Unterzeichnung des Friedensabkommens in Doha. | Bildquelle: AFP

USA und Taliban unterschreiben Friedensabkommen für Afghanistan

Stand: 29.02.2020 17:11 Uhr

Die USA und Vertreter der Taliban haben ein Abkommen über Wege zu einem Frieden in Afghanistan unterzeichnet. Es soll einen stufenweisen Abzug der US-Truppen aus dem Land einleiten - und wird international begrüßt.

Mehr als 18 Jahre nach dem US-Einmarsch in Afghanistan haben die USA und die militant-islamistischen Taliban erstmals ein Abkommen über Wege zu einem Frieden geschlossen. In Doha, der Hauptstadt des Golfemirats Katar, unterzeichneten der US-Sondergesandte für Aussöhnung in Afghanistan, Zalmay Khalilzad, und der Leiter des politischen Büros der Taliban in Doha, Mullah Abdul Ghani Baradar, vor rund 300 geladenen Gästen das Abkommen.

Auch US-Außenminister Mike Pompeo war bei der Zeremonie anwesend. "Dies ist erst der Anfang", betont Pompeo. "Um Frieden gewährleisten zu können, bedarf es harter Arbeit und Hingabe, von allen Seiten. Nur so kann ein langanhaltender und umfassender Frieden gewährleistet werden."

Trump will Taliban treffen

Mehr als eineinhalb Jahre lang verhandelten die Parteien - nun soll die Einigung einen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan einleiten und "Frieden für Afghanistan bringen", wie es bei der Unterzeichnung heißt. Im Gegenzug sollen die Taliban Garantien geben, dass das Land kein sicherer Hafen für Terroristen wird und sie Friedensgespräche mit der Regierung in Kabul aufnehmen.

US-Präsident Donald Trump kündigte daraufhin an, bald mit Anführern der militanten Islamisten zusammenzukommen. "Ich werde mich in nicht allzu ferner Zukunft persönlich mit Taliban-Führern treffen", sagte er im Weißen Haus. Auf die Frage, wann der vorgesehene US-Truppenabzug beginnen werde, sagte Trump: "Sie werden sofort anfangen." Sollten die Taliban sich allerdings nicht an ihre Zusagen in dem Abkommen halten, würden die USA "mit einer Macht zurückkehren, wie sie noch nie jemand gesehen hat".

Maas: "Lang ersehnte Chance"

Bundesaußenminister Heiko Maas lobte die Unterzeichnung als "lang ersehnte Chance" auf einen Friedensprozess in Afghanistan. Die jüngsten Entwicklungen seien "ein Hoffnungszeichen", erklärte Maas. Nun sei entscheidend, "dass die Taliban die Gewalt weiter reduzieren". Wichtig sei nun, dass in den Verhandlungen "auf dem aufgebaut wird, was Afghanistan in den vergangenen Jahren im Bereich der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit erreicht hat". Er betonte: "Einen Rückfall in eine totalitäre Alleinherrschaft der Taliban zu Lasten einer ganzen Generation junger Frauen und Männer darf es nicht geben."

Auch Saudi-Arabien begrüßte das Abkommen. Das Außenministerium teilte mit, es hoffe, die Unterzeichnung führe zu einem dauerhaften Waffenstillstand und einem landesweiten Frieden in Afghanistan. UN-Generalsekretär Antonio Guterres ließ über einen Sprecher mitteilen, er begrüße die Anstrengungen, dauerhafte politische Einigung in Afghanistan herzustellen und betonte die Bedeutung, für ein Ende der Gewalt in dem Land zu sorgen.

Sheikh Mohammed bin Abdulrahman al-Thani trifft Mike Pompeo in Doha. | Bildquelle: AFP
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Sheikh Mohammed bin Abdulrahman al-Thani trifft Mike Pompeo in Doha.

