Eine Impfung wird verabreicht. | AP

Neue Regel Corona-Impfpflicht in der US-Pflege

Stand: 19.08.2021 00:30 Uhr

Nach Bundesbeschäftigten und Soldaten soll in den USA künftig auch für bestimmtes Pflegepersonal eine Corona-Impfpflicht gelten. Zudem empfiehlt die Biden-Regierung nun auch eine Drittimpfung nach acht Monaten.

Die US-Regierung verlangt künftig von Pflegepersonal eine Impfung gegen das Coronavirus. Wie Präsident Biden im Weißen Haus sagte, soll die Impfpflicht in Heimen gelten, in denen über die öffentlichen Krankenversicherungen Medicare und Medicaid abgesicherte Menschen leben. Nach Angaben des Weißen Hauses betreffen die geplanten Regelungen landesweit mehr als 15.000 Pflegeheime mit 1,3 Millionen Mitarbeitern und 1,6 Millionen Bewohnern.

Biden versucht angesichts steigender Infektionszahlen die landesweite Impfkampagne weiter voranzutreiben. Inmitten der Ausbreitung der Delta-Variante werden in den USA inzwischen wieder im Schnitt täglich rund 130.000 Neuinfektionen verzeichnet.

Bislang sind nach offiziellen Zahlen Hunderttausende Beschäftigte in Pflegeheimen nicht geimpft, obwohl die Einrichtungen vor allem zu Beginn der Pandemie besonders betroffen waren und die Beschäftigten zu den ersten zählten, die impfberechtigt waren.

Zuletzt wieder mehr Impfungen

In den vergangenen Wochen wurden bereits Millionen Bundesbeschäftigte von der Regierung gezwungen, eine Impfung nachzuweisen oder sich andernfalls an strenge Auflagen zu halten. Für Militärbedienstete soll eine Impfpflicht eingeführt werden. Auch für alle Einreisenden aus Übersee in die USA soll nach Plänen der Regierung künftig eine Impfpflicht gelten.

Der Vorstoß scheint zu wirken: Im Lauf des vergangenen Monats verdoppelte sich die Rate neuer Impfungen - auf etwa 450.000 pro Tag. Mehr als 200 Millionen Amerikaner und Amerikanerinnen sind nach Angaben des Weißen Hauses inzwischen mindestens einmal geimpft. 80 Millionen weitere kommen für eine Impfung in Frage, sind bislang aber nicht immunisiert.

"Der richtige Hebel zur richtigen Zeit"

Verpflichtende Impfungen seien "der richtige Hebel zur richtigen Zeit", sagt jüngst Ben Wakana, Vize-Kommunikationsdirektor des Covid-Stabs im Weißen Haus. Er verwies auf ein zunehmendes Vertrauen der Bevölkerung in die Corona-Impfstoffe und sprach von einer neuen Phase in der Impfkampagne der Regierung.

Viele Republikaner, vor allem potenzielle Präsidentschaftskandidaten für die Wahl 2024, sehen das anders. Sie warnen vor einer Übergriffigkeit des Staates bei einer Entscheidung, die eigentlich den Einzelnen überlassen bleiben sollte.

In der US-Bevölkerung gibt es Unterstützung für eine Impfpflicht. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Kaiser Family Foundation finden 51 Prozent der Amerikaner, dass die Regierung Arbeitgebern empfehlen sollte, von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Impfung zu verlangen. 45 Prozent lehnen das ab.

Booster-Impfungen ab September

Die US-Gesundheitsbehörden hatten gestern bekanntgegeben, dass von Mitte September an allen Bürgern eine Corona-Auffrischungsimpfung angeboten werden soll. Biden sagte dazu, eine dritte Impfdosis werde die Immunreaktion stärken und den Schutz vor Covid-19 verbessern. Eine Booster-Impfung sei auch der beste Schutz vor möglichen neuen Virus-Varianten.

Biden verteidigte die Auffrischungsimpfungen trotz weltweiter Impfstoffknappheit. "Ich weiß, dass es einige führende Politiker in der Welt gibt, die sagen, dass Amerika keine dritte Impfung bekommen sollte, bis andere Länder ihre erste Impfung bekommen haben. Ich bin da anderer Meinung."

"Wir können uns um Amerika kümmern und gleichzeitig der Welt helfen", betonte der Präsident. Im Juni und August hätten die USA 50 Millionen Impfdosen in den USA verimpft und gleichzeitig 100 Millionen an andere Länder gespendet. Biden kündigte weitere Spenden im Herbst an.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. August 2021 um 01:20 Uhr.