Die US-Präsidentschaftskanidaten Donald Trump und Joe Biden reden im TV-Duell mit dem Moderator. | JIM LO SCALZO/EPA-EFE/Shuttersto
Analyse

Erkenntnisse aus dem TV-Duell Trump aggressiv - Biden temperiert

Stand: 30.09.2020 07:35 Uhr

Der eine lobte vor allem sich selbst und wirkte oft gekränkt, der andere argumentierte durchdacht und war gut vorbereitet: Vier Erkenntnisse aus der ersten TV-Debatte im US-Wahlkampf zwischen Trump und Biden.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Donald Trump und Joe Biden haben ihre erste Fernsehdebatte hinter sich gebracht: 94 Minuten, moderiert vom Fox-Journalisten Chris Wallace. Es ging um Covid-19, die Wirtschaft, um den Supreme Court und andere Themen. Es wurde viel durcheinander geredet, vor allem, weil der Präsident sich an die Absprache "Ausreden lassen" nicht erinnern wollte.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Das haben wir aus dem ersten TV-Duell gelernt:

Der amtierende Präsident sieht immer schlecht aus

Donald Trump hatte sich ganz offenbar nicht auf diesen Abend vorbereitet und meinte wohl, sich voll auf seine Spontaneität und Aggressivität verlassen zu können. Konnte er nicht. Denn, alte Regel: Der amtierende Präsident ist in der Debatte immer in einer schlechteren Position. Er muss Rechenschaft für seine Amtszeit ablegen. Trumps Bilanz klang kurz gefasst so: Er habe die "großartigste Wirtschaft aller Zeiten" geschaffen, nur sei da leider eine Pandemie dazwischen gekommen. Und überhaupt sei China schuld.

Mit Argumenten hielt Trump sich kaum auf. Er versuchte, Joe Biden zu überrollen, zu überraschen, ihn irgendwie in einem schwachen Moment zu erwischen und in die Knie zu zwingen. Das Gleiche versuchte er mit dem Moderator. Wurde ihm das Wort entzogen, wirkte er beleidigt.

Der Präsident benahm sich eher so, als sei er der Herausforderer. Präsidentiell wirkte das nicht. Und der Lage des Landes nicht angemessen.

US-Präsident Donald Trump verzieht im TV-Duell mit Joe Biden das Gesicht. | dpa

Donald Trump wirkte oft beleidigt, wenn ihm das Wort entzogen wurde. Bild: dpa

Biden wusste, wo die Kamera stand

Der frühere Vizepräsident hingegen hatte sich auf die Debatte vorbereitet. Er wollte sich nicht von Trump provozieren und in seinen Strudel hineinziehen lassen, weil ihn das in die Defensive gebracht hätte. Das gelang auch ganz gut. Dazu hatte Biden etwas eingeübt, das es ihm ermöglichte, aus dem Infight auszubrechen. Immer wieder drehte er sich von Trump weg, schaute in die Kamera und sprach die Zuschauer direkt an: "Leute, er weiß ja gar nicht, wovon er redet". Damit band er die Amerikaner ein und machte sie zu seinen Verbündeten gegen den ihn ständig unterbrechenden Bully.

Dass aber der Herausforderer den amtierendem Präsidenten einen Clown und Lügner nannte und ihn irgendwann sogar mit "Would you shut up!" ("Würden Sie die Klappe halten!") anherrschte, das erschreckte die Zuschauerin dann doch.

Ein starker Moment: Als Biden sich gegen Ende mit der Aufforderung "Wählt, wählt, wählt!" an seine Landsleute wandte.

US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden spricht im TV-Duell. | AP

Joe Biden nannte Trump einen Clown und Lügner. Bild: AP

Alle mal wieder ausatmen: Biden hat durchgehalten

Die Demokraten dürften den Abend durchaus nervös gewesen sein: Würde ihr 77 Jahre alter Kandidat durchhalten? Biden hatte in den Vorwahldebatten immer mal abwesend oder fahrig gewirkt, dann aber auch wieder sehr auf den Punkt. Trump hatte daraufhin vermutet, Biden nehme irgendwelche Aufputschmittel und einen Drogentest gefordert.

Aber das Thema kam zum einen nicht zur Sprache, zum anderem gab Biden auch keinen Grund zur Besorgnis. Der frühere Vizepräsident wirkte konzentriert, verhaspelte sich nur kaum und war insgesamt auch besser gelaunt als der Präsident, der oft einen gekränkten Eindruck machte. Während Trumps Gesicht sich rötete und zunehmend glänzte, blieb Biden temperiert und machte am Ende der 94 Minuten einen frischeren Eindruck als der drei Jahre jüngere Trump.

Weiß Amerika nun, wofür der nächste Präsident steht?

Donald Trump konnte auch diesmal nicht erklären, wie sein Plan für eine Krankenversicherung aussieht. Er glaubt, dass er in der Corona-Krise richtig gehandelt hat und dass es nun Zeit ist, die "großartigste Wirtschaft der Welt" wiederaufzubauen. Dass der Klimawandel etwas Menschengemachtes ist, wollte er nicht bestätigen, hielt aber sauberes Wasser und saubere Luft für wichtige Ziel.

Sollte Trump sich irgendwann mal vorgenommen haben, afroamerikanische Wähler anzusprechen, hat er sich das inzwischen anders überlegt. Das Thema Rassismus verkürzte er auf "Law and Order", also auf die Ankündigung, gewalttägige Proteste zu beenden. Auch diesmal sprach er die Namen der durch Polizeigewalt getöteten Schwarzen nicht aus und bekam es nicht hin, sich von rechten Schlägern zu distanzieren.

Joe Biden kam ein bisschen durcheinander, als er seine Klimapolitik erklären sollte, hatte sich aber ansonsten zu jedem Thema ein paar Aussagen überlegt. Das schien wirklich durchdacht und sortiert, auch wenn er für einen detaillierteren Blick auf Steuer- oder Gesundheitspolitik keine Zeit hatte - zum einen, weil er ständig von Trump unterbrochen wurde, zum anderen weil Moderator Chris Wallace es auch gar nicht groß darauf anlegte, über Inhalte zu reden.

Bidens Botschaft, er sei der Erwachsene im Raum, dürfte bei seinen Anhängern gut angekommen sein. Trumps Unterstützer wiederum dürften sich an seiner Aggressivität erfreut haben.

Kommentar einer Fernsehmoderatorin: Die brauchen jetzt alle einen Drink, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Über dieses Thema berichtete das Erste im ARD-Morgenmagazin am 30. September 2020 um 07:39 Uhr.