Haitianische Migranten steigen am Toussaint Louverture International Airport in Port-au-Prince aus einem Flughafenbus. | REUTERS

UN-Organisationen besorgt USA und Kuba schicken Tausende Haitianer zurück

Stand: 12.10.2021 10:31 Uhr

In Haiti erwartet Migranten, die zurückkehren müssen, politisches Chaos und bittere Armut. Laut der UN-Organisation für Migration wurden binnen weniger Wochen mehr als 10.000 Menschen zurückgeschickt - viele von ihnen Kinder.

Mehr als 10.000 haitianische Migrantinnen und Migranten sind binnen knapp eines Monats in ihre Heimat zurückgeschickt worden. Allein aus den USA wurden 7621 Menschen seit dem 19. September aus den USA zurück in den armen Karibikstaat geflogen, wie die UN-Organisation für Migration (IOM) mitteilte.

Zudem wurden unter anderem aus Kuba 1194 Haitianer und von den Bahamas 797 zurückgeschickt. 19 Prozent aller Zurückgeschickten seien Kinder.

UNICEF besorgt wegen der Kinder

Ein Vertreter des UN-Kinderhilfswerks UNICEF in Haiti, Bruno Maes, berichtete auf Twitter, am Samstag seien mit sechs Flügen und auf einem Boot Hunderte Haitianer aus Kuba zurückgeschickt worden. Die meisten davon gaben demnach an, sie hätten Anfang September versucht, per Boot die US-Stadt Miami zu erreichen.

Viele Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren waren laut Maes dabei, manche seien unterernährt. Die Mehrheit der Abgeschobenen käme aus Haitis Südwesten, wo bei einem Erdbeben am 14. August mehr als 2200 Menschen gestorben waren.

Chaos und Armut in Haiti

In Haiti herrschen bittere Armut, Bandengewalt und politisches Chaos. Anfang Juli wurde Staatspräsident Jovenel Moïse in seiner Residenz erschossen.

Vor etwa drei Wochen versammelten sich rund 15.000 überwiegend haitianische Migranten unter einer Brücke im texanischen Del Rio, an der Grenze mit Mexiko. US-Grenzschützer auf Pferden, die sie aggressiv zurücktrieben, sorgten international für Empörung. Den Migranten wurde auch die Gelegenheit verwehrt, Asyl zu beantragen. Einige gingen zurück nach Mexiko, um nicht abgeschoben zu werden.

Viele Haitianer waren bereits vor Jahren in die südamerikanischen Länder Brasilien und Chile ausgewandert. Wegen Diskriminierung und Perspektivlosigkeit dort, aber auch wegen der Hoffnung, unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden einreisen zu dürfen, wagten sie nun die viele Tausende Kilometer lange, gefährliche Reise in die USA. Zehntausende Migranten stecken auf dem Weg dorthin an Grenzen fest.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Oktober 2021 um 05:54 Uhr.