Ex-Vizepräsident Biden und die kalifornische Senatorin Harris | Bildquelle: REUTERS

US-Demokraten Biden in Bedrängnis

Stand: 01.08.2019 07:22 Uhr

Beim zweiten Teil der TV-Debatte der US-Demokraten haben sich die Präsidentschaftsbewerber auf den bislang führenden Kandidaten eingeschossen: Ex-Vizepräsident Biden. Der hatte große Mühe, den Attacken etwas entgegenzusetzen.

Der bisherige Favorit unter den demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbern, Ex-Vizepräsident Joe Biden, hat sich gegen heftige Attacken seiner Konkurrenten zur Wehr setzen müssen.

Bei der zweiten Fernsehdebatte der Demokraten in Detroit in der Nacht zu Donnerstag warfen die parteiinternen Rivalen dem 76-Jährigen unter anderem dessen Positionen in Einwanderungspolitik, Justizpolitik und Gesundheitspolitik vor. Er selbst zeigte sich aber kämpferischer als bei der ersten TV-Debatte Ende Juni.

Ex-US-Vizepräsident Biden gerät bei zweiter TV-Debatte unter Druck
tagesschau 14:00 Uhr, 01.08.2019

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"Obama wusste, wer ich bin"

Die kalifornische Senatorin Kamala Harris hielt Biden erneut wohlwollende Äußerungen zu Senatoren vor, die vor Jahrzehnten die Rassentrennung befürworteten. "Wenn diese Befürworter der Rassentrennung sich durchgesetzt hätten, wäre ich heute nicht Senatorin", sagte die afroamerikanische Politikerin. "Und Barack Obama hätte Sie nicht nominieren können."

Wenn er gedrängt wurde, bezog sich Biden häufig auf seine Beziehung zu Obama. "Wir sprechen über Dinge, die vor einer langen, langen Zeit passiert sind", sagte Biden. "Jeder spricht darüber, wie schrecklich ich bei diesen Themen bin. Barack Obama wusste, wer ich bin."

Biden und Harris hatten sich schon bei der ersten TV-Debatte ein Wortgefecht geliefert. Am Mittwochabend wandte sich der Ex-Vizepräsident in einem ungewöhnlichen Schritt unmittelbar vor der Diskussionsrunde an die Senatorin, schüttelte ihre Hand und sagte: "Sei nicht zu hart zu mir, Kind."

Streit bei Gesundheit und Massenabschiebungen

Auch bei der Gesundheitspolitik gerieten Biden und Harris aneinander. Harris warf Biden vor, mit seinem Konzept für die Krankenversicherung Millionen Amerikaner außen vor zu lassen. Biden wiederum hielt Harris entgegen, ihr Gesundheitsprogramm "Medicare for all" sei vage und unbezahlbar. Mit "doppelzüngigen" Vorschlägen werde Harris Trump bei der Präsidentschaftswahl 2020 nicht besiegen können. Harris nannte Bidens Anschuldigungen "einfach unzutreffend". "Die Kosten fürs Nichtstun sind bei weitem zu teuer."

Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio bedrängte Biden mit der Frage, ob dieser die Massenabschiebungen in den Obama-Jahren im Nachhinein für einen Fehler halte und Obama davon abgeraten habe. New Jerseys Senator Cory Booker erklärte mehrfach, Biden könne sich mit Blick auf seine Vergangenheit in der Obama-Administration nicht wegducken.

Biden wich aus und betonte, er sei damals Vizepräsident gewesen, nicht Präsident. Seine damaligen Ratschläge behalte er für sich. Er verteidigte aber Obamas Migrationspolitik insgesamt und versicherte, unter ihm würde es keine Massenabschiebungen geben.

"Einer von uns hat die Lektion gelernt"

Mit Ex-Wohnungsbauminister Julián Castro, stritt Biden über Einwanderungspolitik. Castro will illegale Grenzübertritte lediglich zivilrechtlich verfolgen, und wiederholte den Ruf danach auch in Detroit. Das bedeute nicht, dass die Grenzen geöffnet würden, wie einige in seiner Partei sagten, so Castro.

Biden dagegen will Grenzübertritte nicht entkriminalisieren. "Wer illegal einreist, muss ausgewiesen werden können. Das ist eine Straftat." Biden zeigte damit eine harte Haltung beim Thema Migration, mit dem Trump bei den Wählern punkten will. Er merkte an, er habe Castro nie darüber sprechen hören, während dieser Minister war. Castro antwortete schlagfertig: "Es sieht so aus, als hätte einer von uns die Lektion gelernt, und ein anderer nicht."

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Diese US-Demokraten wollen Präsident werden

Das Feld der Präsidentschaftsbewerber bei den US-Demokraten ist geschrumpft, aber immer noch groß.

Das Weiße Haus in Washington

1600 Pennsylvania Avenue, besser bekannt als das Weiße Haus in Washington: Hier würden zahlreiche US-Demokraten gerne ab Januar 2021 ihren Hauptwohnsitz nehmen - als 46. US-Präsident. Die Zahl der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur wuchs zunächst immer weiter an, bis die ersten Bewerber im August aufgaben. Andere folgten noch vor Beginn der Vorwahlen. Dennoch war das Kandidatenfeld noch nie so vielfältig. Ein Favorit aber lässt sich noch nicht ausmachen. Ein Überblick. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Attacken auf Trump zur Entlastung

Auch bei anderen Themen - etwa der Diskussion über Justizreformen oder Gleichstellungsfragen - setzten die demokratischen Präsidentschaftsanwärter ihrem Parteikollegen zu. Biden versuchte mitunter, die Aufmerksamkeit durch Attacken auf den Amtsinhaber im Weißen Haus, US-Präsident Donald Trump, in eine andere Richtung zu steuern.

In seinen Schlussworten appellierte Biden an die Wähler, sich für ihn zu entscheiden, um vier weitere Trump-Jahre zu verhindern. "Wir wählen Wissenschaft anstatt Fiktion, Hoffnung anstelle von Angst, Einigkeit anstelle von Spaltung", lautete sein Credo. Er warf Trump vor, den "Stoff von Amerika" zu zerreißen und hob den Wert von Vielfalt in seinem Eröffnungsstatement hervor. "Mr. President, das ist Amerika", sagte er über die unterschiedlichen Bewerber auf der Bühne.

Biden führt die Umfragen für die Vorwahlen der Demokraten mit deutlichem Abstand an. Er liegt bei rund 32 Prozent - und hat damit doppelt so gute Werte wie die zweitplatzierten Senatoren Bernie Sanders und Elizabeth Warren.

Wer soll Trump herausfordern? "Alle gegen Biden" das Motto bei der 2. Fernsehdebatte
Martina Buttler, ARD Washington
01.08.2019 07:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 01. August 2019 um 07:09 Uhr.

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