Der US-Offizier Alexander Vindman | Bildquelle: AFP

Aussage von Trump-Berater "Ich war beunruhigt über das Telefonat"

Stand: 30.10.2019 05:43 Uhr

In der Ukraine-Affäre hat erstmals ein hochrangiger Offizier ausgesagt, der das umstrittene Telefonat von US-Präsident Trump mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj direkt mitgehört hat.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington 

Er kommt in perfekt geschnittener Uniform, seine Orden und Auszeichnungen aus 20 Jahren Militärdienst an der Brust. Einschließlich eines Purpurherzens für eine Verwundung im Irakkrieg. Oberstleutnant Alexander Vindman, geboren in der Ukraine, als Kind in die USA gekommen. Mitglied des nationalen Sicherheitsrats, Berater des amerikanischen Präsidenten in Ukrainefragen.

Der Ort: Der Kongress in Washington, Ermittlungen zum Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump. Die Stimmung im Vorfeld: Nervös. Denn mit Vindman sagt zum ersten Mal jemand aus, der selbst das Telefonat zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selensky mitgehört hat. "Was soll das? Wir haben alles gelesen, was gesagt wurde", beschweren sich Republikaner wie der Abgeordnete Jim Jordan.

Republikaner wollen Vindmans Glaubwürdigkeit untergraben

Die Anhörung findet hinter verschlossenen Türen statt, aber Vindmans Eingangsbemerkungen werden vorher veröffentlicht. Und die haben es in sich, machen Republikaner nervös. "Ich war beunruhigt über das Telefonat. Ich hielt es nicht für angemessen, zu verlangen, dass eine ausländische Regierung gegen einen US-Bürger ermittelt." Und das habe er seinen Vorgesetzten gemeldet. Er habe es für eine Gefährdung der nationalen Sicherheit der USA gehalten, wenn der Präsident Hilfen für die Ukraine von Gefälligkeitsermittlungen gegen seinen politischen Gegner abhängig macht.

"Wir hatten die Beschwerde eines Whistleblowers. Und die ist jetzt mehrfach bestätigt worden. Von Trumps eigenen Mitarbeitern," sagt der demokratische Abgeordnete Hakeem Jeffries. Und Vindman kritisierte auch den amerikanischen Botschafter bei der EU, Gordon Sondland. Der habe bei einem Treffen darauf gedrängt, dass die Ukraine Ermittlungen gegen den Sohn des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Biden vorantreibe.

Er habe ihm gesagt, dass er das für unangemessen halte. Alles Aussagen, die die Verteidigungslinie des Weißen Hauses untergraben. Das wiederum antwortet mit der Taktik, Vindman unglaubwürdig zu machen. Trump über Twitter, Republikaner in Interviews.

"Ich weiß nicht, ob er sich für die amerikanische Strategie intereressiert. Aber seine Mission war, dafür zu sorgen, dass die Ukraine diese Waffen bekommt. Ich verstehe das ja, wir alle haben eine Affinität zu unserer Heimat, woher wir kamen."

Der frühere Abgeordnete Sean Duffy im Fernsehsender Fox News. Er sei ja noch in der Sowjetunion geboren, da fühle er sich bestimmt mit der Ukraine solidarisch. An anderer Stelle wird er im selben Fernsehprogramm "Spion" genannt.

Angriffe auf dekorierten Veteranen

Demokraten eilen zur Verteidigung ihres Zeugen.

"Sie können das Verhalten des Präsidenten nicht verteidigen. Und so greifen sie eben einen Kriegshelden an, der unserem Land gedient hat."

So sagt es die Abgeordnete Mazie Hirono. Aber auch einigen Republikanern geht dies zu weit. Die sehr einflussreiche republikanische Abgeordnete Liz Cheney, Tochter des früheren Vizepräsidenten, nannte diese Anfeindungen beschämend.

"Wir müssen zeigen, dass wir als Nation besser als das sind. Müssen ihren Patriotismus sehen, ihre Liebe zum Land. Wir reden über dekorierte Veteranen, die dieser Nation gedient haben."

Die Aussagen Vindmans stehen in einer ganzen Reihe von Anhörungen. Nach Aussagen von Teilnehmern meist belastend für den Präsidenten. In dieser Woche wird das Repräsentantenhaus in einer Abstimmung das Ermittlungsverfahren offiziell machen. Das nimmt dem Weißen Haus eine weitere Möglichkeit, Aussagen zu verweigern oder Unterlagen zurück zu halten.

Impeachment - Militäroffizier, der Trumps Telefonat mitgehört hat, sagt aus
Arthur Landwehr, ARD Washington
30.10.2019 06:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 30. Oktober 2019 um 07:37 Uhr.

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