Merkel | Maja Hitij/POOL/EPA-EFE/Shutters

Biden-Sieg bei US-Wahl Merkels Glückwunsch, Merkels Angebot

Stand: 09.11.2020 12:48 Uhr

Erste Glückwünsche hatte Kanzlerin Merkel dem designierten US-Präsidenten Biden schon am Samstag übermittelt - nun verband sie ihre Gratulation mit einem Angebot: mehr europäische Eigenverantwortung beim Thema Sicherheit.

Nach dem Sieg von Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl in den USA hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Demokraten bei einem Statement im Kanzleramt gratuliert. Biden bringe Erfahrung aus Jahrzehnten in der Innen- wie der Außenpolitik mit. Er kenne Deutschland und Europa gut. "Ich erinnere mich gerne an gute Gespräche und Begegnungen mit ihm."

Zugleich gratulierte Merkel Kamala Harris, der künftigen Vizepräsidentin. Als erste Frau in diesem Amt und als Kind zweier Einwanderer sei sie "für viele Menschen eine Inspiration, ein Beispiel für die Möglichkeiten Amerikas." Sie freue sich darauf, Harris kennenzulernen, fügte die Bundeskanzlerin hinzu.

Kanzlerin erinnert an deutsche Einheit

Die deutsche Einheit wäre ohne das Vertrauen gerade auch der Amerikaner nicht möglich gewesen, sagte Merkel mit Blick auf den Mauerfall am 9. November 1989: "Dafür werde ich immer dankbar sein." Die Deutschen hätten direkt erfahren, welche wichtige Rolle die Vereinigten Staaten von Amerika für die Freiheit und die Demokratie in der Welt spiele.

Außerdem bot Merkel ein stärkeres deutsches Engagement in Sicherheitsfragen an. "Wir Deutsche und wir Europäer wissen, dass wir in dieser Partnerschaft im 21. Jahrhundert mehr eigene Verantwortung übernehmen müssen", ergänzte sie. "Amerika ist und bleibt unser wichtigster Verbündeter, aber es erwartet von uns - und zurecht - stärkere eigene Anstrengungen, um für unsere Sicherheit zu sorgen und für unsere Überzeugungen in der Welt einzutreten."

Krisen gemeinsam meistern

Die USA und Deutschland als Teil der EU müssten zusammenstehen, um die großen Herausforderungen der Zeit zu bewältigen. Merkel nannte die Corona-Pandemie, den Kampf gegen die Erderwärmung und den Terrorismus und die Bemühungen um eine offene Weltwirtschaft und freien Handel. "Denn das sind die Grundlagen unseres Wohlstands beiderseits des Atlantiks."

Moskau und Peking warten auf Endergebnis

Zurückhaltender als in Berlin fallen bislang die Reaktionen in Moskau und Peking aus. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, man werde sich erst dann äußern, wenn ein offizielles Endergebnis vorliege. Präsident Wladimir Putin habe mehrfach erklärt, er sei bereit, mit jedem Staatsoberhaupt der USA zusammenzuarbeiten. Russland hoffe auf einen Dialog und eine Normalisierung der Beziehungen.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärte, man sehe, dass Biden sich zum Wahlsieger erklärt habe. "Wir verstehen, dass das Ergebnis der US-Präsidentenwahl entsprechend der US-Gesetze und Prozeduren bestimmt wird." Die Volksrepublik werde sich bei einer Stellungnahme zu dem Ergebnis an internationale Praxis halten. Peking werde immer dafür sein, dass China und die USA ihren Dialog stärken und ihre Unterschiede auf Grundlage des gegenseitigen Respekts bewältigen sollten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. November 2020 um 12:00 Uhr.