Demonstranten versammeln sich auf dem Daley Plaza in Chicago, um gegen den Tod von George Floyd zu protestieren | AP

Nach Tod von George Floyd Scharfe Kritik an Trump und neue Gewalt

Stand: 02.06.2020 12:49 Uhr

Seit Tagen erschüttern Proteste die USA. In Chicago sind dabei jetzt zwei Menschen gestorben. Präsident Trump sorgt mit seiner Militärdrohung und seinem Auftreten für immer mehr Kritik.

Auch eine Woche nach dem Tod von George Floyd gehen die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA weiter. In Cicero, einem Vorort von Chicago, sind dabei Medienberichten zufolge zwei Menschen gestorben. Über die genauen Umstände ist nichts bekannt. In mehreren Städten wurden zudem Polizisten verletzt.

In St. Louis im US-Bundesstaat Missouri seien vier Einsatzkräfte von Schüssen getroffen worden, teilte die dortige Polizei per Twitter mit. Der Vorfall habe sich während Auseinandersetzungen mit Demonstranten ereignet. Die Polizisten seien nicht lebensgefährlich verletzt worden. Weitere Informationen würden bekannt gegeben, sobald diese zur Verfügung stünden. Einzelheiten teilte die Polizei zunächst nicht mit. So war unklar, wer die Schüsse abgab und wo genau sie fielen.

Zudem meldete die Nachrichtenagentur AP, in Las Vegas sei auf einen Polizisten während Protesten geschossen worden. Der Zustand des Polizisten sei ungewiss, hieß es unter Berufung auf die örtliche Polizei. Ein zweiter Polizist sei "an einem Schusswechsel" beteiligt gewesen.

Mit Tränengas zum Pressefoto

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor im Rosengarten des Weißen Hauses erklärt, dass er härter gegen Demonstranten vorgehen wolle. Vor dem Weißen Haus setzte die Polizei dies unmittelbar in die Tat um: Um vor der St. Johns-Kirche schräg gegenüber seines Amtssitzes ein Foto mit Bibel in der Hand zu machen, ließ Trump weitgehend friedlich Demonstrierende mit Tränengas auseinandertreiben.

Der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, kritisierte die Anwendung von Gewalt, um Trump den Weg für ein Pressefoto frei zu machen. "Es war wirklich, wirklich beschämend." Kirchenvertreter distanzierten sich. Bischof Michael Curry, der Vorsitzende der Episkopalkirche in den USA, schrieb auf Twitter, Trump habe eine Kirche und die Heilige Bibel für parteipolitische Zwecke benutzt. "Ich bin empört", sagte auch die zuständige Bischöfin Mariann Edgar Budde von der Diözese Washington zu CNN. Trumps Botschaft stehe im Gegensatz zur kirchlichen Lehre.

Trump droht mit Militäreinsatz

Bei seiner Pressekonferenz drohte Trump außerdem mit dem Einsatz des Militärs: Er werde den Einsatz von "Tausenden schwer bewaffneten" Soldaten und Polizisten in der Hauptstadt Washington anordnen, um "Randale, Plünderungen, Vandalismus, Angriffe und die mutwillige Zerstörung von Besitz zu stoppen". Sich selbst bezeichnete Trump als "Präsident für Recht und Ordnung".

Die Ausschreitungen im ganzen Land seien "Akte von inländischem Terror". Sollten die betroffenen Städte und Bundesstaaten nicht die notwendigen Maßnahmen ergreifen, werde er Soldaten einsetzen "und das Problem schnell für sie lösen". Trump sagte weiter: "Bürgermeister und Gouverneure müssen eine überwältigende Polizeipräsenz zeigen, bis die Gewalt niedergeschlagen ist."

Kritik von der Opposition und aus den Bundesstaaten

Für seine Äußerungen erntete Trump umgehend Kritik. Der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, schrieb auf Twitter: "Er benutzt das amerikanische Militär gegen das amerikanische Volk". Am Rande einer Veranstaltung sagte Biden, Hass verschwinde nicht, wenn jemand Präsident sei, der diesem Hass Nahrung gebe.

Zuvor hatten schon die Anführer der Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat, Nancy Pelosi und Chuck Schumer, eine gemeinsame Erklärung verbreitet. Dort hieß es, der Republikaner Trump heize Zwietracht und Gewalt im Land weiter an. "In einer Zeit, in der unser Land nach Einigung ruft, zerreißt es dieser Präsident in Stücke."

Auch die schwarze Bürgermeisterin von Atlanta, Keisha Lance Bottoms, positionierte sich: "Zu sehen, wie der Präsident der Vereinigten Staaten sagt, er schicke das Militär in unsere Gemeinden, dabei aber nicht erwähnt, auch nur einen einzigen Groschen Unterstützung in unsere Gemeinden zu senden, spricht Bände darüber, wo wir heute in Amerika stehen."

Der Gouverneur des US-Staats Washington sagte zu Trumps Vorstoß, er bete, dass kein Soldat und kein Zivilist bei "diesem fahrlässigen Anfall" verletzt oder getötet würden.

Tod von George Floyd als Auslöser

Seit einer Woche kommt es in vielen Städten der USA immer wieder zu Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die meist friedlichen Proteste, die aber wiederholt zum Teil in Gewalt umschlagen, entzündeten sich am Tod George Floyds am Montag vergangener Woche.

Der 46-jährige Schwarze war in Minneapolis gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihn minutenlang mit dem Knie auf dem Hals zu Boden gedrückt hatte. Der 44-jährige Polizist Derek Chauvin wurde festgenommen und wegen Mordes angeklagt. Drei weitere Polizisten, die an der Festnahme Floyds beteiligt waren, wurden nicht angeklagt. Der Vorfall, der durch Video-Aufnahmen dokumentiert ist, löste die landesweiten Proteste aus.

Seit Beginn der Proteste sind mindestens 5600 Menschen festgenommen worden. Das geht aus Pressemitteilungen der Polizei, Tweets und Medienberichten hervor, die die Nachrichtenagentur AP ausgewertet hat.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Juni 2020 um 11:00 Uhr.