Bauarbeiter auf einem Kran überlegen, wie sie die Statue von General Robert E. Lee in Richmond entfernen. | AP

Rassismusdebatte in den USA Streit um steinerne Südstaatler

Stand: 11.06.2020 08:24 Uhr

Helden oder Rassisten? In den USA ist ein Streit um Denkmäler von Führungsfiguren der Südstaaten entbrannt. Sie müssen verschwinden, fordern die Demokraten. Trump schwärmt hingegen vom "großartigen amerikanischen Erbe".

Überall in den USA stehen sie: Denkmäler von führenden militärischen und politischen Persönlichkeiten, die im 19. Jahrhundert auf der Seite der damaligen Südstaaten und damit der Anhänger der Sklaverei standen. Sie geraten nun ins Zentrum der Debatte um Rassismus, die seit dem Tod von George Floyd Ende Mai in Minneapolis landesweit entfacht ist und zu teils gewaltsamen Ausschreitungen und Protesten geführt hat.

Allein im Kapitol in Washington D.C. stehen elf solcher Statuen, kritisierte nun auch die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi. In einem Schreiben an einen parteiübergreifenden Ausschuss des Kongresses forderte sie, dass diese Abbilder von Männern, die für "Grausamkeit und Barbarei" eingetreten seien, entfernt werden müssten. Mit ihnen werde "dem Hass gehuldigt", so Pelosi.

Erste Städte reißen Denkmäler ab

Zu den umstrittenen Denkmälern zählen etwa Jefferson Davis, dem Präsidenten der abtrünnigen Konföderierten Staaten, die im Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 den Unionsstaaten gegenüberstanden. Auch sein damaliger Vize, Alexander Stephens, wurde in Stein gemeißelt. Ebenso wie Robert E. Lee, General der konföderierten Armee, der die Truppen unter anderem in die berühmte Schlacht von Gettysburg führte.

Das Denkmal des Generals fiel bereits - nicht in Washington, dafür aber in New Orleans. Die Weisung, die Statue abzubauen, gab der Bürgermeister der früheren Südstaaten-Metropole, Mitch Landrieu. Und auch in Richmond im US-Bundesstaat Virginia soll das Abbild des Generals auf Anordnung des Gouverneurs Ralph Northam verschwinden. Hier stellte ein Gericht die Statue jedoch noch für zehn Tage unter Schutz.

Der US-Bundesstaat North Carolina bereitet gar ein Gesetz vor, dass alle Denkmäler verbieten soll, die ein positives Licht auf Sklaverei und damit auf Rassismus werfen könnten.

Kopflose Kolumbus-Statue

In Boston wurde sogar eine Statue des Seefahrers Christoph Kolumbus enthauptet. Kolumbus gilt als "Entdecker" des amerikanischen Kontinents. Kritiker argumentieren, er habe der Kolonialisierung und der Tötung zahlloser Ureinwohner den Weg bereitet.

Trump lehnt neue Namen für Militärbasen ab

Doch es sind nicht nur Denkmäler, die den Anstoß für die politische Debatte liefern. In den USA tragen insgesamt auch zehn Militärstützpunkte die Namen von Generälen der Konföderierten. Nachdem die Proteste gegen Rassismus in den vergangenen zweieinhalb Wochen ein immer größeres Ausmaß angenommen hatten, schlugen US-Verteidigungsminister Mark Esper und der zivile Leiter des Heeres, Ryan McCarthy, vor, den betroffenen Militärbasen wie Fort Bragg in North Carolina oder Fort Hood in Texas neue Namen zu geben.

Doch Präsident Donald Trump schloss einen solchen Schritt klar aus. Seine Regierung werde "nicht einmal über die Umbenennung dieser herrlichen und sagenumwobenen militärischen Einrichtungen nachdenken." Die Stützpunkte seien "heilige Stätten", in denen "Helden" ausgebildet würden. Sie seien "Teil eines großartigen amerikanischen Erbes geworden und einer Geschichte des Gewinnens, Sieges und der Freiheit", zitierte auch Trumps Pressesprecherin, Kaleigh McEnany, den Präsidenten.

König Leopold II. fällt in Antwerpen

Außerhalb der USA haben die Behörden in Antwerpen bereits auf die Anti-Rassismus-Proteste reagiert, bei denen auch in Belgien Tausende Menschen auf die Straße gingen. Sie ließen die Statue des früheren Königs Leopold II. entfernen. Er hatte Belgien von 1865 bis 1909 regiert und im Kongo ein Kolonialregime errichtet, das von Historikern als eines der gewalttätigsten der Geschichte angesehen wird.

In Brüssel wurden Statuen des früheren Monarchen mit Farbe besprüht. Aktivisten fordern per Petition, auch dieses Denkmal zu entfernen.

Die mit Farbe beschmierte Statue des früheren Königs Leopold II. in Brüssel | OLIVIER HOSLET/EPA-EFE/Shutterst

"Pardon", also "Entschuldigung", steht auf der Brust des früheren Königs Leopold II. Bild: OLIVIER HOSLET/EPA-EFE/Shutterst

Im britischen Bristol warfen vor einigen Tagen Demonstranten die Statue eines Sklavenhändlers ins Hafenbecken. Die Statue von Edward Colston war zu Fall gebracht und dann zum Hafen gezogen worden. Die politischen Reaktionen schwankten zwischen Zustimmung und scharfer Kritik.

Mit Informationen von Claudia Sarre und Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Juni 2020 um 12:17 Uhr.