Joe Biden | REUTERS

Parteitag der US-Demokraten Für Vielfalt, gegen Trump

Stand: 18.08.2020 08:52 Uhr

Zum Auftakt ihres Parteitags haben die US-Demokraten Geschlossenheit demonstriert. Von Sanders bis Obama stellten sie sich hinter ihren designierten Kandidaten Biden - und sparten nicht mit Kritik am Präsidenten.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Schon die Wahl der Moderatorin, der Latina und Schauspielerin Eva Longoria Bastón, war ein erster Hinweis, in welche Richtung dieser Abend gehen würde: eine euphorische Feier der Vielfalt Amerikas, seiner Lebensstile, seiner Volksgruppen. Auch das Auftaktgebet wurde von einem hispanischen Geistlichen gesprochen, Reverend Gabriel Salgiero.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Facettenreiches Miteinander

"We the People" lautete das Motto dieser Ouvertüre für ein völlig neues Format: den ersten rein virtuellen Nominierungsparteitag - "We the People", nach den berühmten ersten drei Worten der Verfassung. Mit einer schnellen Folge von Videoclips, Musikeinlagen, Grußworten und Ansprachen, Gebeten und Hymnen haben die Demokraten illustriert, wer für sie "We the People" sind: ein aufregend-diverses, facettenreiches, buntes Miteinander, das es zu verteidigen gilt.

Immer wieder kamen ganz normale Durchschnittsamerikaner zu Wort, etwa eine junge Frau, deren Vater an Covid-19 erkrankte und starb. Die Gefahren der Pandemie und der Rezession in deren Folge, aber auch das Übel des systemischen Rassismus in den USA wurden in vielen Redebeiträgen angeprangert. Mit dabei war auch der Bruder von George Floyd, dessen Tod durch Polizeigewalt die "Black Lives Matter"-Bewegung landesweit auf die Straße gebracht hatte.

Den aus demokratischer Sicht Verantwortlichen für diese Missstände benannte niemand so deutlich wie die frühere First Lady Michelle Obama: Donald Trump sei der falsche Präsident für das Land, sagte sie angriffslustig. Er sei eindeutig überfordert.

"Nero hat gefiedelt, Trump spielt Golf"

Der Parteilinke Bernie Sanders ging ähnlich scharf mit Trump ins Gericht. Während dieser Präsidentschaft sei das Undenkbare zur Normalität geworden, so Sanders: Wähler würden vom Wählen abgehalten, friedliche Demonstranten mit Militärgewalt eingeschüchtert.

Die Parteilinke um Sanders hatte vor vier Jahren noch Hillary Clinton die Gefolgschaft verweigert. Diesmal reiht sie sich hinter Joe Biden ein und verzichtet zugunsten des übergeordneten Ziels, Trump zu stürzen, sogar auf Kernforderungen wie die symbolträchtige Krankenversicherung für alle. Die Abneigung gegen den Präsidenten eint seine Herausforderer. Kaiser Nero habe gefiedelt, als Rom brannte, so Sanders - Trump spiele Golf.

Über dieses Thema berichtete ARD-Morgenmagazin am 18. August 2020 um 05:41 Uhr.