Kohlekraftwerk USA | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Kohle-Regionen in USA Aufleben der stillen Minen?

Stand: 29.03.2017 14:26 Uhr

Einst boomte in Kentucky der Bergbau. Doch die Abkehr von der fossilen Energie unter Ex-Präsident Obama trieb den Stillstand in den Minen voran und brachte für viele den Jobverlust. Trumps politische Kehrtwende lässt nun viele auf eine Rückkehr der Kohle-Ära hoffen.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Harlan County im bergigen, armen Osten des US-Bundesstaates Kentucky ist das Herz der Appalachen. In den Bergen lagert viel Kohle. Kohle, die im Zweiten Weltkrieg die Stahlöfen von Pittsburgh befeuerte, und aus der nach dem Krieg Strom für das energiehungrige Amerika produziert wurde.

Im beschaulichen Dorf Lynch wohnten einmal rund 10.000 Menschen, es gab Schulen, ein Krankenhaus, Geschäfte - alles weg. Vielleicht 200 Einwohner haben ausgeharrt. Einer von ihnen ist John, der Besucher durch die Schaumine "Portal 31" führt. 2006 habe es in Harlan County noch mehr als 356 aktive Bergleute gegeben, erzählt John, davon seien 14 übrig geblieben.

"Die Kohleindustrie ist am Boden. Deshalb wurde ich auch entlassen. Im Harlan County bist du entweder zum Militär gegangen, bist Bergmann geworden oder bist zur Schule gegangen", sagt John. Auch er habe sich nach dem Jobverlust weitergebildet, dann kam ein Reha-Programm für die Atemwege. "Ich habe eine große Familie, die unter der Entlassungswelle in der Kohleindustrie leidet", sagt der ehemalige Miner, wie die Bergleute im Amerikanischen heißen.

Neue Technik und Fracking verdrängen Kohle

Vor der Schaumine: Ein rostendes Förderband, ein kaputter Schornstein, der hoch in den Himmel ragt, eine Gedenktafel für die Kumpel, die bei den vielen Minenunglücken nicht mehr aus dem Berg herausgekommen sind.

Keine Frage: Obamas "Clean Power Plan" ist schuld am Niedergang der Kohle, wenigstens mitverantwortlich. Neben der modernen Technologie, neben dem billigen Erdgas, das dank Fracking in Texas und North Dakota in Hülle und Fülle vorhanden ist. Der jetzige US-Präsident Donald Trump könnte helfen - mit freier Fahrt für die Kohle. 

Hoffen auf eine "Renaissance der Kohle"

Sandy Hodges begrüßt die Besucher am "Portal 31". Die resolute Frau in blauen Shorts und bunter Bluse ist sich sicher: Das Kapitel Kohle ist noch nicht zu Ende geschrieben. "Ich denke, die Kohle wird zurückkommen. Es gibt einen Zyklus, der so in etwa 15 Jahre dauert. Dann meldet sich die Kohle zurück, historisch war das immer so", meint Sandy. Sie würde das freuen. "Diese Mine hier hatte in ihren Hochzeiten 4000 Mitarbeiter - ohne die Familienmitglieder, Kinder und all die Unternehmen einzurechnen, die etwas damit zu tun hatten", begründet sie ihre Hoffnung auf ein Kohle-Comeback.

In Lynch ist das durchschnittliche Jahreseinkommen der wenigen Menschen, die geblieben sind, auf weniger als 20.000 Dollar pro Jahr gesunken. Deshalb will Sandy an eine Renaissance der Kohle glauben, deshalb gefällt ihr Trumps Politik,  die für sie einen Ausweg aus einer komplizierten, wenig hoffnungsvollen Lage einfach beschreibt: "Du magst die Kohle nicht, dann magst Du keine Elektrizität." 

Damit folgt Hodges wie fast alle Menschen im Osten Kentuckys der Logik von Trump. Ausbeutung fossiler Brennstoffe und der Schutz der Umwelt stellen für sie keinen unversöhnlichen Gegensatz dar.

"Kohle ist nicht unsere Zukunft"

Dee Davis sieht das ganz anders. Er leitet das Büro für ländliche Entwicklung nebenan in Whitesburg, Kentucky. Den von Senator Mitch McConnell angesichts der Obama-Gesetzgebung ausgerufenen "Krieg gegen die Kohle" hält er für politischen Unsinn. Der Wirtschaftsfaktor ist seiner Ansicht nach von gestern, die Lasten für Umwelt und Gesundheit blieben, weil die Kohleförderer heute per "Mountain Top removal" ganze Bergkuppen wegsprengten, um an die Kohle zu kommen. Sie bräuchten nur noch wenige Mitarbeiter und ließen eine verwüstete Landschaft mit kontaminierten Wasserläufen zurück.

"Keine Frage, die Dinge sind hier rau. Der Kohleboom ist ziemlich am Ende. Überhaupt gibt es auf der Welt nicht besonders viele prosperierende Kohlegemeinden. Kohle macht die Bergleute nicht reich", sagt Davis. Wenn das "Kohlekapital" zu Ende gehe, müsse man überlegen, was kommt. "Man könnte sagen: Die Kohle war unser Freund, sie ist aber definitiv nicht unsere Zukunft", fasst der Büroleiter zusammen.

Trotzdem: Trumps Kohlepolitik wird von der Mehrheit der Menschen im Osten Kentuckys begrüßt, denn immer wieder versprachen Präsidenten in den vergangenen 60 Jahren, etwas für die verarmende Region zu tun, einen Ersatz für die wegfallenden Kohlejobs zu schaffen. Den gibt es bis heute nicht.

Ohne Umweltvorschriften wird alles besser
A. horchler, ARD Washington
29.03.2017 12:25 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 29. März 2017 Deutschlandradio Kultur um 05:40 Uhr und tagesschau24 um 11:00 Uhr.

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