Menschen, die im Zusammenhang mit illegalen Grenzübertritten in die USA in Gewahrsam genommen wurden | Bildquelle: dpa

Rückblick auf Familientrennungen Humanitäre Bankrotterklärung der USA

Stand: 29.12.2018 08:31 Uhr

Im Frühjahr hat die US-Regierung entschieden, Familien zu trennen, die illegal über die Grenze gekommen waren. Zwar wurde die Politik geändert, doch die Folgen sind noch immer zu spüren.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Zum Jahresende musste sich die Trump-Regierung erneut für ihren harten Umgang mit illegalen Einwanderern rechtfertigen: An Heiligabend starb ein acht Jahre alter Junge aus Guatemala in US-Grenzgewahrsam. Zuvor war ein kleines Mädchen, ebenfalls aus Guatemala, gestorben, nachdem es von Grenzbeamten aufgegriffen wurde.

Heimatschutz-Ministerin Kirstjen Nielsen sagte zu dem Fall bei Fox News: "Ich fühle mit der Familie, alle im Ministerium tun das. Es ist ein sehr trauriges Beispiel für die Gefahren dieser Reise. Diese Familie übertrat die Grenze illegal. Sie waren fast 150 Kilometer entfernt von der nächsten Grenzbehörde. Die Gruppe war so groß, dass es mehrere Anläufe brauchte, alle abzuholen. Es ist so gefährlich, wenn Migranten illegal ins Land kommen."

Null Toleranz für Einwandererfamilien

Familien davon abhalten, illegal in die USA zu kommen: Das war das Ansinnen der Trump-Regierung, als sie im Frühjahr ihre "Null-Toleranz-Politik" einführte. Mehrere Wochen lang wurden Familien an der Grenze getrennt, damit die Eltern wie andere illegale Einwanderer eingesperrt werden konnten. Kinder einzusperren, ist nur eine begrenzte Zeit lang möglich.

Die Kinder kamen in Lager, mussten sich teilweise allein vor Gericht verantworten. Schließlich wurden sie in Heimen und bei Pflegeeltern untergebracht. Wendy Young leitet eine Organisation, die sich für die Kinder einsetzte. "Anscheinend haben sie die 'Null-Toleranz-Politik' so schnell eingeführt, dass sie nicht genügend Informationen gesammelt haben, um Familien wieder zu vereinigen. Jetzt haben sie Mühe, das herauszufinden", erklärt sie.

Eine Mutter steht in der Nacht mit ihrer zweijährigen Tochter in der Nähe der Grenze zwischen Mexiko und den USA. | Bildquelle: AFP
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Eine Mutter steht in der Nacht mit ihrer zweijährigen Tochter in der Nähe der Grenze zwischen Mexiko und den USA.

Kritik auch von Republikanern

Mehr als 2500 Kinder waren betroffen. Die Öffentlichkeit empörte sich über herzzerreißende Bilder, die weinende Eltern und verstörte Kinder zeigten. Selbst Einwanderungs-Hardlinern wie dem Republikaner Lou Barletta ging das zu weit. "Ich denke, wir müssen sicherstellen, dass alle Kinder sicher sind. Vereinigt die Kinder mit ihren Eltern!", forderte er. "Ich habe vier Töchter und acht Enkel, ich will nicht von ihnen getrennt sein." Gerichte stoppten die Praxis. US-Präsident Donald Trump lenkte schließlich ein und verfügte, dass Familien nicht mehr getrennt werden dürfen.

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Mangelnde Dokumentation der Behörden

Doch Kritiker sagen, dass die Grausamkeiten weitergehen. Mehr als 100 Kinder konnten noch nicht wieder mit ihren Eltern vereint werden, weil die Behörden nicht ordentlich Buch führten. Die Grenzpolizei sperrt jetzt ganze Familien ein. Die Lager dafür sind überfüllt.

Und weiterhin werden Familien getrennt, bemängelte Lee Gelernt im National Public Radio (NPR). Er ist Anwalt für die Bürgerrechtsorganisation ACLU. "Wir haben immer eingeräumt, dass die Regierung Familien trennen darf, wenn es ernsthafte Verurteilungen wegen krimineller Handlungen gibt", sagte er. "Wir hören jetzt, dass Familien getrennt werden wegen vagen Vorwürfen zu Bandenkriminalität oder geringfügigen Verurteilungen."

Das Weiße Haus arbeitet weiter an härteren Gesetzen, um Familien abzuschrecken. Hardliner verweisen auf gestiegene Zahlen an der Grenze, seitdem die "Null-Toleranz-Politik" wieder abgeschafft wurde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2018 um 05:50 Uhr.

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