Die Hälfte des demokratischen Bewerberfeldes bei der letzten TV-Debatte. | Bildquelle: AFP

Frist für US-Demokraten Wer darf weiter vom Weißen Haus träumen?

Stand: 28.08.2019 02:30 Uhr

Für die 21 demokratischen Präsidentschaftskandidaten endet heute eine wichtige Frist. Bis dahin müssen sie zwei wichtige Hürden übersprungen haben - sonst sind sie bei der dritten TV-Debatte nicht mehr dabei.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Wenn sich nicht im Laufe des Tages noch Entscheidendes tut, dann kann sich der übertragende Sender ABC diesmal auf einen Debatten-Termin beschränken. Denn nach jetzigem Stand qualifizieren sich nur zehn der 21 Bewerber für die dritte TV-Debatte. Um das große Bewerberfeld allmählich auszudünnen, hatte die Parteizentrale der Demokraten zwei entscheidende Hürden aufgestellt: Nur wer in mindestens vier seriösen Umfragen zwei Prozent erreicht, darf bei der dritten TV-Debatte noch dabei sein. Und gleichzeitig muss jeder von ihnen mehr als 130.000 Einzel-Spender nachweisen.

Damit soll bewusst die demokratische Basis mehr Einfluss bekommen als vor vier Jahren, als Hillary Clinton schon früh die Parteispitze und die größten Spender hinter sich versammelt hatte. Tatsächlich profitieren davon Vertreter des linken Parteiflügels wie Bernie Sanders und die Senatorin aus Massachusetts, Elizabeth Warren.

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Diese US-Demokraten wollen Präsident werden

Das Feld der Präsidentschaftsbewerber bei den US-Demokraten ist geschrumpft, aber immer noch groß.

Das Weiße Haus in Washington

1600 Pennsylvania Avenue, besser bekannt als das Weiße Haus in Washington: Hier würden zahlreiche US-Demokraten gerne ab Januar 2021 ihren Hauptwohnsitz nehmen - als 46. US-Präsident. Die Zahl der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur wuchs zunächst immer weiter an, bis die ersten Bewerber im August aufgaben. Dennoch war das Kandidatenfeld noch die so vielfältig. Ein Favorit aber lässt sich noch nicht ausmachen. Ein Überblick. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Kleinspenden bevorzugt

Elisabeth Warren hat versprochen, nicht "einen Groschen" von den früher so einflussreichen PACs zu akzeptieren. Hinter diesen "Politischen Aktionskomitees" verbergen sich oft Großspender und mächtige Lobbyinteressen. Warrens Botschaft kommt an. Allein im Juni erhielt Warren drei Mal so viele Einzelspenden wie der frühere Vizepräsident Joe Biden. Und Warren sorgt auf ihren Wahlkampfveranstaltungen für deutlich mehr Begeisterung als Biden. Zuletzt kamen mehr als 10.000 Menschen zu ihren Veranstaltungen, während Biden meist nur einige hundert Anhänger lockt.

In der vergangenen Woche sorgte Bidens Ehefrau Jill für Schlagzeilen, als sie angesichts der linken Begeisterung für Elizabeth Warren mahnte: "Ihr müsst Euch fragen, wer kann diese Wahl gewinnen? Das Entscheidende ist doch, dass wir Trump schlagen müssen."

Biden in Umfragen trotz mauer Debatten weiter vorn

Trotz seiner wenig überzeugenden TV-Debatten führt Biden noch immer in den Umfragen mit 30 Prozent. Um Platz zwei und drei liefern sich Warren und Sanders ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Werten zwischen 15 und 20 Prozent. Wobei Warrens Kurve ansteigt, während die von Sanders stagniert. Von allen anderen Kandidaten schaffen es nur die afroamerikanische Senatorin Kamala Harris und der Kleinstadt-Bürgermeister Pete Buttigieg in die Top Five - allerdings mit einstelligen Werten.

Auch wenn die ersten Vorwahlen in Iowa erst im Februar stattfinden, deutet sich schon jetzt ein Dreikampf an. Biden als Kandidat der Mitte gegen die linksliberale Senatorin Elisabeth Warren oder den unabhängigen Sozialisten Bernie Sanders.

Trump besorgt über Biden

US-Präsident Trump spricht offen aus, wen er sich als Herausforderer wünscht: Der Spott über "Pocahontas" Warren, die stolz auf indianisches Blut in ihren Adern ist, gehört zu den Klassikern bei Trumps Wahlkampfveranstaltungen. Trump brandmarkt die Senatorin als flammende Sozialistin, die Amerika in ein Paradies für illegale Flüchtlinge oder in ein zweites Venezuela verwandeln will. Dagegen hat sich Trump gegenüber Vertrauten mehrfach besorgt geäußert über die guten Umfragewerte für Biden in den wahlentscheidenden Rostgürtel-Staaten.

Und so sind viele Demokraten derzeit innerlich gespalten: im Herzen begeistert über den Elan der linken Basis. Im Kopf das nüchterne Kalkül, wer wohl am ehesten Trump besiegen kann. 

Frist für demokratische Präsidentschaftsbewerber endet – wer bleibt übrig?
Martin Ganslmeier, ARD Washington
28.08.2019 06:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. August 2019 um 05:06 Uhr.

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