Demonstranten erstürmen das Kapitol in Washington | Bildquelle: REUTERS

Erstürmung des Kapitols Mann mit "Camp Auschwitz"-Shirt gefasst

Stand: 14.01.2021 11:09 Uhr

Nach dem Sturm auf das Kapitol geht die US-Justiz weiter gegen Beteiligte vor. Sie nahm einen Mann fest, der ein "Camp Auschwitz"-Shirt getragen haben soll. Auch gegen den Schwimm-Olympiasieger Klete Keller erhebt sie Vorwürfe.

Die US-Staatsanwaltschaft geht gegen den Schwimm-Olympiasieger Klete Keller vor, weil er sich am Sturm auf das Kapitol beteiligt haben soll. Die Bundesanwaltschaft in Washington erhob formale Beschuldigungen gegen den 38-jährigen US-Amerikaner wegen widerrechtlichen Eindringens in das Kongressgebäude, gewalttätigen Verhaltens oder Störung der öffentlichen Ordnung sowie Behinderung der Sicherheitskräfte.

Die Polizei habe Keller als Teilnehmer der Ausschreitungen am Mittwoch vergangener Woche identifiziert, teilten die Ermittler mit. Er habe im Kapitol eine mutmaßlich offizielle Jacke des US-Olympiateams sowie ein Armband mit der Aufschrift "Olympisches Team der Vereinigten Staaten" getragen. Bereits am Dienstag hatten US-Medien berichtet, dass Keller von Menschen aus dem Schwimmsport auf Aufnahmen der Ausschreitungen erkannt worden sei.

Keller hatte in den Jahren 2004 und 2008 in der Freistilstaffel über 4 x 200 Meter zusammen mit dem Rekordolympiasieger Michael Phelps die Goldmedaille gewonnen. In den Jahren 2000 und 2004 holte er Bronze über 400 Meter.

Haftbefehl erlassen

US-Medien berichteten außerdem, im Zusammenhang mit den Ausschreitungen am Kapitol sei ein Verdächtiger festgenommen worden, der ein Shirt mit der Aufschrift "Camp Auschwitz" getragen hatte. Die Polizei habe den per Haftbefehl gesuchten Mann am Mittwoch in Newport News im Bundesstaat Virginia gefasst, meldeten die "New York Times" sowie die Sender ABC und CBS unter Berufung auf Polizeikreise.

Der Mann war bei den Krawallen auf zahlreichen Fotos innerhalb und außerhalb des Kapitols zu sehen. Auf seinem schwarzen "Camp-Auschwitz"-Shirt waren ein Totenschädel und die Worte "Work Brings Freedom" zu erkennen - eine ungefähre Übersetzung von "Arbeit macht frei", der Aufschrift am Tor des NS-Konzentrationslagers Auschwitz. Ein Bundesgericht in Washington hatte am Dienstag einen Haftbefehl gegen den Mann erlassen, den die "Washington Post" veröffentlichte.

Demnach werden ihm illegales Eindringen in ein besonders gesichertes Gebäude sowie gewaltsames Eindringen und ungebührliches Verhalten auf dem Gelände des Kapitols zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag mitgeteilt, sie gehe davon aus, schon bald "Hunderte" mutmaßliche Täter anzuklagen.

Auschwitz-Komitee zeigt sich erleichtert

Das Internationale Auschwitz-Komitee begrüßte die Festnahme des Verdächtigen. Auschwitz-Überlebende in aller Welt seien darüber erleichtert, sagte der Geschäftsführer des Komitees, Christoph Heubner, in Berlin. Der Mann sei in den zurückliegenden Tagen zum Symbol einer Szene geworden, "die immer offener und aggressiver Auschwitz verherrlicht und die Wiederholung von Auschwitz propagiert".

Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump hatten das Kapitol in Washington gestürmt, als dort eine Sitzung des Kongresses zur formellen Bestätigung des Wahlsieges von Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl stattfand. Eine Trump-Anhängerin wurde im Kapitol erschossen, ein Polizist erlag am Tag danach seinen bei den Konfrontationen erlittenen Verletzungen. Drei weitere Menschen starben bei medizinischen Notfällen während der Ausschreitungen.

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Der Tag, als das Kapitol in Washington gestürmt wurde

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