Andenken an die junge Frau, die tot in ihrer Gefängniszelle gefunden wurde.

Rassismusdebatte in den USA neu entfacht Afroamerikanerin stirbt im Gefängnis

Stand: 22.07.2015 07:31 Uhr

Ein kleiner Verkehrsverstoß - mit tödlichen Folgen. Das Aufeinandertreffen einer Afroamerikanerin mit Polizisten eskaliert, sie wird festgenommen. Drei Tage später finden die Polizisten die junge Frau tot in ihrer Zelle. Der Fall entfacht erneut die Debatte um Polizeigewalt und Rassismus.

In den USA hat der Tod einer 28-jährigen Schwarzen in einer Gefängniszelle für heftige Diskussionen gesorgt. Die Polizei hatte den Wagen der Frau bei einer Verkehrskontrolle vor knapp zwei Wochen gestoppt, weil sie beim Spurwechseln nicht geblinkt haben soll. Sie sei "aggressiv" geworden, beschrieb der Polizist die Situation.

Die Behörden veröffentlichten nun ein Polizeivideo der Kontrolle in der Region nordwestlich von Houston. Darin ist zu sehen, wie ein weißer Polizist und die Afroamerikanerin in einen lauten Streit geraten. Er holte sie mit einem Elektroschocker aus dem Auto. Ein Senator im Bundesstaat Texas, Royce West, bestätigte den Einsatz dieser Waffe. Danach legte der Polizist ihr Handschellen an und nahm sie fest. Die junge Frau fragte mehrfach nach dem Anlass ihrer Festnahme.

Zuvor waren Videobilder aus der Zelle in Hempstead veröffentlicht worden, in der die Frau nach dem Vorfall einsaß. Gefängnismitarbeiter hatten in der vergangenen Woche, drei Tage nach ihrer Festnahme, ihren leblosen Körpers gefunden. Während die Polizei von einem Suizid ausgeht, bezweifelt die Familie der Toten dies. Blands Familie betonte, die Frau sei nach Texas gekommen, um einen neuen Job zu beginnen. Das spreche gegen Suizidasichten. Sie verlangten eine unabhängige Autopsie.

Polizeigewalt gegen unbewaffnete Afroamerikaner

Polizeigewalt gegen unbewaffnete Afroamerikaner ist eine große Debatte in den USA. Im Netz wird der Fall von Sandra Bland unter den Hashtags #JusticeForSandy und #WhatHappenedToSandyBland viel kommentiert - auch mit Blick auf die Frage, ob die Hautfarbe eine Rolle spielte. Unter dem Hashtag #SandraBland werfen Tausende der Polizei Rassismus vor. Die Behörden sagten, sie wollten nun gründlich ermitteln.

Vorfall in Ohio

Auch im US-Bundesstaat Ohio ist es bei einer Polizeikontrolle zu einem tödlichen Zwischenfall gekommen. Wie der Sender CNN berichtete, wurde ein 43-jähriger Schwarzer am Sonntag von einem weißen Polizisten erschossen, nachdem er bei der Kontrolle mit dem Beamten des Sicherheitsdiensts der University of Cincinnati in einen Streit geriet. Der 13-fache Familienvater fuhr einen Wagen ohne vorderes Nummernschild, als der angetrunkene Mann angehalten wurde. Als der Polizist ihn aufforderte, aus dem Auto auszusteigen, kam es dem Bericht zufolge zu einem Handgemenge. Der Polizist griff zur Waffe und schoss dem offenbar Unbewaffneten in den Kopf. Die Polizei in Cincinnati hat Ermittlungen aufgenommen.

In den vergangenen Monaten hatten einige Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA für Diskussionen und teils gewalttätige Proteste gesorgt. Ende April wurde beispielsweise die Stadt Baltimore von Ausschreitungen erschüttert. Dort war ein junger Afroamerikaner ums Leben gekommen, der sich in Polizeigewahrsam verletzt hatte.

Andenken an die junge Frau, die tot in ihrer Gefängniszelle gefunden wurde.

Andenken an die junge Frau in Texas, die tot in ihrer Gefängniszelle gefunden wurde.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Juli 2015 um 17:30 Uhr.