Freilassung Jonathan Pollard

Nach 30 Jahren in US-Haft Israelischer Spion Pollard frei

Stand: 20.11.2015 13:30 Uhr

Seine Inhaftierung hatte das Verhältnis zwischen Israel und den USA jahrzehntelang belastet - jetzt ist Jonathan Pollard wieder auf freiem Fuß. Doch für die US-Behörden gilt er nach wie vor als Verräter, weil er große Mengen höchst vertraulicher Informationen an Israel weitergab.

Der israelische Spion Jonathan Pollard ist nach 30 Jahren Haft in den USA auf Bewährung freigekommen. Der 61-Jährige habe am Freitag das Gefängnis im Bundesstaat North Carolina verlassen, sagte der Sprecher einer Aktivistengruppe, die Pollard in Israel unterstützt. Der 61-Jährige verbüßte eine lebenslange Haftstrafe, die jetzt ausgesetzt wurde. Der Fall Pollard hatte zwischen den USA und Israel über drei Jahrzehnte hinweg für Irritationen gesorgt.

Demonstration in Jerusalem für Pollard-Freilassung im Januar 2014.

Der Fall Pollard hatte über drei Jahrzehnte für Irritationen zwischen den USA und Israel gesorgt.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu äußerte sich in einer ersten Reaktion erleichtert über die Freilassung des gebürtigen US-Amerikaners: "Nach drei langen und schweren Jahrzehnten wird Jonathan endlich wieder mit seiner Familie vereint."

In den USA ein Verräter, in Israel eine Art Nationalheld

Der für die US-Marine tätige Pollard hatte von Mai 1984 bis November 1985 dem israelischen Geheimdienst Mossad viele tausend streng geheime Dokumente mit US-Spionagematerial aus dem arabischen Raum übergeben. Er war Ende 1985 festgenommen worden, nachdem auf seinem Schreibtisch immer wieder geheime Akten aufgefallen waren, mit denen er eigentlich beruflich nichts zu tun hatte. 1987 wurde er schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt.

Plakat in Jerusalem, das die Freilassung von Pollard fordert.

In den USA ein Verräter, in Israel eine Art Nationalheld.

Der inzwischen 61-Jährige soll wegen Auflagen im Zusammenhang mit seiner Haftentlassung aber nicht nach Israel zu seiner Ehefrau ausreisen dürfen. Er gilt als Sicherheitsrisiko und darf die USA fünf Jahre lang nicht verlassen. Pollard hat auch die israelische Staatsbürgerschaft und genießt dort den Status eines Nationalhelden.

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KOMMENTARE

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Dennis K. 20.11.2015 • 18:03 Uhr

@karwandler: ... aber kein US-Bürger...

Unsere eigenen Staatsbürger belangen wir natürlich, wenn sie mit fremden Geheimdiensten kooperieren... aber richtige Spione fremder Mächte werden eigentlich eher gegeneinander ausgetauscht - aber da wir vermutlich nichtmal die Eier haben, Spione in die USA zu schicken, erübrigt sich das... Zum Thema selbst: Der Mann hat Informationen an den Mossad geliefert, mit denen der Mossad koordinierte Tötungsmissionen (=Terroranschläge... *hust*) durchgeführt hat. Das gilt als ziemlich gesichert. Auch wenn die Opfer dieser Attentate nicht gerade zu den Leuten gehören, denen ich auch nur eine Träne nachweinen würde, muss dennoch klar gemacht werden, dass das Töten von Gegnern im Ausland durch Terrorismus nicht legitim ist... da die USA aber mit ihren Drohnen (und früher auch mit ihren Geheimdiensten, z.B. die Anschläge auf Castro) im Prinzip genau das gleiche machen... Nebenbei ist Pollard vor allem ein Volksheld unter erzkonservativen Israelis, unter linken Israelis ist er sehr umstritten...