US-Präsident Trump und sein polnischer Amtskollege Duda. | JIM LO SCALZO/EPA-EFE/Shuttersto

Abzug aus Deutschland Teile von US-Truppen sollen nach Polen

Stand: 25.06.2020 04:29 Uhr

US-Präsident Trump will fast 10.000 Soldaten aus Deutschland abziehen. Ein Teil davon soll offenbar nach Polen verlegt werden, wie Trump bei einem Treffen mit seinem polnischen Amtskollegen erklärte.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Es war die perfekte Kulisse für zwei Präsidenten im Wahlkampf: Bei strahlendem Sonnenschein, die Staatsflaggen im Hintergrund, bauten sich Donald Trump und sein polnischer Kollege Andrzej Duda im Rosengarten des Weißen Hauses auf und bekräftigten die Freundschaft ihrer beiden Länder. Vor allem in Punkto Zahlungsmoral lobte Trump seinen Lieblings-Ost-Europäer, den er in den vergangenen drei Jahren schon fünf Mal zu Einzelgesprächen getroffen hat. 

Polen ist eins der wenigen Länder, dass seine Verpflichtungen gegenüber der Nato erfüllt. Jetzt haben sie gefragt, ob wir nicht zusätzliche Truppen schicken können. Sie werden auch dafür bezahlen. Und wir werden sie wahrscheinlich aus Deutschland nach Polen verlegen.

Ganz entschieden ist das offenbar aber noch nicht. Jedenfalls ließ Trump offen, wie viele Soldaten genau, er wann von woher wohin verlegen will. Und auch in der gemeinsamen schriftlichen Erklärung der beiden Präsidenten steht dazu nichts konkreteres. Allerdings bekräftigte Trump: die Zahl der US-Truppen in Deutschland wird auf 25.000 gesenkt.

Einige werden nach Hause kommen. Und einige werden an andere Orte in Europa geschickt. Und Polen wird einer dieser Orte sein."  

Trump: Deutschland schuldet eine Billion US-Dollar

Mit Deutschland ist der US-Präsident ganz und gar nicht zufrieden. Je nachdem wie man rechne bezahle die Bundesregierung statt 2 maximal 1 gutes Prozent des Bruttoinlandsprodukts an die Nato. Insgesamt stehe Deutschland beim Verteidigungsbündnis nach seiner Rechnung mit über einer Billion US-Dollar in der Kreide. Und das sei ein enormer Zahlungsverzug. Laut Nato-Vereinbarung gilt das 2-Prozent-Ziel - anders als von Trump behauptet - erst ab 2024.

Statt Geld in die Nato zu investieren, schimpfte der US-Präsident, kaufe Deutschland für Milliarden Dollar russisches Erdgas - Stichwort Nord Stream 2. Und erwarte gleichzeitig, dass die USA für Deutschlands Verteidigung vor Russland aufkäme. So gehe das nicht. Auch viele Deutsche fänden das nicht gut.

Duda: Schritt ist im gesamteuropäischen Interesse

Präsident Duda bemühte sich beim Auftritt mit Trump, die mögliche Verlagerung der Truppen in sein Land als Schritt im Interesse ganz Europas zu präsentieren.

Er würde sich nie anmaßen, dem US-Präsidenten zu raten, wohin der seine Truppen schicken solle. Aber er hätte Trump ausdrücklich gebeten, keine Soldaten aus Europa abzuziehen, weil sie seit Ende des zweiten Weltkriegs die Sicherheit von ganz Europa garantierten. Und: Wenn gefragt, dann sei Polen natürlich bereit, weitere US-Soldaten aufzunehmen.

Auf die Frage, ob der Besuch von Duda nicht unzulässige Einmischung in den polnischen Wahlkampf sei, meinte Trump ungerührt: "Er wird einen großen Erfolg haben - mit oder ohne unsere Hilfe."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Juni 2020 um 05:30 Uhr sowie Deutschlandfunk am 24. Juni 2020 um 23:00 Uhr in den Nachrichten.