Ausfräumen nach gewaltsamen Protesten in New York | JASON SZENES/EPA-EFE/Shutterstoc

Proteste und Plünderungen Ausgangssperre in New York verlängert

Stand: 02.06.2020 22:17 Uhr

Die Proteste in den USA gehen weiter. In New York gab es erneut Plünderungen. Der Gouverneur des Staates warf Bürgermeister De Blasio und der Polizei Versagen vor. Die Ausgangssperre wurde verlängert - genauso wie in LA.

Nach erneuten, teils gewaltsamen Massenprotesten gegen Rassismus, Diskriminierung und Polizeibrutalität in New York ist die nächtliche Ausgangssperre für die Millionenmetropole verlängert worden. Bis einschließlich Sonntag dürften nur systemrelevante Berufstätige zwischen 20.00 Uhr und 05.00 Uhr (Ortszeit) ihre Häuser verlassen, teilte Bürgermeister Bill de Blasio mit.

"Überwiegend friedlich"

Zuvor hatte am Montag eine Ausgangssperre ab 23.00 Uhr gegolten, die aber von vielen Demonstranten ignoriert wurde. Die Proteste in der Millionenmetropole seien in der Nacht zum Dienstag "überwiegend friedlich" verlaufen, sagte De Blasio. Es sei allerdings auch erneut zu Plünderungen gekommen, hieß es von den Behörden. "Diese Proteste haben Macht und Bedeutung", schrieb der Bürgermeister bei Twitter. "Aber im Lauf der Nacht sehen wir immer mehr Gruppen, die sie benutzen, um Gewalt zu provozieren und Dinge zu zerstören."

Kritik an De Blasios Krisenmanagement

Gouverneur Andrew Cuomo zeigte sich entsetzt. "Die vergangene Nacht war nicht gut", sagte Cuomo bei seiner täglichen Pressekonferenz zur Corona-Krise. Er warf Bürgermeister De Blasio und der Polizei Versagen vor. Beide hätten vergangene Nacht "nicht ihren Job gemacht", kritisierte Cuomo. "Ich glaube, der Bürgermeister unterschätzt das Ausmaß des Problems." De Blasio habe Unterstützung durch die Nationalgarde zurückgewiesen. Cuomo forderte, die New Yorker Polizei müsse mehr von ihren 38.000 Leuten bereitstellen, um Plünderungen und Vandalismus zu verhindern.

Auf Fotos war zu sehen, dass in der Nacht zum Dienstag unter anderem am bekannten Kaufhaus Macy's in Manhattan und an zahlreichen Nobelläden entlang der Fifth Avenue und des Broadway Fensterscheiben eingeschlagen wurden und geplündert wurde. Auch in den anderen Stadtbezirken gab es Proteste. Die ganze Nacht über kreisten über der Metropole Polizeihubschrauber.

Auch von Seiten des US-Präsidenten kam Kritik an der Führung der Millionenmetropole. New York sei "in Stücke zerrissen" worden, schrieb US-Präsident Donald Trump bei Twitter und machte "Plünderer, Schläger, die radikale Linke und alle anderen Formen niedriger Lebewesen und Abschaums" dafür verantwortlich. Die Ausgangssperre müsse bereits um 19.00 Uhr Ortszeit anfangen und die Nationalgarde müsse zu Hilfe kommen, forderte Trump. Dieses Angebot habe Gouverneur Cuomo aber abgelehnt.

Cuomo warf Trump vor, sich bewusst auf die Plünderer zu fokussieren, um von der Tötung des Afroamerikaners George Floyd abzulenken.

Ausgangssperren in mindestens 40 Städten

Floyd war in der vergangenen Woche bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis getötet worden. Im ganzen Land breiteten sich daraufhin Proteste aus, die in zahlreichen Metropolen zu Ausschreitungen und Plünderungen führten. Inzwischen haben bereits mindestens 40 Städte in den USA nächtliche Ausgangssperren verhängt, darunter auch die Hauptstadt Washington und der Bezirk Los Angeles County in Kalifornien.

Ähnlich wie New York ordnete Los Angeles eine Verlängerung der Ausgangssperre an. Die dritte nächtliche Ausgangssperre in Folge sollte am heute um 18.00 Uhr (Ortszeit) in Kraft treten und bis zum Morgen gelten. Das gaben die Behörden bekannt. In den Geschäftsbereichen von Beverly Hills und Santa Monica sollten die Beschränkungen schon am Nachmittag beginnen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Juni 2020 um 11:00 Uhr.