Frau läuft in Teheran vor einer Wand mit einem gegen die USA gerichteten Bild vorbei | Bildquelle: AFP

USA und der Iran Wie der Konflikt eskalierte

Stand: 04.01.2020 04:01 Uhr

Seit Monaten nehmen die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zu. Die Tötung von General Soleimani führte nun zu einer dramatischen Verschärfung. Die Entwicklung des Konflikts im Überblick.

Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran haben sich in den vergangenen Jahren massiv verschlechtert. Schon im Mai 2017, wenige Monate nach seinem Amtsantritt, fand US-Präsident Donald Trump scharfe Worte: Bei einer Rede in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad rief er mehr als 30 Staats- und Regierungschefs muslimischer Länder dazu auf, den Iran zu "isolieren". Trump warf Teheran vor, "Terroristen" zu finanzieren und auszurüsten.

Im September 2017 legte der US-Präsident dann vor der UN-Vollversammlung nach: Die iranische Führung habe das Land in einen "verarmten Schurkenstaat" verwandelt. Zugleich drohte Trump erneut mit der Aufkündigung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran.

Dieser Drohung ließ Trump dann am 8. Mai 2018 Taten folgen. Er kündigte den einseitigen Rückzug seines Landes aus dem Wiener Abkommen von 2015 an. Drei Monate später setzte die US-Regierungen Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft. 

Kurzfristig abgesagter Vergeltungsangriff

Im April 2019 setzte Washington dann die iranischen Revolutionsgarden auf die schwarze Liste ausländischer Terrororganisationen. Das beinhaltete auch die von General Kassem Soleimani angeführten Al-Kuds-Brigaden. Es war das erste Mal, dass die USA eine ausländische Militäreinheit auf ihre Terrorliste setzen.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgten im Mai und Juni 2019 die Angriffe auf Tanker im Persischen Golf. Die USA machten dafür den Iran verantwortlich. Teheran wies die Vorwürfe zurück. Am 20. Juni schossen die iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben dann eine US-Spionage-Drohne ab. Die USA bereiteten daraufhin einen Vergeltungsangriff vor, den Trump nach eigenen Worten aber kurzfristig wieder absagte.

Dafür verhängte er Sanktionen gegen Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Ob die Drohne iranischen Luftraum verletzt hatte, ist umstritten.

Iran geistlicher Führer Ayatollah Khamenei
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Im April verschärfte Trump die Sanktionen gegen den Iran und dessen geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei.

Verstoß gegen Atomabkommen

Als Reaktion auf die Sanktionen verstieß Teheran im Juli 2019 gegen zentrale Bestimmungen des Atomabkommens. Der Iran überschritt die erlaubte Menge von 300 Kilogramm auf 3,67 Prozent angereichertes Uran. Außerdem erhöhte das Land den Anreicherungsgrad auf 4,5 Prozent.

Wenig später zerstörte ein US-Kriegsschiff nach Angaben der US-Regierung eine iranische Drohne. Teheran dementierte dies und verkündete wenige Tage später, die Aufdeckung und Zerschlagung eines angeblichen Spionagenetzwerks des US-Geheimdienstes CIA.

Angriffe auf saudi-arabische Ölanlagen

Im September 2019 trafen Drohnen- und Raketenangriffe zwei saudi-arabische Ölanlagen. Zu den Attacken bekannten sich die jemenitischen Huthi-Rebellen. Saudi-Arabien, die USA und mehrere europäische Länder machten aber den Iran dafür verantwortlich. Rund zwei Wochen später schicken die USA etwa 200 Soldaten nach Saudi-Arabien. Im Oktober folgte die Verlegung weiterer Soldaten, von Raketenabwehrsystemen und Kampfjet-Geschwadern nach Saudi-Arabien.

Im November beging der Iran einen weiteren offenen Verstoß gegen das Atomabkommen. Die iranische Atomorganisation teilte mit, dass 2000 Kilogramm Urangas in die Anlage Fordo befördert worden seien.

Raketenangriff auf Militärbasis im Irak

Bei Raketenangriffen im Irak wird am 27. Dezember ein US-Bürger getötet. Als Reaktion darauf flogen die USA zwei Tage später Luftangriffe auf pro-iranische Milizen und töteten mindestens 25 Kämpfer. Zwei weitere Tage später stürmten Demonstranten die US-Botschaft in Bagdad. Washington machte Teheran dafür verantwortlich.

Die jüngste Eskalation: In der Nacht auf den 3. Januar wurde bei einem US-Drohnenangriff am Flughafen von Bagdad den iranischen General Soleimani getötet. Teheran drohte umgehend Vergeltung an.

Über dieses Thema berichteten am 03. Januar 2020 Deutschlandfunk Nova um 19:17 Uhr, die tagesthemen um 21:45 Uhr und Deutschlandfunk Kultur um 23:09 Uhr.

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