Angehörige von George Floyd bei der Demonstration in Washington | Bildquelle: AP

Demonstration in Washington "Angst - nur weil wir schwarz sind"

Stand: 29.08.2020 05:37 Uhr

"8:46" stand auf vielen T-Shirts. So lange hatte der weiße Polizist auf George Floyd gekniet - bis der Schwarze starb. Gegen solche Fälle von Polizeigewalt demonstrierten Tausende in Washington - an einem Ort von besonderer Bedeutung.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

"Was wollen wir?", fragt Bürgerrechtler Al Sharpton. "Gerechtigkeit" antwortet die Menge am Fuße des Lincoln Memorials. Genau 57 Jahre nach Martin Luther Kings berühmter "I have a dream"-Rede hat der Reverend, ein Veteran der Bürgerrechtsbewegung, diese Neuauflage des Marsches auf Washington organisiert.

Afroamerikaner hätten damals unterwegs nicht einfach irgendwo anhalten und aufs Klo gehen können, erinnert Sharpton. Oder in ein Restaurant oder ein Hotel. "Aber sie kamen trotzdem - und weil sie 1963 kamen, konnten wir jetzt zurückkommen. Anreisen wie wir wollen und Absteigen wo wir wollen. Sie haben die Türen für uns geöffnet. Aber es gibt noch einige Türen für uns zu öffnen - und einigen Leute was klar zu machen."

"Warum ist er angekettet? Er kann doch gar nicht laufen"

Die Rentnerin Lisa McDaniel, das eigentlich schwarze Haar platinblond gefärbt, ist extra aus Cincinnati in Ohio hergeflogen: "Ich bin hier, weil mein Vater hier mit Martin Luther King Jr. marschiert ist. Jetzt folge ich in seinen Fußstapfen. Es ist dringend: die Ereignisse in der letzten Zeit haben gezeigt, dass es immer noch sehr viel Ungerechtigkeit gibt in dieser Welt."

Vor allem der Fall Jacob Blake empört Lisa - so wie viele hier: Der Afroamerikaner war am vergangenen Sonntag von einem weißen Polizisten sieben Mal in den Rücken geschossen worden. Jetzt ist er querschnittsgelähmt. "Der Mann ist mit Handschellen an sein Krankenhausbett gekettet. Warum ist er angekettet? Er kann doch gar nicht laufen."

"Wir müssen der Wandel sein"

Die Familie von Jacob Blake fordert vom Podium aus Gerechtigkeit und Polizeireformen - genau wie die Geschwister von George Floyd. Sein gewaltsamer Tod in Minneapolis Ende Mai hatte zu landesweiten Protesten geführt und die Bürgerrechtsbewegung neu mobilisiert. Floyds Schwester Bridgett trägt ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck "I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen"). Das waren die letzten Worte von George Floyd. Und "8:46" steht darauf. So lange hatte der weiße Polizist auf ihm gekniet - bis George Floyd starb.

 "Mein Bruder kann heute nicht sprechen. Wir müssen seine Stimme sein. Wir müssen der Wandel sein. Und wir müssen sein Erbe sein."

Tausende demonstrieren gegen Polizeigewalt und Rassismus in Washington
tagesthemen 21:45 Uhr, 28.08.2020, Claudia Buckenmaier, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Unserem Präsidenten ist das egal"

 Wie schon 1963 haben sich überwiegend Afroamerikaner auf den Weg nach Washington gemacht - aber auch viele Weiße mischen sich in die Menge. Jacky aus New Jersey beispielsweise. "Genug ist genug", steht auf dem T-Shirt der 55-Jährigen. "Es ist ekelhaft, wie die Schwarzen in diesem Land behandelt und misshandelt werden. Und kein Wort dazu aus dem Weißen Haus. Unserem Präsidenten ist das egal."

US-Präsident Donald Trump verunglimpft die Black-Lives-Matter-Demonstranten schon seit Wochen pauschal als gesetzeslosen Mob und Terroristen. Baptisten-Pfarrer K.W. Tulloss, der aus Los Angeles angereist ist, zuckt mit den Achseln: "Der Präsident hat keine Ahnung wie wir leben. Er will immer Reality Shows. Aber das ist die Realität: Wir haben Angst um unser Leben - nur weil wir schwarz sind."

Kamala Harris während ihre Ansprache via Video | Bildquelle: AP
galerie

Kamala Harris kam nicht persönlich nach Washington. Sie nutze die Demonstration für einen Wahlkampfauftritt per Video.

"Wir sind trotzdem da, weil es uns so wichtig ist"

Die Demokraten dagegen nutzen die Chance für einen Wahlkampfauftritt - wenn auch nur halbherzig: Kamala Harris, die frischgekürte Vize-Präsidentschaftskandidatin kommt nicht persönlich, sondern schickt nur eine Videobotschaft.

Auch Martin Luther King III. ist einer der Redner an diesem Tag. Sein Vater und die anderen hätten damals für das Recht zu Wählen gekämpft. Und das sei jetzt wieder in Gefahr:

 "Unser Wahlrecht steht unter Beschuss - durch diskriminierende Vorschriften und Kürzungen.  Jetzt macht es Covid-19 gefährlich, vielleicht sogar tödlich in der Schlange zu stehen. Wir sollten nicht unser Leben riskieren müssen, um unsere Stimme abzugeben."

 Das Risiko, sich beim Marsch auf Washington anzustecken, gehen die Demonstranten dagegen bereitwillig ein. Natürlich sei es eine Sorge, sagt beispielsweise Pfarrer K.W. Tulloss aus Los Angeles, der wie fast alle hier Maske trägt. "Aber wir sind trotzdem da, weil es uns so wichtig ist."

„Marsch auf Washington“ - Zehntausende marschieren gegen Polizeigewalt
Julia Kastein, ARD Washington
28.08.2020 23:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 28. August 2020 um 21:45 Uhr.

Darstellung: