Wahlparteitag des US-Demokraten

Datenklau bei den US-Demokraten Hacking-Grüße aus Moskau?

Stand: 26.07.2016 09:55 Uhr

Nicht weniger als 20.000 interne Mails der Demokraten veröffentlichte WikiLeaks. Das Wahlkampfteam von Hillary Clinton vermutet, dass Hacker im Auftrag der russischen Regierung dahinterstecken. Russland weist das zurück.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington, zzt. Philadelphia

Hillary Clintons Wahlkampf-Manager Robby Mook ist überzeugt: Für den Datenklau im Hauptquartier der Demokratischen Partei und die anschließende Weitergabe der internen Mails an Wikileaks seien Hacker im Auftrag der russischen Regierung verantwortlich.

Mehrere von der Demokratischen Partei beauftragte Unternehmen für Cyber-Sicherheit hätten deutliche Hinweise darauf: "Sie glauben, dass staatliche Stellen in Russland hinter dem Datenklau stecken und dass diese die Mails dann Hackern zugespielt haben, um damit Donald Trump zu helfen." Ein heftiger Vorwurf von Clintons Wahlkampf-Manager.

Russlands Präsident Wladimir Putin und die von seiner Regierung beauftragen Cyber-Krieger wollten den Präsidentschaftswahlkampf in den USA beeinflussen, ist sich Mook sicher: "Das ist kein Zufall, dass die Mails am Vorabend unseres Parteitages veröffentlicht wurden. Das ist beunruhigend."

Spur zum russischen Militärgeheimdienst

Clintons Wahlkampf-Manager steht mit seinem Verdacht nicht allein. Mehrere Experten für Sicherheit im Internet betonten, schon nach Bekanntwerden des Datenklaus im Hauptquartier der Demokraten im April hätten alle Indizien für einen Hackerangriff aus Russland gesprochen. Nach einem Bericht der "New York Times" soll die Spur zum russischen Militärgeheimdienst führen.

Auch in Europa hätten die russischen Hacker schon Daten geklaut, sagte der Sicherheitsexperte am King's College in London, Thomas Rid, im Sender PBS: "Das ist dieselbe Einheit, die im Mai 2015 in das Netzwerk des Deutschen Bundestages eingedrungen ist."

Die US-Regierung hält sich mit Stellungnahmen noch zurück. Zunächst wolle man die Ermittlungen der Bundespolizei FBI abwarten, sagte Obamas Sprecher Josh Earnest.

Lawrow will vom Datenklau nichts wissen

Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies die Vorwürfe am Rande eines Treffens mit dem US-Außenminister John Kerry in Laos zum Thema Syrien bereits zurück - mit markigen Worten. "Ich will nicht das Wort mit den vier Buchstaben benutzen."

Dass Putin mit Hackern in den US-Wahlkampf eingreife, um Trump zum Sieg zu verhelfen - diesen Vorwurf hält auch Trumps Wahlkampf-Manager Paul Manafort für "absurd": "Das ist ein reines Ablenkungsmanöver der Clinton-Kampagne. Die wollen nur nicht darüber reden, was in den E-Mails steht."

Allerdings verfügt Trumps Wahlkampfmanager über gute Kontakte nach Russland. Manafort beriet früher mehrere russische Oligarchen und den früheren ukrainischen Ministerpräsidenten Wiktor Janukowytsch. Auch Trump hat immer wieder betont, er werde mit Putin und Russland sehr gut klar kommen: Putin sei ein starker Führer.

Datenklau überschattet den Parteitag

Putin wiederum warf Clinton stets vor, sie habe mit ihrer Kritik am Ablauf der russischen Parlamentswahl 2011 bewusst Proteste von Oppositionsgruppen in Russland provoziert. Ob tatsächlich Hacker im Auftrag der russischen Regierung den Parteitag der Demokraten torpedieren und Clinton schaden wollten, das muss nun das FBI klären.

Doch schon jetzt hat die WikiLeaks-Veröffentlichung den Auftakt des Parteitages in Philadelphia überschattet. Zu offensichtlich ging aus den Mails hervor, dass die Parteiführung Clinton gegenüber Sanders bevorzugte. Die Parteivorsitzende Debbie Wasserman Schultz musste nach heftigen Protesten der Sanders-Delegierten zurücktreten. Und die Parteiführung entschuldigte sich bei Bernie Sanders.

Steckt Russland hinter Datenleck der Demokraten?
M. Ganslmeier, ARD Washington
26.07.2016 08:29 Uhr

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