US-Präsident Donald Trump. | Bildquelle: AP

"Lincoln Project" Republikaner gegen Trump

Stand: 24.07.2020 13:28 Uhr

Republikaner auf Abwegen - so könnte man das "Lincoln Project" beschreiben: Konservative wollen die Wiederwahl von US-Präsident Trump verhindern und unterstützen deswegen seinen demokratischen Konkurrenten Biden.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Washington

Es gibt mindestens fünf politische Initiativen, deren Ziel es ist, enttäuschte Konservative für Joe Biden zu erwärmen. Die bekannteste Gruppe ist das "Lincoln Project", das mit cleveren und eingängigen Videoclips eine Kampagne gegen US-Präsident Donald Trump führt.

"Wir haben alles unter Kontrolle. Ich denke, alles wird gut werden." Über zwei Minuten lang sind in einem Clip Aussagen Trumps zum Coronavirus aneinandergeschnitten. Und während der US-Präsident davon spricht, dass alles unter Kontrolle sei, klettert im Hintergrund ein großer roter Pfeil unaufhörlich nach oben. Dieser zeigt die Zahl der Infektionen in den USA.

"Trump zur Rechenschaft ziehen"

Die Botschaft des Clips: Das, was Trump sagt, entspricht nicht der Wirklichkeit. Es ist eines von inzwischen Dutzenden Videos, die vom "Lincoln Project" stammen. Reed Galen ist eines der Gründungsmitglieder: "Wir haben uns Ende vergangenen Jahres zusammengetan, weil wir glauben, dass es einen Weg für uns Republikaner, ehemalige Republikaner und Konservative gibt, um Donald Trump zur Rechenschaft zu ziehen."

Galen war einst für George W. Bush tätig, weitere Mitgründer der Gruppe sind Rick Wilson, Steve Schmidt und George Conway - allesamt konservativ und gegen Trump. Das Ziel: Sie wollen den Kandidaten der Demokraten, Biden, im Weißen Haus. 

Millionen Klicks auf Youtube

Ihre Mission sei erst vorbei, erzählt Galen, wenn Biden am 21. Januar 2021 den Amtseid ablege. Dafür führen sie Trump immer wieder vor. In glatt produzierten Videoclips mit eingängigen Titeln: "Ungeeignet", "Law and Order" oder "Mourning in America" - Trauer in Amerika.

Allein auf Youtube wurde dieser Clip mit Bildern eines heruntergekommenen, leidenden Amerika drei Millionen Mal angeschaut - wenigstens einmal auch von Trump selbst. Denn der reagierte dünnhäutig mit einem Tweet: "Dieses sogenannte 'Lincoln Project' schändet Honest Abe". Der ehemalige US-Präsident Abraham Lincoln trug den Spitznamen Honest Abe, weil man ihn wegen seiner Aufrichtigkeit schätzte.

Durch Trumps wachsende Aufmerksamkeit wuchs auch die Unterstützung des Projekts. Allein zwischen Anfang April und Ende Juni sammelte die Gruppe knapp 17 Millionen Dollar ein. Geld, dass weiter in Kampagnen gegen den amtierenden Präsidenten und andere Republikaner gesteckt wird.

 

Die Unentschiedenen und Enttäuschten erreichen

Dabei ist den Polit-Profis klar, dass sie wohl kaum den harten Kern der Trump-Wähler umstimmen können. Sie wollen die Unentschiedenen erreichen, die Enttäuschten, wie sie selbst es sind. Sarah Lenti, Geschäftsführerin beim "Lincoln Project", sagte in einem Radiointerview: "Wir wollen diesen Wählern bei der Entscheidung helfen, die kommende Wahl entweder ganz auszusitzen oder tatsächlich ins andere Lager zu wechseln und für Biden zu stimmen."

Letztlich bedient sich das Projekt bei Trumps eigenem Werkzeugkasten. Gerade mal 77.000 Stimmen brachten ihm die notwendige Mehrheit bei den Wahlmännern. Genau das will das "Lincoln Project" auch erreichen - für Trumps Gegner. Selbst wenn nur ein Bruchteil von desillusionierten Trump-Wählern oder konservativen unabhängigen Wählern für Biden stimmt, könnte es reichen, Trump aus dem Weißen Haus zu werfen.

Republikaner gegen Trump: Wer verbirgt sich hinter dem Lincoln Project?
Nicole Markwald, HR
24.07.2020 11:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 21. Juli 2020 um 07:20 Uhr.

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