Donald Trump

Sturm der Entrüstung auch bei Republikanern Trump greift Familie Khan an

Stand: 24.07.2019 08:17 Uhr

Zum Beginn der heißen Wahlkampfphase hat der republikanische Kandidat Trump die Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten attackiert. Die Entrüstung darüber reichte bis in seine eigenen Reihen.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Es war einer der bewegendsten Momente auf dem Parteitag der Demokraten in der vergangenen Woche. Auf der Bühne standen die immer noch trauernden Eltern eines vor zwölf Jahren im Irak gefallenen muslimischen US-Soldaten. Der aus Pakistan stammende Vater Khizr Khan warf Donald Trump vor: "Sie haben nichts und niemanden geopfert!"

Khizr und Ghazala Khan beim Parteitag der Demokraten
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Khizr Khan griff Trump beim Parteitag der Demokraten an.

Khan empfahl Trump, sich die Gräber auf dem Heldenfriedhof Arlington anzuschauen. Dort könne er sehen, dass Soldaten aller Ethnien und Glaubensrichtungen für Amerika gefallen sind. Und mit Blick auf Trumps Forderung nach einem allgemeinen Einreiseverbot für Muslime fragte Khan: "Haben Sie überhaupt die US-Verfassung gelesen? Ich leihe Ihnen gerne mein Exemplar aus."

"Die hatte nichts zu sagen"

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner reagierte auf den emotionalen Auftritt der muslimischen Eltern im Sender ABC - und zwar so wie Trump es meistens tut, mit einer Rechtfertigung und einem kräftigen Eigenlob: "Ich glaube, ich habe viele Opfer gebracht. Ich arbeite sehr, sehr hart. Und ich habe Tausende und Abertausende Jobs geschaffen, Zehntausende!" Und wie so häufig folgte dann noch ein Gegenangriff. Trump kritisierte Khans Ehefrau: "Die stand da nur und hatte nichts zu sagen. Vielleicht war es ihr nicht erlaubt, etwas zu sagen..."

Khizr und Ghazala Khan beim Parteitag der Demokraten
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Ghazala Khan war in dem emotionalen Moment zunächst stumm geblieben, äußerte sich aber danach in der "Washington Post".

Den wahren Grund, warum Khans Ehefrau Ghazala auf dem Podium beim Demokratischen Parteitag nichts sagen konnte, verriet sie mit tränenerstickter Stimme am Wochenende im Sender NBC. Hinter der Bühne war ein großes Bild ihres im Irakkrieg gefallenen Sohnes eingeblendet. Auch zwölf Jahre nach seinem Tod könne sie nicht einmal in das Zimmer gehen, in dem sein Foto steht, ohne zu weinen: "Das ist sehr hart!"

Kritik an Trump auch aus den eigenen Reihen

Trumps abfällige Bemerkung über eine Frau, die mit dem "Gold Star" für Mütter gefallener US-Soldaten ausgezeichnet wurde, löste einen Sturm der Empörung in den Medien und im Internet aus, auch bei Unterstützern von Trump. Der konservative Publizist und Trump-Kritiker David Brooks sprach auf NBC von einem "Mangel an Empathie, Respekt und Anstand".

Hillary Clinton sagte, Trumps Reaktion zeige, dass er "vom Temperament her für das Präsidentenamt nicht geeignet" sei. Einige Kommentatoren meinten, Trump habe mit diesen Äußerungen viele noch unentschlossene Wähler vor den Kopf gestoßen. Dies sei nun endgültig der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

Doch das glaubten die Experten schon mehrfach nach Trumps umstrittenen Äußerungen. Selbst seine Kritik am republikanischen Senator John McCain, dem er Schwäche vorwarf, weil er sich in Vietnam fangen und foltern ließ, hatte keine negativen Folgen für Trump.

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