Venezuelas Staatschef Maduro bei einer Fernsehansprache | Bildquelle: JHONN ZERPA HANDOUT/EPA-EFE/Shut

Nach US-Anklage Maduro wütet gegen Trump

Stand: 27.03.2020 08:32 Uhr

Die USA werfen Venezuelas sozialistischem Staatschef Drogenschmuggel vor. Maduro reagiert mit einer Ermittlung gegen seinen Rivalen Guaidó und zieht in einer Fernsehansprache über Präsident Trump her.

Der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro hat den USA nach einer Anklageerhebung gegen ihn scharf gedroht. Sollte die Regierung von US-Präsident Donald Trump vorhaben, gemeinsam mit Kolumbien in sein Land einzumarschieren, werde er sich mit allen nötigen Mitteln zur Wehr setzen, sagte Maduro in einer Fernsehansprache.

"Wie ein New Yorker Mafia-Erpresser"

Trump selbst bezeichnete er in Schimpftiraden als "rassistischen Cowboy" und "erbärmliches menschliches Wesen". Das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld nannte Maduro eine Wildwest-Methode des 19. Jahrhunderts. "Sie führen internationale Beziehungen wie ein New Yorker Mafia-Erpresser, der sie einst als Immobilienboss waren."

Kokain als "Waffe gegen Amerika"

Die US-Justiz hatte am Donnerstag Anklage gegen Maduro und seinen innersten Machtzirkel erhoben. Die New Yorker Staatsanwaltschaft beschuldigt den Präsidenten und Diosdado Cabello, den Chef der sozialistischen Regierungspartei, sich mit kolumbianischen Rebellen und dem venezolanischen Militär verbündet zu haben, "um die Vereinigten Staaten mit Kokain zu überschwemmen" und den Drogenhandel als "Waffe gegen Amerika" einzusetzen. In einer anderen Anklage in Miami wurde der Oberste Richter des Landes, Maikel Moreno, der Geldwäsche beschuldigt.

Ranghohe Militärs und Machthaber Maduro sollen das Sonnenkartell befehligen, das für den Transit kolumbianischen Kokains in die USA und nach Europa verantwortlich ist.  Zwei Neffen Maduros wurden bereits 2017 in den USA wegen Drogenschmuggels verurteilt. Sie waren im Karibikstaat Haiti mit 800 Kilogramm Kokain erwischt worden.

Kopfgeld auf Maduro

US-Außenminister Mike Pompeo setzte ein Kopfgeld von bis zu 15 Millionen Dollar als Belohnung für Hinweise zur Ergreifung oder Verurteilung von Maduro fest und für vier seiner Verbündeten jeweils zehn Millionen Dollar. "Das Maduro-Regime ist voller Korruption und Kriminalität", sagte US-Justizminister William Barr. "Während das venezolanische Volk leidet, füllt diese Clique ihre Taschen mit Drogengeld und den Einnahmen von Korruption. Das muss aufhören."

Maduro wies die Vorwürfe zurück. Sein oberster Staatsanwalt Tarek William Saab gab zudem Ermittlungen gegen den Oppositionsführer Juan Guaidó bekannt, der sich selbst zum Staatsoberhaupt erklärt hat und als solches von den USA, Deutschland und mehr als 50 weiteren Staaten anerkannt wird. Er soll demnach gemeinsam mit dem pensionierten General Cliver Alcalá einen Putsch gegen Maduro geplant haben.

Oppositionsführer Guaidó, der von der US-Regierung unterstützt wird, lobte die Anklageerhebung. Sie werde dazu beitragen, das venezolanische Volk zu befreien, dass seit vielen Jahren von Kriminellen gekidnappt sei.

Ungewöhnliche Anklage

Eine Anklage gegen einen amtierenden Staatschef ist sehr ungewöhnlich. Gemäß US-Recht und internationalen Normen genießen amtierende Staatsoberhäupter normalerweise Immunität vor Strafverfolgung. Maduro wird von den USA aber nicht mehr als Venezuelas legitimes Staatsoberhaupt anerkannt.

Der ehemalige Pentagon-Mitarbeiter Frank Mora kommentierte, die US-Regierung verfolge mit den Anklagen eher das Ziel, Wähler unter den lateinamerikanischen Einwanderern in Florida zu gewinnen, als die Krise in Venezuela zu lösen. "Wir werden nicht hineingehen und ihn schnappen", sagte Mora, inzwischen der Leiter der Lateinamerika-Studien an der Florida International University. "Hierbei geht es nicht um Regimewechsel oder Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela. Es geht um Wahlpolitik."

Kopfgeld auf Maduro - Venezolanische Reaktionen auf US-Anklage
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
27.03.2020 08:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: