US-Truppen mit gepanzerten Fahrzeugen gehen in Stellung. | Bildquelle: dpa

US-Soldaten in Syrien Weißes Haus verkündet Truppenabzug

Stand: 19.12.2018 20:14 Uhr

Das Weiße Haus in Washington hat den Abzug der US-Truppen aus Syrien verkündet - der "Islamische Staat" sei besiegt. Noch im September hatte Trump einer Strategie zugestimmt, laut der in Syrien auch der Iran bekämpft werden soll.

Die US-Truppen sollen sich nach dem Willen von US-Präsident Donald Trump aus Syrien zurückziehen. Trump erklärte in einem Tweet, der "Islamische Staat" (IS) sei besiegt. Für ihn sei der Kampf gegen den IS der einzige Grund für die US-Truppenpräsenz während seiner Präsidentschaft gewesen.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, teilte mit, das Kalifat des IS sei bezwungen. Der Kampf gegen den IS werde in eine neue Phase überführt. Es sei damit begonnen worden, die Soldaten nach Hause zu holen. Als voraussichtlichen Zeitrahmen für den Abzug nannte ein US-Regierungsbeamter 60 bis 100 Tage. Binnen 24 Stunden würden die Mitarbeiter des Außenministeriums abgezogen.

Das "Wall Street Journal" schreibt mit Bezug auf mit dem Thema vertraute Personen, Mitarbeiter der US-Regierung hätten begonnen, Partner in Syrien über die Rückzugspläne zu informieren. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, US-Regierungsmitarbeiter hätten gesagt, es werde ein kompletter Abzug der US-Truppen in Betracht gezogen.

Laut CNN wies Trump das Verteidigungsministerium an, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Rob Manning, sagte jedoch: "Derzeit arbeiten wir weiter für, mit und durch unsere Partner in der Region."

Türkei droht mit Angriff auf Verbündete in Syrien

In der vergangenen Woche hatte Trump mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert. Dieser hatte mit einem Angriff auf die kurdischen Rebellen im Nordosten Syriens gedroht. Die Türkei betrachtet die kurdischen Rebellen als Verbündete der verbotenen Arbeiterpartei PKK. Ein Angriff würde den Sieg des kurdisch-arabischen SDF-Bündnisses über die noch verbliebenen IS-Milizen im Nordosten Syriens gefährden. Nach US-Schätzungen sind dort noch etwa 2000 IS-Kämpfer aktiv.

Die US-Truppen unterstützen das SDF-Bündnis im Kampf gegen den IS. Laut US-Medienberichten sind mehr als 2000 US-Soldaten im Nordosten Syriens stationiert. Es handelt sich überwiegend um Militärberater und Spezialkräfte.

Neues Ziel: Irans Präsenz bekämpfen

Trump hatte bereits Ende März verkündet, "unsere Truppen nach Hause zu holen". Verteidigungsminister James Mattis und anderer Regierungsmitarbeiter warnten jedoch vor einem Wiedererstarken des IS bei einem zu frühen Rückzug. Berater warnten davor, dem Iran und Russland den Boden in Syrien zu überlassen.

Im September stimmte Trump dann einer neuen Strategie zu, mit der die militärischen Aktivitäten in Syrien auf unbestimmte Zeit verlängert und umfangreiche diplomatische Maßnahmen zur Durchsetzung von US-Zielen unternommen werden sollen. Das berichtete die "Washington Post" am 6. September 2018 und zitierte hochrangige Beamte des US-Außenministeriums. Ziel ist demnach auch Abschreckung des Iran und seiner Militärpräsenz in Syrien, die sich auch gegen den US-Verbündeten Israel richtet, das an Syrien grenzt.

Die "Washington Post" zitierte James Jeffrey, den Sonderbeauftragten von US-Außenminister Mike Pompeo, mit den Worten, die US-Truppen sollten neben dem Sieg über den IS den Abzug des Iran aus Syrien sicherstellen. Ziel sei es nicht mehr, die US-Truppen bis Ende des Jahres aus Syrien abzuziehen.

US-Präsident Trump zieht Truppen aus Syrien zurück
tagesschau 20:00 Uhr, 19.12.2018, Stefan Niemann, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Kritik von Republikanern

Der republikanische Senator Lindsey Graham kritisierte seinen Parteikollegen Trump, er schade seinem erklärten Ziel, den Einfluss des Iran in der Region einzudämmen. Der republikanische Abgeordnete Adam Kinziger, ein früherer Kampfpilot im Irak, zeigte sich erstaunt. "Wirklich?", twitterte er. "Im Iran herrscht jetzt Freude." Senator Marco Rubio sprach von einem "kolossalen Fehler".

Der Nahost-Experte Charles Lister vom Washingtoner "Middle East Institute" bewertete Trumps Entscheidung als "außerordentlich naiv und kurzsichtig". Der Abzug sei ein "Traumszenario" für den IS, Russland, den Iran und die Regierung von Syriens Machthaber Bashar al-Assad - "sie alle profitieren erheblich von einem US-Rückzug".

Iran und Russland sind in Syrien Verbündete. In Moskau warf eine Sprecherin des Außenministeriums den USA vor, eine zunehmend negative Rolle im syrischen Konflikt zu spielen. "Nachdem die illegale amerikanische Präsenz in Syrien zunächst ein Faktor beim Kampf gegen Terroristen war, wird sie nun zunehmend zu einem gefährlichen Hindernis auf dem Weg zu einer Friedenslösung."

USA ziehen Soldaten aus Syrien ab
Torsten Teichmann, BR Washington
19.12.2018 18:37 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Dezember 2018 um 16:45 Uhr, 17:15 Uhr und 17:45 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: