Eine Migrantin aus Guatemala vor der Wiedervereinigung mit ihren drei Kindern in New York | Bildquelle: AP

Von Eltern getrennte Kinder US-Regierung muss rasch Liste vorlegen

Stand: 07.07.2018 12:28 Uhr

Welche Einwandererkinder wurden in den USA von ihren Eltern getrennt? Entsprechende Listen muss die Regierung laut einem Urteil bis zum Abend vorlegen. Die Zusammenführung der Familien stockt.

Ein Gericht in Kalifornien hat der Regierung von US-Präsident Donald Trump einen Tag Zeit gegeben, um eine Liste aller von ihren Eltern getrennten Einwandererkinder unter fünf Jahren vorzulegen. Der Bundesrichter Dana Sabraw setzte eine Frist bis heute Abend.

Die Regierung hatte bei dem Gericht beantragt, dass die Frist für die Zusammenführung der Migrantenfamilien verlängert wird. Das Gericht in San Diego hatte folgendes Regelung erlassen: Kinder unter fünf Jahren müssen bis Dienstag wieder bei den Eltern sein, die übrigen Kinder bis zum 26. Juli.

Die US-Regierung erklärte im ihrem Antrag, das Gesundheitsministerium arbeite zwar "unermüdlich" daran, die in Auffanglagern untergebrachten Minderjährigen wieder mit ihren Eltern zusammenzubringen. Trotz DNA-Tests könnten jedoch in manchen Fällen die Fristen nicht eingehalten werden. Laut Regierung sind mehr als 2300 Minderjährige von ihren Eltern getrennt, etwa hundert von ihnen sind noch nicht fünf Jahre alt. Angesichts großer Empörung in der Öffentlichkeit ließ Trump die rigorose Praxis am 20. Juni stoppen - die Kinder sollen nun großteils zusammen mit ihren Eltern in Haft genommen werden.

Eine Migrantin aus Guatemala nach der Wiedervereinigung mit ihren Kindern | Bildquelle: AP
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Eine der Glücklichen: Diese Guatemaltekin hält ihre Kinder wieder im Arm.

Erst 500 Kinder wieder bei ihren Eltern

Erst rund 500 der betroffenen Kinder wurden laut Behörden inzwischen mit ihren Eltern zusammengebracht. In dem Gerichtsantrag hieß es, auch Genanalysen reichten nicht immer - in manchen Fällen müsse man zudem Dokumente prüfen. Auch seien die Familienzusammenführungen manchmal schwierig, wenn die Eltern bereits aus der Haft entlassen worden seien. Flüchtlingshelfer warfen der Regierung in den vergangenen Tagen vor, keinen Plan für die Familienvereinigungen zu haben.

Die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU, die gegen die Familientrennungen geklagt hatte, begrüßte die Entscheidung des Richters. Mit der geforderten Liste habe der Richter "sehr klar gemacht, dass er der Trump-Regierung nicht gestatten wird, sich bei der Wiedervereinigung von Familien Zeit zu lassen".

Deutlich weniger illegale Grenzübertritte als im Mai

Die Zahl der von den US-Behörden registrierten illegalen Grenzübertritte von Mexiko in die USA ist unterdessen deutlich zurückgegangen. Im Vergleich zum Vormonat seien im Juni 18 Prozent weniger Menschen beim illegalen Übertritt festgenommen oder an der Grenze zurückgewiesen worden, teilte das US-Heimatschutzministerium mit. Das Ministerium führte dies auf die "Null-Toleranz-Politik" zurück.

Die Behörden hätten im abgelaufenen Monat 42.565 Menschen festgenommen oder zurückgewiesen. Im Mai hatte diese Zahl mit 51.905 Fällen den bislang höchsten Stand in diesem Jahr erreicht. Ein klarer Trend in den vergangenen Jahren ist nicht feststellbar: In den Juni-Monaten ab 2013 hatte diese Zahl teils deutlich höher, teils aber auch deutlich niedriger gelegen.

Trump-Regierung will mehr Zeit, um Eltern und Kinder wieder zusammenzubringen
Martina Buttler, ARD Washington
07.07.2018 16:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Juli 2018 um 10:11 Uhr.

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