26. September 1960: Kennedy und Nixon bestreiten das erste Fernsehduell der Geschichte | Bildquelle: picture alliance / Everett Colle

TV-Duelle in den USA Kein Alles-oder-Nichts-Prinzip

Stand: 29.09.2020 13:47 Uhr

Die TV-Debatten im US-Wahlkampf werden immer mit großen Erwartungen verknüpft. Doch nur ein einzigen Mal in den vergangenen 50 Jahren hatte der Schlagabtausch einen spürbaren Einfluss auf den Wahlausgang.

Von Teresa Eder, ARD-Studio Washington

Es war Neuland für den Republikaner Richard Nixon, deshalb wollte er kein Make-up. Die erste jemals ausgestrahlte TV-Debatte im US-Präsidentschaftswahlkampf fand am 26. September 1960 statt. Sie brachte den damaligen Vize-Präsidenten und Republikaner sichtbar ins Schwitzen. Blass und körperlich erschöpft wegen einer Verletzung am Knie machte er vor der Kamera keine gute Figur.

Sein Gegner, der Demokrat John F. Kennedy, konnte hingegen mit seiner Jugendlichkeit punkten und schließlich das Rennen um die Präsidentschaft knapp für sich entscheiden. Kennedy selbst war überzeugt davon, dass seine TV-Auftritte der entscheidende Faktor für den Wahlsieg waren. Der Mythos rund um die Bedeutung der Fernsehdebatten war geboren.

Richard M. Nixon und John F. Kennedy, 1960 | Bildquelle: AP
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Bei der ersten TV-Debatte im US-Wahlkampf machte der Republikaner Nixon (links) keine gute Figur. Die Wahl gewann der alerter auftretende Kennedy.

TV-Debatten: Geringer Einfluss auf Wahlausgang

Tatsächlich aber haben TV-Debatten keinen wissenschaftlich nachweisbaren Einfluss auf die Wahlentscheidungen der Wähler. Das zeigt eine ausführliche Harvard-Studie aus dem Jahr 2019. Der tägliche Nachrichtenfluss über einen längeren Zeitraum hinweg hat eine nachhaltigere Wirkung.

Vor vier Jahren war Hillary Clinton aus allen TV-Debatten als eindeutige Siegerin hervorgegangen. Doch in einen Wahlsieg um das Präsidentenamt konnte sie das nicht ummünzen.

In der Vergangenheit sorgten die TV-Debatten oft für erinnerungswürdige Momente. Etwa als Präsident Gerald Ford 1976 irrtümlich behauptete, dass Osteuropa frei von sowjetischer Dominanz sei. Oder als George H. Bush 1992 einen Blick auf seine Armbanduhr warf und ihm Ungeduld vorgeworfen wurde.

Duell der älteren Herren

Dieses Jahr könnte trotzdem alles anders sein, denn der TV-Bildschirm ist eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, während einer Pandemie Wahlkampf zu führen und damit auf eine direktere Weise mit Wählerinnen und Wählern in Kontakt zu treten. 

Joe Biden ist nicht der erste Präsidentschaftskandidat, der sich Fragen über sein Alter gefallen lassen muss. Ronald Reagan wurde bei seiner Wiederwahlkampagne im Jahr 1984 für sein Alter kritisiert. Der 73-jährige Reagan spielte sich aber in der TV-Debatte gekonnt von diesem Vorwurf frei und attackierte gleichzeitig den deutlich jüngeren 54-jährigen Demokraten Walter Mondale:

"Ich werde die Frage des Alters nicht zu einem Thema im Wahlkampf machen. Ich werde die Jugend und Unerfahrenheit meines Gegners nicht für politische Zwecke nutzen."

Dieser Trick bleibt Joe Biden verwehrt. Trump und er sind beide über 70 Jahre alt.

Bidens Debattenstrategien

Joe Biden verfügt über einige Erfahrung mit unkonventionellen Debattengegnern. 2008 stieg er als Vize-Kandidat von Barack Obama gegen die Galionsfigur der erzkonservativen "Tea Party", Sarah Palin, in den Ring. Dabei verhielt er sich diplomatisch und zurückhaltend. Seine Attacken konzentrierte er auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain.

Palin konnte die niedrigen Erwartungen, die in sie gesetzt wurden, deutlich übertreffen. Biden hingegen enttäuschte.

Bidens aggressive Strategie gegen Paul Ryan im Jahr 2012 wird also das wahrscheinlichere Vorbild für das Aufeinandertreffen mit Donald Trump in der ersten TV-Debatte dieses Wahlkampfs sein. Beobachter verglichen Bidens damaligen energischen Auftritt, bei dem er auch mit Kraftausdrücken nicht sparte, mit dem eines Alphamännchens, das sein Revier verteidigt.

Die beiden Kandidaten für das Amt des US-Vizepräsidenten, Sarah Palin und Joe Biden | Bildquelle: AP
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2008 lieferte sich Joe Biden einen Schlagabtausch mit Sarah Palin. Der heute 77-Jährige sammelte dabei wichtige Erfahrungen mit unbequemen Sparringpartnern.

 Angriffslustige Körpersprache

Nicht nur rhetorisch haben Kandidaten in der Vergangenheit versucht, sich gegenseitig aus der Ruhe zu bringen. George W. Bush war 2000 gerade dabei, eine Frage des Moderators zu beantworten, als sein Konkurrent Al Gore sich ihm ohne offensichtlichen Grund schrittweise näherte. Es ging dem Demokraten Gore einzig darum, den republikanischen Kandidaten Bush zu irritieren.

Gleiches tat Donald Trump 2016 in seiner zweiten Debatte gegen Hillary Clinton. Er tigerte bedrohlich um sie herum und tauchte immer wieder hinter ihr in der Kamera auf. Eine Taktik der Verunsicherung, die er dieses Mal aufgrund der Mindestabstände, die wegen der Pandemie einzuhalten sind, nicht anwenden kann.

alt Donald Trump und Joe Biden | Bildquelle: dpa

TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten

Die erste Fernsehdebatte zwischen Donald Trump und Joe Biden findet in der Nacht zu Mittwoch (30. September) deutscher Zeit statt. Sie können die Sendung ab 2:45 Uhr auf tagesschau.de im Phoenix-Livestream der ARD-Mediathek verfolgen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. September 2020 um 06:12 Uhr.

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