Rote Ampeln leuchten auf der nächtlichen  Pennsylvania Avenue in Washington auf, die auf das Kapitol zuführt. | Bildquelle: AFP

Ukraine-Affäre Die Suche nach dem Whistleblower

Stand: 27.09.2019 21:23 Uhr

Die Identität des Whistleblowers, der die Ukraine-Affäre um Präsident Trump auslöste, beschäftigt derzeit die USA. Vermutlich ist es ein CIA-Mann - für ihn könnte es gefährlich werden.

Von Torben Ostermann, ARD-Studio Washington

Wer ist der Whistleblower? Diese Frage elektrisiert gerade den Washingtoner Politikbetrieb. Wer ist der Mensch, der mit seiner Beschwerde den Stein ins Rollen brachte und am Ende für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump sorgen könnte?

Nur häppchenweise werden neue Details bekannt. Ein Journalistenteam der "New York Times" hat herausgefunden, dass es sich um einen männlichen Mitarbeiter des Auslandsgeheimdienstes CIA handeln müsse. Nur so seien seine Fachkenntnisse über die Ukraine zu erklären.

Auch Ex-CIA-Direktor tippt auf Geheimdienstmitarbeiter

Dieser Interpretation schloss sich nun auch Michael Morell an, ehemaliger Direktor der CIA: "Das ist vermutlich ein CIA-Analyst, der hin und wieder beim Nationalen Sicherheitsrat dabei war. Er war zwar nicht beim Telefonat anwesend, aber als andere ihm davon erzählt hatten, muss er gedacht haben: Das klingt nicht gut."

Der mutmaßliche CIA-Mitarbeiter war über das, was er gehört hatte, offenbar so alarmiert, dass er intern offiziell eine Beschwerde über Präsident Trump einreichte. Dieses Dokument wurde nun vom Kongress veröffentlicht. Darin wird Trump vorgeworfen, die Macht seines Amtes missbraucht zu haben. In besagtem Telefonat bat Trump seinen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj, die Ermittlungen gegen den Sohn seines möglichen Herausforderers in der kommenden Präsidentschaftswahl, Joe Biden, wieder aufzunehmen.

Der  Geheimdienstdirektor Joseph Maguire äußert sich vor dem US-Kongress zur Ukraine-Affäre. | Bildquelle: AP
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Der Whistleblower habe in gutem Glauben gehandelt, zeigte sich Geheimdienstchef Joseph Maguire überzeugt.

Rückhalt für Whistleblower

Zuletzt äußerte sich Geheimdienstdirektor Joseph Maguire vor dem zuständigen Kongressausschuss. Er gab an, der Whistleblower habe sich an geltendes Recht gehalten: "Ich möchte betonen, dass ich glaube, dass der Whistleblower während der gesamten Zeit in gutem Glauben gehandelt hat. Ich habe allen Grund zu glauben, dass er alles nach Vorschrift gemacht und das Gesetz befolgt hat."

Trump selbst spricht zum wiederholten Male von einer politischen "Hexenjagd" gegen ihn und macht keinen Hehl daraus, was er vom Whistleblower hält. Das belegt eine heimlich mitgeschnittene Äußerung des US-Präsidenten:

"Wisst ihr was wir mit Spionen und Verrätern in der guten alten Zeit gemacht haben, als wir noch schlau waren? Wir haben das früher etwas anders gehandhabt."

Wird Ukraine-Affäre für Whistleblower gefährlich?

Ex-CIA-Direktor Morell sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS, dass er sich Sorgen um den Whistleblower mache: "Ich fürchte um diese Person. Ich denke es dauert nicht mehr lange, bis die Identität bekannt wird. Ich kann mir vorstellen, dass das Weiße Haus bereits eine Ahnung hat, wer er sein könnte."

Wer ist der Whistleblower? Die Jagd auf ihn hat längst begonnen. Das Weiße Haus und zahlreiche Journalisten werden alles dran setzen, seine Identität herauszufinden. Nicht nur für Trump, auch für den CIA-Agenten könnte die Ukraine-Affäre noch gefährlich werden.

Ukraine-Affäre: Was wissen wir über den Whistleblower?
Torben Ostermann, ARD Washington
27.09.2019 19:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 27. September 2019 um 19:20 Uhr.

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