Netanyahu präsentiert angebliche Beweise für iranisches Atomwaffenprogramm | Bildquelle: AP

Beschuldigung von Israel US-Politiker bezweifeln Iran-Vorwürfe

Stand: 02.05.2018 07:42 Uhr

Israel wirft dem Iran vor, Teile eines beendeten Atomwaffenprogramms nicht offengelegt zu haben. In den USA diskutiert man nun, welche Tragweite diese Informationen haben.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

In Washington wird diskutiert, ob die Präsentation des sogenannten iranischen Atomarchivs tatsächlich US-Präsident Donald Trump geholfen hat. US-Senator Chris van Hollen glaubt das nicht. Die enthüllten Ordner, DVDs und Raketen-Blaupausen sprechen seiner Meinung nach vielmehr für den bestehenden Atomdeal.

Deshalb sei es so wichtig, das Atomabkommen beizubehalten, so van Hollen. "Es schneidet Teheran künftig den Weg zu einer Atombombe ab. Und das sollte unser Ziel sein."

Dramatische Präsentation

Israels Ministerpräsident Netanyahu hatte in einer dramatischen Präsentation dem Iran vorgeworfen, Teile eines beendeten Atomwaffenprogramms nicht offengelegt zu haben. Der Iran lüge, sagte Netanyahu auf Englisch. Der Auftritt wurde live im US-Fernsehen übertragen.

So konnten es alle sehen, und so diskutierten nun auch alle mit. US-Außenminister Mike Pompeo räumte jedoch ein, dass wesentliche Informationen der israelischen Präsentation bereits vorher bekannt waren.

"Das iranische Atomprogramm AMAD endete etwa im Januar 2004. Das ist seit einiger Zeit bekannt", erklärte er. "Aber es gibt Tausende neue Dokumente mit neuen Informationen. Es erfordert noch viel Arbeit, um die Tragweite abzuschätzen. Es gibt neue Informationen über das Programm." US-Präsident Trump fasste es kürzer. Die Präsentation in Tel Aviv habe gezeigt, dass er zu 100 Prozent richtig liege.

Erinnerung an Netanyahus Auftritt 2002

Der frühere Direktor des Auslandsgeheimdienstes NSA, Michael Hayden, erklärte dagegen, die US-Geheimdienste hätten 2007 bereits gewusst, dass Iran Teile des gestoppten Atomwaffenprogramms zivil weiterführt. Auch das sei nicht neu.

Außerdem würde Israels Ministerpräsident Netanyahu vor einem wichtigen politischen Sieg stehen, sollten die USA das Atomabkommen verlassen, gab der Politikanalyst Aaron David Miller im Radiosender NPR zu bedenken. Netanyahu habe den Vertrag mit Iran immer abgelehnt.

Der israelische Regierungschef wird von Vielen in den USA kritisch gesehen. US-Demokrat van Hollen erinnert an Netanyahus Auftritt vor dem US-Kongress kurz vor dem Irakkrieg 2002.

"Vielleicht sollte ich darauf hinweisen, dass Netanyahu im September 2002 vor dem Repräsentantenhaus ausgesagt hatte, dass der Irak nach Atomwaffen strebt und dass wir deshalb eingreifen sollen", so van Hollen. "Er lag damals falsch, und er hat diesmal keine neuen Informationen präsentiert."

US-Außenminister Pompeo und der israelische Regierungschef Netanyahu reichen sich die Hände. | Bildquelle: REUTERS
galerie

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte nach der Präsentation durch den israelischen Regierungsschef Bernjamin Netanyahu, dass wesentliche Informationen bereits vorher bekannt gewesen seien.

Kein Beleg für Verstoß gegen Atomabkommen

Die US-Administration hat keinen Beleg dafür gefunden, dass der Iran derzeit gegen das Atomabkommen verstößt. Aber sie sieht in den Informationen aus Israel einen Beleg für die Unzuverlässigkeit Teherans. Iran verstoße gegen den Geist des Vertrages, lautet der Vorwurf aus Washington. Die Europäer haben angeboten, das Abkommen zu ergänzen. Man sei im Gespräch, erklärte US-Außenminister Pompeo.

"Wir haben das gleiche Ziel, nämlich den Iran daran zu hindern, jemals in den Besitz einer Atombombe zu kommen. Unser Verhältnis mit Europa bleibt gut, auch wenn Präsident Trump entscheiden sollte, das Atomabkommen zu verlassen."

In knapp zehn Tagen will US-Präsident Trump seine Entscheidung bekannt geben.

Zustimmung und Zweifel in den USA nach Netanyahus Iran-Präsentation
Torsten Teichmann, ARD Washington
02.05.2018 06:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Mai 2018 um 07:15 Uhr.

Darstellung: