Hillary Clinton | Bildquelle: AP

Neue E-Mail-Ermittlungen gegen Clinton FBI soll Klarheit schaffen

Stand: 29.10.2016 05:52 Uhr

Als Reaktion auf neue Ermittlungen in ihrer E-Mail-Affäre hat Präsidentschaftskandidatin Clinton das FBI aufgefordert, alle Informationen zu veröffentlichen. Noch ist unklar, ob die Mails bedeutsam im Fall Clinton sind - für Trump-Anhänger aber ist die Sache eindeutig.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Diese Nachricht konnte Hillary Clinton nicht gebrauchen: Sie hatte gedacht, im Juli hätte das FBI seine Ermittlungen über ihre E-Mails zu den Akten gelegt. Es ging um ihren privaten E-Mail-Server, den sie als Außenministerin genutzt hatte - und darum, ob sie damit gegen Geheimhaltungsvorschriften verstoßen hatte.

Nun hat das FBI neue E-Mails gefunden, untersucht wieder. In einer eilig anberaumten Pressekonferenz sagte Clinton:

"Der Direktor hat gesagt, er wisse nicht, ob die E-Mails bedeutsam seien. Ich bin überzeugt, was auch immer sie sind, sie werden die Schlussfolgerungen vom Juli nicht ändern. Darum ist es zwingend, dass das FBI das Thema erklärt, ohne Verzögerung."

Die Ankündigung des FBI-Chefs James Comey ist in der Tat vage: In einem Brief an Kongress-Abgeordnete schrieb er, es seien E-Mails gefunden worden, die für die Clinton-Ermittlung sachdienlich sein könnten. Ob sie bedeutsam seien, könne er noch nicht einschätzen. Man werde sie weiter untersuchen.

E-Mails vom Computer einer Clinton-Mitarbeiterin

Laut Medienberichten stammen die neuen E-Mails von einem Computer, der Huma Abedin gehört, eine der engsten Clinton-Mitarbeiterinnen. Sie hatte früher auch im Außenministerium gearbeitet. Gegen ihren Mann wird ermittelt, weil er einer 15-Jährigen sexuell eindeutige Nachrichten geschickt haben soll. Bei der Durchsuchung waren die Ermittler dann offenbar auf E-Mails aus Clintons Zeit als Außenministerin gestoßen.

Bei Demokraten stieß das Verhalten des FBI-Chefs auf Unverständnis. Die demokratische Senatorin Diane Feinstein kritisierte, die Ankündigung des FBI-Chefs sei zu vage. Es gebe die Tradition, dass solch politisch sensiblen Ermittlungen kurz vor einer Wahl mit äußerster Vorsicht behandelt würden. Clinton-Unterstützer Paul Begala sagte bei CNN, die E-Mails hätten Clinton schon immer geschadet:

"Wir reden nicht über Dinge, die Hillary helfen könnten. Aber ich glaube, es ist schon eingepreist. Wähler in dieser unschönen Wahl sind bei: Ja, Hillary hat E-Mails falsch gehandhabt. Trump wird vorgeworfen, Frauen falsch gehandhabt zu haben - und schlimmer."

Gute Nachrichten für Republikaner

Für Republikaner sind die neuen Ermittlungen dagegen gute Nachrichten - nachdem es in den vergangenen Wochen mehr um Donald Trumps Verfehlungen gegangen war. Der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan sagte, die FBI-Entscheidung sei überfällig - weil Clinton so leichtsinnig mit E-Mails umgegangen sei. Er forderte, Clinton dürfe nicht mehr die vertraulichen Briefings bekommen, die für Präsidentschaftskandidaten organisiert werden.

Trump-Unterstützer Jeffrey Lord sagte: "Wikileaks zeigt, dass ihre eigenen Mitarbeiter denken, sie leide an Verfolgungswahn. Das will man nicht im Weißen Haus haben. Es geht immer wieder um Urteilsvermögen, in ihrer ganzen Karriere - und jetzt geht's wieder los."

Auf einer Trump-Wahlkampf-Veranstaltung jubelten seine Anhänger. In Sprechchören forderten sie "Sperrt sie ein". Donald Trump sagte: "Hillary Clintons Korruption hat ein Ausmaß, wie wir es noch nie gesehen haben. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie ihre kriminellen Pläne ins Oval Office bringt."

Im Juli hatte Trump das FBI heftig kritisiert, weil es seine Ermittlungen gegen Clinton eingestellt hatte. Nun lobte er die Behörde, dass sie wieder ermittelt: Sie korrigiere einen furchtbaren Fehler. Offen ist allerdings, was dabei herauskommt - wie sensibel die gefundenen E-Mails sind - und ob es bis zur Wahl überhaupt ein Ergebnis gibt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 28. Oktober 2016 um 21:45Uhr.

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