Der kalifornische Student Daniel Chong schildert am 02.05.2012 auf einer Pressekonferenz in San Diego, USA, seine Erlebnisse in einer Untersuchungszelle, in der er fünf Tage zubringen musste, da er offensichtlich einfach vergessen wurde.

Millionenentschädigung für US-Studenten Fünf Tage in Gefängniszelle vergessen

Stand: 31.07.2013 14:29 Uhr

Einem kalifornischen Studenten, der fünf Tage lang ohne Essen und Wasser in einer Arrestzelle vergessen wurde, sind 4,1 Millionen Dollar (3,1 Millionen Euro) Schadenersatz zuerkannt worden. Das US-Justizministerium habe in einer außergerichtlichen Einigung zugesagt, mit dieser Summe den 25-jährigen Daniel Chong für sein in der Haft erlittenes Martyrium zu entschädigen, sagte sein Anwalt laut US-Medien.

Der kalifornische Student Daniel Chong schildert am 02.05.2012 auf einer Pressekonferenz in San Diego, USA, seine Erlebnisse in einer Untersuchungszelle, in der er fünf Tage zubringen musste, da er offensichtlich einfach vergessen wurde.

Chong bei einer Pressekonferenz im vergangenen Mai

Chong war im April vergangenen Jahres festgenommen worden, als die US-Antidrogenbehörde DEA im Haus seines Freundes eine Razzia machte. Dem Studenten aus San Diego wurde vorgeworfen, Marihuana geraucht zu haben. Nach einer kurzen Befragung Chongs versicherten die Beamten ihm, er werde bald freikommen, sperrten ihn jedoch in die drei mal anderthalb Meter große, fensterlose Arrestzelle. Dort vergaßen ihn die Beamten fünf Tage lang.

Bis er unter Halluzinationen litt

Wie Chong vergangenes Jahr in einem Interview erzählte, gelang es ihm, sich in der Zelle aus seinen Handfesseln zu befreien. Auf seine Hilfeschreie reagierte aber niemand. Da er kein Wasser hatte, trank er schließlich seinen eigenen Urin. Er dehydrierte und begann unter Halluzinationen zu leiden. In der Erwartung, von allen vergessen in der Zelle zu sterben, zerbrach er einem "Los Angeles Times"-Bericht zufolge seine Brille und fing an, mit dem Glas "Sorry, Mama" in seinen Arm zu ritzen.

In der Zelle verlor Chong schnell an Gewicht, seine Nieren versagten. Als er endlich gefunden wurde, atmete er nur noch schwer. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, wo er mehrere Tage brauchte, um sich zu erholen.

Posttraumatische Syndrome

"Das war ein Unfall, ein wirklich, wirklich schlimmer, schrecklicher Unfall", sagte Chong gestern bei einer Pressekonferenz. Der junge Mann leidet nach Angaben seines Anwalts nach diesem furchtbaren Erlebnis unter einem posttraumatischen Stresssyndrom und muss sich einer intensiven Psychotherapie unterziehen. Das US-Justizministerium gab zu der gütlichen Einigung mit Chong keine Stellungnahme ab.

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KOMMENTARE

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quiqueg 31.07.2013 • 21:07 Uhr

da gibt es noch andere, die auch

eine entschädigung verdient hätten.z.b. herr kurnaz, der ja in guantanamo gesessen hat. die deutschen politiker haben sich ja nicht gerade für ihn ins zeug gelegt. nochmals vielen dank an den stern für diesen sehr glaubwürdigen Artikel. Übrigens es hat schon Touristen in den USA gegeben die ohne Essen bis zum Rückflug eingesperrt wurden.