Autos sind in der Nähe der Colonial Pipeline in Helena zu sehen.

Nach mutmaßlichem Hackerangriff Eine der größten US-Pipelines abgeschaltet

Stand: 08.05.2021 18:28 Uhr

Über Tausende Kilometer an Leitungen versorgt der US-Konzern "Colonial Pipeline" Millionen Amerikaner mit Kraftstoff. Doch nach einem Hackerangriff musste der Betrieb teilweise gestoppt werden.

Der US-Konzern "Colonial Pipeline" musste eine seiner größten Versorgungsleitungen vorübergehend stilllegen. Eigenen Angaben zufolge wurde auf das Unternehmen am Freitag ein Hackerangriff verübt.

Betroffen sind mehr als 8000 Kilometer an Pipelines entlang der Ostküste der USA. Über sie werden täglich fast 2,5 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) an Kraftstoffen wie Benzin, Heizöl und Diesel aus Raffinerien, die hauptsächlich an der Küste am Golf von Mexiko liegen, in den Süden und Osten der USA transportiert.

Insgesamt versorgt der Betreiber mit Hauptsitz in Georgia etwa 50 Millionen Amerikaner entlang der Ostküste mit Kraftstoffen. 45 Prozent aller Treibstoffe fließen durch die nun vorerst stillgelegten Pipelines. Auch das US-Militär wird teilweise über diese Pipelines versorgt.

Weniger Energieverbrauch durch Pandemie

"Colonial Pipeline" arbeitet derzeit daran, den Normalbetrieb wiederherzustellen, teilte das Unternehmen mit. Nach Einschätzung der "New York Times" ist es wegen des gesunkenen Energiebedarfs aufgrund der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen unwahrscheinlich, dass der Hackerangriff und der Stopp der Pipelines unmittelbare Konsequenzen haben würden. Die Preise für Raffinerieprodukte sind in den Südstaaten bereits gefallen, weil sich die Lager füllen.

Gleichzeitig wird befürchtet, dass die Benzinpreise in den großen Städten wie New York, Boston oder Washington in den nächsten Tagen drastisch steigen könnten, wenn die Pipelines länger geschlossen bleiben.

Noch keine Erkenntnisse zu mutmaßlicher Cyberattacke

Die Hintergründe zu dem mutmaßlichen Cyberangriff sind noch völlig unklar. Laut "Colonial Pipeline" wurde eine Schadsoftware in das eigene Computersystem eingeschleust. Ob es sich um einen Angriff von Kriminellen handelt oder eine ausländische Regierung beteiligt ist, sei noch offen, hieß es aus dem Heimatschutzministerium, das zusammen mit dem FBI die Ermittlungen übernommen hat. Der Energiebetreiber hat unterdessen eine externe Sicherheitsfirma zu Rate gezogen, die den Vorfall untersuchen und bei der Lösung des Problems helfen soll.

Mit Informationen von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Mai 2021 um 20:50 Uhr.