John Kirby | AP

Pentagon zum Ukraine-Konflikt Propaganda-Vorwürfe gegen Russland

Stand: 04.02.2022 03:50 Uhr

Die USA gehen davon aus, dass Russland mit einem vorgetäuschten Angriff auf sein Staatsgebiet einen Vorwand für einen Einmarsch in die Ukraine liefern will. Dafür habe der Kreml auch ein Propaganda-Video geplant, sagte Pentagon-Sprecher Kirby.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Schon seit Wochen werfen die USA Russland vor, in die Ukraine einmarschieren und den Vorwand dafür inszenieren zu wollen. Jetzt gibt es angeblich US-Geheimdienst-Hinweise auf konkrete Planungen für eine sogenannte "False Flag Operation", also einen Angriff unter falscher Flagge, sagt jedenfalls Pentagon-Sprecher John Kirby: "Das passt genau in ihr Drehbuch."

Julia Kastein ARD-Studio Washington

Russland wolle einen ukrainischen Angriff auf russisches Hoheitsgebiet oder gegen ethnische Russen fingieren und als Beleg für diese vermeintliche Aggression der Ukraine auch gleich ein gefälschtes Video produzieren, so Kirby: "Wir glauben, dass Russland als Teil dieses gefälschten Angriffs auch ein sehr grafisches Propaganda-Video produzieren will, mit Leichen, mit Schauspieler, die Trauernde spielen, Bilder von der Zerstörung durch die Ukraine und den Westen. Sogar bis dahin, dass ein Teil des militärischen Geräts darin so aussehen soll, als ob der Westen es der Ukraine zur Verfügung gestellt hat."

Kein Beweis von Kirby

Belege für diese Behauptungen lieferte Kirby nicht. Und das gefälschte Video existiert offenbar auch noch gar nicht, aber laut "New York Times" soll die russische Seite schon die geeigneten Leichen und Schauspieler ausgesucht haben.

Wer genau diese Pläne in Russland schmiedet und wie weit sie gediehen sind, ist unklar. Sprecher Kirby erklärte dazu, dass so etwas nur selten ohne die Zustimmung der Spitze der russischen Regierung passiere. Ähnliche Aktionen der Russen habe es auch schon früher gegeben, und die US-Regierung halte es für wichtig, diese Pläne sofort öffentlich zu machen.

Die richtige Strategie

Genau die richtige Strategie, findet der demokratische Senator Mark Warner. Als Vorsitzender des Geheimdienstausschusses wird er seit Wochen über angebliche russische Pläne informiert.

Moskau wolle beispielsweise auch die Selenskyi-Regierung ersetzen durch eine russland-freundliche Führung, sagt Warner bei CNN: "Das ist schon das dritte Mal in den vergangenen 30 Tagen, in denen die Amerikaner und Briten sich sehr weit vorwagen und sagen: Wenn es einen Umsturz gibt, in der Ukraine, dann liegt das an Russland. Oder jetzt diese Belege, über eine mögliche Operation unter falscher Flagge. Und diese Warnungen durch die Geheimdienste sind nicht nur effektiv, sondern so auch neu."

Einig in dieser Sache

Zumindest einen Effekt haben diese Berichte in jedem Fall: Demokraten und Republikaner sind sich selten einig, aber schon dabei, dass Russland weiter einen Einmarsch in der Ukraine plant. Wohl nicht während der Olympischen Winterspiele in Peking, aber noch so lange der Boden in der Ukraine gefroren ist und Panzer leichter rollen, glaubt Demokrat Warner.

Und sein republikanischer Kollege Lindsay Graham erklärt nach dem Geheimdienst-Briefing zur Ukraine: "Wir leben in sehr gefährlichen Zeiten. Und ich will, das meine Landsleute wissen: Wenn Ihr glaubt, das geht Euch nichts an, dann täuscht ihr Euch."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Februar 2022 um 06:05 Uhr.