Colin Powell auf dem virtuellen Kongress der Demokraten | Bildquelle: REUTERS

Parteitag der US-Demokraten Republikaner werben für Biden

Stand: 19.08.2020 10:06 Uhr

Überraschung beim Parteitag der Demokraten: Sechs prominente Republikaner stellten sich hinter Biden - unter ihnen Ex-Außenminister Powell. Alle appellierten für Aufrichtigkeit und gegen Spaltung.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Sechs prominente Republikaner an den ersten beiden Parteitagsabenden: Nie zuvor hat es so viele Gastredner aus dem gegnerischen Lager bei einem Nominierungsparteitag gegeben.

Darunter auch Colin Powell, unter Ex-Präsident George Bush erst oberster Militär. Bushs Sohn und späterer Präsident, George W. Bush, ernannte Powell im Jahr 2001 zum Außenminister. Dass nun ausgerechnet Powell den Kandidaten der politischen Konkurrenz empfiehlt, dürfte die Republikaner besonders schmerzen.

"Wir sind ein gespaltenes Land", beklagt Powell, "und haben einen Präsidenten, der alles dafür tut, dass das so bleibt! Was für einen Unterschied wird ein Präsident machen, der uns eint, der unsere Stärke und unsere Seele wieder herstellt". Er meint Joe Biden, den die Demokraten jetzt offiziell zu ihrem Präsidentschaftskandidaten nominiert haben.

John McCain und Joe Biden im Jahr 2017 | Bildquelle: AP
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John McCain und Joe Biden im Jahr 2017

Cindy McCain (Archivbild) | Bildquelle: AP
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Cindy McCain, Witwe des republikanischen Senators McCain (Archivbild)

"Freundschaft über die Parteigrenzen hinweg"

Aufsehenerregend auch das Grußwort von Cindy McCain, der Witwe des republikanischen Urgesteins John McCain. Der verstorbene Senator aus Arizona war noch 2008 als republikanischer Präsidentschaftskandidat gegen Barack Obama angetreten.

McCain rühmte die enge Freundschaft über die Parteigrenzen hinweg, die McCain und Biden verband. Überhaupt betonten alle republikanischen Gastredner die Aufrichtigkeit und den Anstand Bidens, den sie vor allem charakterlich für besser geeignet halten in Bezug auf das Präsidentenamt als den Spalter Trump.

So argumentiert auch der frühere Gouverneur des wichtigen Wechselwählerstaates Ohio, John Kasich. Trump habe das Land auf Abwege geführt, indem er die Amerikaner gegeneinander ausgespielt hat, so Kasich.

Landeswohl über Parteizugehörigkeit

Als lebenslangem Republikaner falle es ihm nicht leicht, jetzt das Wohl des Landes über die Parteizugehörigkeit zu stellen. Kasich argumentiert ähnlich wie das "Lincoln Project", ein Zusammenschluss von enttäuschten Republikanern, die bereits seit Wochen Stimmung gegen den Präsidenten machen.

Trumps Konter, Biden wolle das Land in den Sozialismus führen, weist Kasich kopfschüttelnd zurück: Er glaube nicht, dass Biden nach links kippt. Doch selbst dieses Risiko sei in außergewöhnlichen Zeiten geringer als Trump vier weitere Jahre am Ruder zu haben.

Dieser Beitrag lief am 19. August 2020 um 09:37 Uhr auf B5 aktuell.

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