die Diskussion über die Briefwahl verunsichert andere.

Anti-Waffen, Fridays for Future, BLM - Wo sind sind Stimmen der US-Jungwähler?
Antje Passenheim, ARD New York
13.10.2020 22:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. Oktober 2020 um 10:12 Uhr.

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