Oliver Schmidt (Archivbild 2013) | Bildquelle: imago/ZUMA Press

US-Gericht zum Abgasskandal Der VW-Mann, den es hart treffen könnte

Stand: 06.12.2017 13:41 Uhr

VW-Manager Schmidt war einer von vielen, die am Abgasskandal beteiligt waren. Er muss mit einer besonders harten Strafe rechnen. Schmidt drohen bis zu sieben Jahre Gefängnis. Heute soll das Urteil fallen.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Kein Volkswagen-Manager hat bislang so sehr für den Dieselabgas-Betrug von VW gebüßt wie Oliver Schmidt. Zum Verhängnis wurde ihm ausgerechnet seine Leidenschaft für Amerika. Kaum nachvollziehbar, dass Schmidt so naiv war, vor einem Jahr seinen Weihnachtsurlaub in Florida zu verbringen. Kurz vor der Rückreise nahm ihn das FBI am Flughafen von Miami fest. Seitdem sitzt er in US-Gefängnissen, zunächst unter harten Bedingungen.

Einen Antrag auf Haftverschonung lehnte der Richter trotz Millionen-Kaution ab. Zu groß sei die Fluchtgefahr. Erst als der 48-jährige VW-Manager im Juli bereit war, seine Mitschuld nicht länger zu leugnen und den Ermittlern gegenüber auszupacken, verbesserten sich seine Haftbedingungen.

Umfassendes Geständnis

VW-Manager Oliver Schmidt aufgenommen von einem Fotografen der Polizei nach seiner Festnahme in den USA. | Bildquelle: AP
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VW-Manager Oliver Schmidt aufgenommen von einem Fotografen der Polizei. Er fühle sich von VW missbraucht, schrieb er in einem Brief an den Richter.

Am 3. August legte Schmidt im Bundesgericht von Detroit ein umfassendes Geständnis ab. Im Gegenzug wurden die ursprünglich elf Anklagepunkte auf zwei verringert. Anstelle einer möglichen Gesamtstrafe von bis zu 169 Jahren Haft drohen Schmidt heute bei der Urteilsverkündung "nur noch" bis zu sieben Jahre Gefängnis sowie eine Geldstrafe bis zu 500.000 Dollar.

Bundesrichter Sean Cox las ihm Anfang August den Hauptanklagepunkt vor. Dort hieß es, Schmidt sei angeklagt "wegen Verschwörung zum Betrug gegen die USA, Überweisungsbetrug und Verstößen gegen das Gesetz für saubere Luft". "Dafür gibt es bis zu fünf Jahre Gefängnis und/oder bis zu 250.000 Dollar Geldstrafe. Haben Sie das verstanden?", so Richter Cox. "Ja Euer Ehren!", antwortete Schmidt damals.

Kein bloßes Bauernopfer

Vor kurzem wurde bekannt, dass Schmidt dem Richter einen Brief schrieb, in dem er den VW-Konzern schwer belastete. Er fühle sich von VW missbraucht. Anders als er hätten seine Vorgesetzten "seit vielen, vielen Jahren" von der Betrugssoftware gewusst. Statt den Anweisungen von oben zu folgen, hätte er den US-Behörden sagen sollen, dass "VW seit ungefähr einer Dekade betrügt".

Schmidt ist jedoch kein bloßes Bauernopfer. Aus Dokumenten der Anklage geht hervor, dass er als Chef des Umweltbüros von VW in den USA spätestens seit Anfang 2014 von der Betrugssoftware wusste - eineinhalb Jahre vor Bekanntwerden des Skandals.

Eine US-Flagge spiegelt sich in einem VW-Logo. | Bildquelle: dpa
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VW in den USA. Schmidt wusste spätestens seit Anfang 2014 von der Betrugssoftware - eineinhalb Jahre vor Bekanntwerden des Skandals.

30-fach überhöhte Stickoxidwerte

Bis dahin hatte Schmidt die Aufgabe, die Umweltbehörden hinzuhalten. Sein Ansprechpartner bei der kalifornischen Umweltbehörde, Alberto Ayala, räumte im ARD-Interview ein, er habe den deutschen Ingenieur lange respektiert und ihm geglaubt, dass VW selbst nach den Gründen für die über 30-fach überhöhten Stickoxidwerte auf der Straße suche. "Wir haben viele qualifizierte Mitarbeiter, viel Energie und viel Zeit verschwendet. Er hätte uns viel Arbeit ersparen können, wenn er und VW früher mit der Wahrheit herausgerückt wären", sagte er.

Die Verteidigung fordert für Schmidt drei Jahre und vier Monate Haft - die gleiche Strafe, die Ende August sein Mitarbeiter, der VW-Ingenieur James Liang bekam. Doch anders als Schmidt stellte sich Liang frühzeitig als Kronzeuge zur Verfügung. Rechtsexperten sind deshalb skeptisch, ob Schmidt auf Milde hoffen darf. Zumal Bundesrichter Cox im Fall Liang sogar eine härtere Strafe verhängte, als von der Anklage gefordert.

VW-Manager drohen 7 Jahre Haft
Martin Ganslmeier, ARD Washington
06.12.2017 11:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Dezember 2017 um 11:22 Uhr.

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