Gespräche mit Regierung stehen noch aus

Die USA-Taliban-Vereinbarung ist ein erster Schritt in Richtung Frieden. Es handelt sich im klassischen Sinne nicht um einen Friedensvertrag, weil bisher eine Konfliktpartei, die Regierung in Kabul, fehlte. Gleichzeitig wurden zwei wichtige Punkte für einen dauerhaften Frieden an die innerafghanischen Verhandlungen ausgelagert: ein landesweiter, dauerhafter Waffenstillstand sowie ein Abkommen über die künftige Verteilung der politischen Macht in Afghanistan - also darüber, wie die Taliban politisch eingegliedert werden.

Die eigentlichen Friedensgespräche für das Land stehen somit erst noch bevor. Beobachter gehen davon aus, dass es mindestens ein Jahr bis zu einem innerafghanischen Friedensschluss dauert.

Reduzierung der US-Truppen

Die USA wollen binnen 14 Monaten alle Truppen aus Afghanistan abziehen. In einem ersten Schritt soll die Zahl der US-Truppen um rund ein Drittel reduziert werden. Laut einer gemeinsamen Erklärung der afghanischen und amerikanischen Regierung soll die Zahl der US-Streitkräfte von aktuell bis zu 12.000 Soldaten binnen 135 Tagen auf 8600 reduziert werden. Gleichzeitig arbeiteten die USA mit der NATO und anderen Verbündeten daran, die Zahl der NATO-Truppen zu verringern, heißt es in der Erklärung weiter.

Es war ein Wahlversprechen von US-Präsident Donald Trump, den Krieg in Afghanistan zu beenden und die US-Soldaten nach Hause bringen zu wollen. Nach der Unterzeichnung teilte das Weiße Haus mit, die USA arbeiteten daran, Amerikas längsten Krieg zu beenden.

Doch auch die Taliban sind ihrem Langzeitziel ein großes Stück näher gekommen. Die internationalen Truppen in Afghanistan haben sie immer als "ausländische Besatzung" bezeichnet. US-Außenminister Pompeo warnte die Taliban bei der Unterzeichnung, das Abkommen als Eingeständnis einer Niederlage der USA zu werten. "Ich weiß, dass die Versuchung groß sein wird, einen Sieg zu erklären. Aber ein Sieg für die Afghanen wird nur erreicht, wenn sie in Frieden und Wohlstand leben können."

Washington hatte als Voraussetzung für ein Abkommen von den Taliban sieben Tage der "Gewaltreduzierung" in dem kriegszerrissenen Land verlangt. Die Phase verlief lokalen Angaben zufolge zwar nicht gewaltfrei, aber erheblich ruhiger als üblich. Die Woche war als Test angesehen worden, ob die Taliban ihre Reihen kontrollieren können.

Zalmay Khalilzad and Taliban co-founder Mullah Abdul Ghani Baradar unterzeichnen ein Friedensabkommen in Doha. | Bildquelle: AFP
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Zalmay Khalilzad and Taliban co-founder Mullah Abdul Ghani Baradar unterzeichneten das Friedensabkommen in Doha.

Kämpfe seit 2001

Die Taliban waren 2001 von einer US-geführten Militärkoalition von der Macht vertrieben worden, nachdem sie Osama bin Laden beherbergt hatten. Die USA machten den Al-Kaida-Chef für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich. Vor allem seit dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes Ende 2014, der von einem Ausbildungseinsatz abgelöst wurde, haben die Taliban wieder an Stärke gewonnen.

Den letzten verfügbaren US-Militärangaben von Oktober 2018 zufolge beherrschte die Regierung nur noch wenig mehr als die Hälfte der Bezirke des Landes. Weitere rund 30 Prozent sind umkämpft. Auch die Bundeswehr ist an dem internationalen Einsatz in Afghanistan beteiligt.

Mit Informationen von Silke Dittrich, ARD-Studio Neu-Delhi, zzt. Doha

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Februar 2020 um 14:25 Uhr.

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