Das Kreuzfahrtschiff "Zaandam" | Bildquelle: AP

Coronavirus auf Schiff "Zaandam" sucht Hafen in Florida

Stand: 31.03.2020 17:11 Uhr

Mehr als 1000 Menschen sitzen auf dem Kreuzfahrtschiff "Zaandam" vor der Küste Floridas fest. Es gibt erste Tote und mehrere Coronavirus-Erkrankte. Die US-Behörden verweigern bisher ein Einlaufen - mit Verweis auf knappe Ressourcen.

Das Kreuzfahrtschiff "Zaandam" mit vier Toten und mehreren Corona-Fällen an Bord sucht weiter verzweifelt einen Hafen. Im US-Bundesstaat Florida, wo das Schiff nach langer Irrfahrt einlaufen sollte, dürfen die Passagiere nun doch nicht an Land gehen.

Der Landkreis Broward County wollte heute beraten, ob das Schiff mit noch 1052 Menschen an Bord in den Hafen Port Everglades einlaufen darf. Es sollte morgen in Florida eintreffen, doch Gouverneur Ron DeSantis verweigerte ihm bisher das Anlegen.

Er verwies darauf, dass die Hospitäler in Florida wegen der Pandemie bereits zu stark beansprucht seien. Und weiter: "Wir können es uns nicht leisten, dass Menschen, die nicht einmal Einwohner von Florida sind, in Südflorida abgeladen werden und wertvolle Ressourcen verbrauchen", sagte er dem Fernsehsender Fox News.

Schwesterschiff übernimmt Gesunde von "Zaandam"

Auch das Schwesterschiff "Rotterdam" ist nach Florida unterwegs - ob es anlegen darf, ist ebenfalls unklar. Die "Rotterdam" übernahm von der "Zaandam" bereits knapp 1400 Menschen, die offenbar gesund sind. Auf der "Zaandam" verblieben demnach 450 Passagiere und 602 Besatzungsmitglieder, darunter 193 Passagiere mit grippeartige Symptomen. Acht Corona-Fälle sind auf dem Kreuzfahrtschiff inzwischen bestätigt. Auf beiden Schiffen befinden sich insgesamt mehr als 300 US-Bürger und etwa 80 Deutsche.

Der Präsident des Betreibers Holland-America Line, Orlando Ashford, appellierte in einem Zeitungsbeitrag an die Behörden, die Menschen von Bord zu lassen. Die vom Virus ausgelöste Krankheit Covid-19 stelle die Mitmenschlichkeit auf die Probe. Erste Passagiere seien schon gestorben. Er fürchte um das Leben weiterer. "Diesen Menschen die Tür vor der Nase zuzuschlagen, wäre ein Verrat an unseren tiefsten menschlichen Werten", schrieb Ashford.

Vier Tote, 190 Kranke

Die "Zaandam" war Anfang März von Buenos Aires nach San Antonio in Chile aufgebrochen. Von dort sollte sie weiter nach Fort Lauderdale in Florida fahren. Doch ab 15. März wurde ihr das Einlaufen in südamerikanische Häfen verweigert - noch bevor Passagiere erste grippeartige Symptome zeigten.

Mittlerweile sind Dutzende Menschen an Bord erkrankt, bei acht wurde das Virus Sars-CoV-2 nachgewisen. Vier Passagiere sind inzwischen gestorben, wie der Betreiber mitteilte. Die Todesursache sei aber noch nicht bekannt. Die übrigen Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff seien zwar gesund, dürften ihre Kabinen aber nicht verlassen.

Schwierige Durchreise im Panamakanal

Vergangene Woche hatte das Schiff Panama erreicht. Die Behörden dort erklärten, mindestens zwei der Todesfälle gingen auf das Virus zurück und ließen die "Zaandam" erst nach tagelangen Verhandlungen durch den Panamakanal in den Atlantik fahren.

Die Passagiere mussten das Licht löschen und die Vorhänge zuziehen. Kanalverwalter Ricaurte Vásquez sprach von einer humanitären Entscheidung. Die Passagiere beklagten das emotionale Auf und Ab der vergangen 15 Tage. "Wir dürfen unsere Räume nicht verlassen, haben seit Tagen keine frische Luft gehabt", sagte Laura Gabaroni aus Orlando.

Maas will Deutsche ausfliegen lassen

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas ist inzwischen mit dem Drama befasst. Er hatte gestern die Hoffnung geäußert, dass die beiden Schiffe bald in den Hafen von Fort Lauderdale einlaufen und die Passagiere von dort ausgeflogen werden können. "Wir arbeiten daran, aber ich kann noch keine Entwarnung geben", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung.

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